Bürgernähe in weißen Kitteln
Landratsamt lässt auf seine Lebensmittelüberwacher nichts kommen

Das Landratsamt lässt auf seine Lebensmittelüberwacher nichts kommen. Es befürchtet aber bald höhere Kosten für Wirte.

Nimmt das Umweltministerium den Landratsämtern die Lebensmittelüberwachung weg und überträgt sie den Bezirksregierungen, wären in Neustadt zunächst zehn Mitarbeiter betroffen: vier Amtstierärzte, vier Lebensmittelüberwachungsbeamte, ein Veterinärassistent und eine Verwaltungskraft. Hinzu kommen die für den rechtlichen Vollzug zuständigen Bediensteten sowie 13 Fleischbeschauer und Fleischbeschautierärzte.

Landrat Andreas Meier könnte schon damit leben, bei den Regierungen eine Spezialeinheit zu bilden, die Großbetriebe wie Bayern-Ei unter die Lupe nimmt - vorausgesetzt, dass dafür das Tagesgeschäft vor Ort bleibt. "Wir haben sehr gutes und kompetentes Personal. Das dürfen wir nicht unter Generalverdacht stellen", bricht Meier eine Lanze für seine Kontrolleure. Beim Fall Bayern-Ei hatte ein Lebensmittelüberwacher Handel mit salmonellenverseuchten Eiern zusammen mit dem Unternehmer vertuscht.

Wechselnde Kontrolleure


In Neustadt ist so etwas schwer vorstellbar. Die Zuständigkeiten im Kreis sind auf vier Regionen aufgeteilt. Das Personal rotiert im Schnitt alle fünf Jahre. 2015 sind die Beamten zu 650 Kontrollen ausgerückt und haben 250 Proben genommen. Zuständig sind sie für 1250 Betriebe. "Wer Mängel hat, wird in der Regel so oft aufgesucht, bis die Probleme abgestellt sind", erklärt Landratsamtssprecher Reinhard Schmid. Generell gilt: Größere Betriebe bekommen öfter Besuch als kleinere, und Gaststätten werden häufiger kontrolliert als Getränkemärkte.

Landrat Meier verweist darauf, dass sich kurze Wege vor Ort auch für Vereine bezahlt machen, etwa wenn es um Beratung für Feste geht. Doch der Rechnungshof in München moniert, dass in der Organisationsstruktur an allen bayerischen Landratsämtern Wildwuchs herrscht. Nur 17 Prozent sind gleich aufgestellt.

Die Neustädter können an ihrem Modell nichts Schlechtes erkennen, sagt Schmid: "Wenn es zum Beispiel zu einer Lebensmittelvergiftung in einem Kindergarten oder einer Gastwirtschaft kommt, arbeiten die Lebensmittelüberwachung und die Ärzte vom Gesundheitsamt Schulter an Schulter, weil sie im gleichen Gebäude untergebracht sind und sich regelmäßig austauschen."

Tierschutz leidet


Sollte die Lebensmittelüberwachung an Regensburg übergehen, müssten Gaststätten oder Metzgereien mit steigenden Kosten rechnen. Das liegt allein schon an den weiteren Fahrten für die Kontrolleure. Damit gehe ein Stück Bürgernähe verloren. Das befürchtet das Landratsamt auch beim Tierschutz, erklärt Schmid: ",Wenn die Strecken weiter werden, kann nicht bei jedem Anruf eines besorgten Tierliebhabers, ob etwas mit einem winselnden Hund vielleicht nicht in Ordnung wäre, der Amtstierarzt mal schnell vorbeifahren und nach dem Rechten sehen."
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