Zum Weinen schön

Zum Geburtstag lädt man sich Gäste ein, genau das hat der AOK-Chor zu seinem 25-Jährigen getan und damit den Geschmack seiner Gäste in der vollbesetzten Stadtpfarrkirche getroffen. (Bild: Schönberger)

Es ist gute Tradition, wichtige Jubiläen öffentlich zu begehen. Nicht jedem ist es aber vergönnt, einen derart gelungenen Geburtstag feiern zu dürfen, wie dem AOK-Chor Weiden. Ein "Ständchen" in einer randvoll besetzten Kirche ist schon etwas Besonderes.

Die Stadtpfarrkirche war ideal für das Jubiläumskonzert unter Leitung von Thomas Knöbl. Das abwechslungsreiche Programm durchstreifte viele Jahrhunderte der Kirchenmusik und bot den Vokal- und Instrumentalensembles viel Gelegenheit zum Beweis der eigenen Qualitäten.

Gesungener Polizeieinsatz

Die Bläsergruppe St. Elisabeth aus Weiden eröffnete das Konzert mit einem festlichen, aber auch nachdenklich wirkenden Préambule des belgisch-niederländischen Komponisten Jos de Klerk. Vielleicht war das ja die musikalische Version der Frage nach dem Verbleib der vergangenen 25 Jahre. Mit angenehm runden Ton musizierte das fünfköpfige Bläserensemble auch die weiteren Beiträge von Gabrieli und Reiche. Einen gesungenen Polizeieinsatz der absolut angenehmen Sorte präsentierte der Polizeichor Weiden. Sowohl die leisen als auch die strahlenden Töne von Bortnianski und Maierhofer waren bei den musikalischen Gesetzeshütern mit ihrem runden Chorklang in besten Händen.

Die Flötengruppe mit dem orginellen Namen "Borkenkäfer" musste zu keiner Zeit Angst haben, dass ihre Instrumente ein Raub der Schadinsekten werden könnten. In feiner Abstimmung und guter Intonation demonstrierten die vier Flötisten die Ergebnisse ihrer Probenarbeit. Und so klang die Musik eines Tilman Susato, Bach und Händel fein durch den Kirchenraum. Als Geburtstagsgruß der Neustädter Kirchenmusik an den Jubelchor erklang das bekannte Werk "Highland Cathedral". Andreas Bäumler - begleitet von Vater Harald an der Orgel - gestaltete seinen Part mit dem großen Ton seines Flügelhorns und der strahlenden Größe der Trompete.

Ein feiner Zug

Den Reigen der Gäste vervollständigte das Frauenterzett Weiden. Rheinberger und Mendelssohn waren bei Judith Peter und Sylvia Schönberger in besten Händen, besser gesagt Kehlen. Mit ausgewogenem Ton interpretierten sie die Gesangsbeiträge. Karin Schönberger begleitete an der Orgel mit größter Einfühlsamkeit. Das im Duo von Sylvia Schönberger und Thomas Knöbl interpretierte "Ave Maria" aus der Feder Donizettis geriet zum Gefühlshöhepunkt des Konzertes - zum Weinen schön.

Der AOK-Chor zeigte sich in den beiden Solobeiträgen von Schnabl und Bruckner von seiner allerbesten Seite - klanglich rund und mit bester Textverständlichkeit. Zu jeder Zeit hörte man die intensive Probenarbeit und die in 25 Jahren gewachsene Vertrautheit.

Es war ein absolut feiner Zug der Organisatoren, das Hauptgewicht des Konzertes einerseits auf die angemessene Präsentation der Gäste, andererseits auf das gemeinsame Musizieren zu legen. Und so erklangen in abwechselnden Formationen zusammen mit dem Polizeichor und den Damen des Frauenterzetts Kompositionen von Trapp und Haydn. Das "Abendlied", komponiert von Josef Rheinberger, entließ die begeistert applaudierenden Zuhörer in die dunkle Winternacht.
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