Stefan Fröhlich wurde Zeuge des Amoklaufs in München
„Dann bin ich losgerannt“

Stefan Fröhlich. Bild: privat

Stefan Fröhlich wollte auf dem Heimweg noch einkaufen, als Menschen panisch auf ihn zugerannt kamen. "Ich sah die Leute auf mich zulaufen, ein Mann rief: ,Da schießt einer'", erzählt der 30-Jährige. Dann hört er selbst die Schüsse.

München. "Ich war keine 100 Meter weit weg", berichtet der gebürtige Flosser noch am Abend von den schrecklichen Geschehnissen rund um das Münchener Olympiaeinkaufszentrum (OEZ). "Ich war drei, vier Sekunden wie erstarrt. Dann bin ich losgerannt." Um ihn herum war eine Massenpanik. "Hier war das absolute Chaos. Ich habe nicht nachgedacht, einfach nur reagiert. In dem Moment als es passierte, wollte ich gerade mit meiner Karte bei Dunkin' Donut zahlen." Die ist noch immer im Automaten.

Fröhlich, der als Social-Media-Manager bei Telefónica arbeitet, ließ alles liegen und stehen. Er lief und lief, bis er nach einigen Minuten am nahen O2-Tower, seinem Arbeitsplatz angekommen war. Fröhlich rannte bis zu seinem Büro im 30. Stock. "Da hatte ich das Gefühl, sicher zu sein. Da kommen sie nicht rauf." Als erstes rief er seine Freundin, die aktuell in Österreich auf einer Dienstreise ist, und seine Eltern an. Er beruhigte sie, dass es ihm gut gehe und er in Sicherheit war.

Ich war keine 100 Meter weit weg. Ich war drei, vier Sekunden wie erstarrt. Dann bin ich losgerannt.Stefan Fröhlich


Was ihm wie eine Ewigkeit vorkam, dauert nur Minuten. Über die Medien liefen gerade die ersten Meldungen, während er eine Warnung auf Facebook postete: "Leute bleibt vom OEZ weg." Von seinem Büro aus, das mit Blick auf die Hauptkreuzung vom Georg-Brauchle-Ring und der Straße zum Einkaufszentrum liegt, verfolgte er die weiteren Geschehnisse.

Nur fünf bis zehn Minuten später waren 20 bis 25 Einsatzfahrzeuge an der Kreuzung - Polizei, Rettungswagen und Sondereinsatzkommandos. Ständig fuhren Einsatzfahrzeuge weg, andere kamen an. "Die Lage ist auch jetzt noch unklar. Bei uns hat die Polizei nur kurz die Lage überprüft." Danach kam nur noch die Durchsage, im Gebäude zu bleiben. Der Flosser wirkt nur knappe zwei Stunden danach - unter dem Eindruck der schrecklichen Erlebnisse - am Telefon gefasst: "Wahrscheinlich kommt es erst später. Es wird dauern, das zu verarbeiten."

Am Wochenende wollte er in Floß (Landkreis Neustadt/WN) seine Eltern besuchen. Der 30-Jährige rechnet nun damit, im Büro zu übernachten. "Wir sind hier gut versorgt." Sein Auto mit Laptop steht in der Nähe des Tatorts: Sollte er das Gebäude unerwartet doch noch verlassen dürfen, hat er ein Hotelzimmer gebucht.

Reale Horrorvorstellung


Mit seiner Freundin habe er oft darüber geredet, dass München ein potenzielles Ziel für Terroranschläge sein könnte. "Ich wohne in Rosenheim und pendle täglich nach München. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln." Nun war er näher am Geschehen als er es je für möglich gehalten hätte. Und ist aufgewühlt: "Wir müssen halt jetzt irgendwie weitermachen."
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