Christian Frey hat seit kurzem am Landratsamt eine Schlüsselstelle zur Integration von Migranten
Der Bildungsmanager

Christian Frey. Bild: hfz

Auf den ersten Blick könnte man meinen, Christian Frey habe die Vorhölle gegen die heile Welt getauscht. Bis vor zwei Wochen war er Quartiersmanager in Neukölln, dann wechselte er ans Landratsamt. Dort ist der 34-jährige Weidener Bildungskoordinator für Flüchtlinge und Migranten im Landkreis. Dass er den Berliner Problemkiez gegen die Nordoberpfalz getauscht hat, hängt aber nicht damit zusammen, dass er erwartet, hier eine ruhigere Kugel zu schieben, erklärt er im Interview mit Redakteur Friedrich Peterhans.

Herr Frey, Sie haben nach dem Abitur am Augustinus-Gymnasium in Berlin Soziologie studiert und dort Fuß gefasst. Warum wollten Sie trotzdem zurück?

Frey: Man weiß Dinge oft zu schätzen, wenn man sie nicht mehr hat. Natur und Wald fehlen eben in der Großstadt. Dazu haben meine Frau und ich drei Kinder. Ohne Oma und Opa in der Nähe hat man da schon zu kämpfen. Bald wäre in Berlin auch ein Wohnungswechsel angestanden, und die Mietpreise schossen und schießen auch bei uns im nördlichen Neukölln steil nach oben. Da kam die Überlegung auf, es mal mit einem eigenen Garten und der alten Heimat zu probieren.

Bei Neukölln denkt man an Parallelgesellschaften, Gewalt, kaputte und bildungsferne Familien. War nicht das der Grund?

Neukölln hat auch sehr schöne Seiten und ist zurzeit sehr angesagt. Es ziehen zum Beispiel immer mehr junge Akademiker aus Spanien und Italien zu. Das wirkt sich natürlich auf den Mietmarkt aus. Klar gibt es auch viele Probleme, zum Beispiel Grundschulen, bei denen 80 Prozent der Eltern Hartz IV beziehen.

Wie haben Sie die als "Quartiersmanager für Bildung" angesprochen?

Wie gesagt, das Image des Bezirks ist schlechter als die Realität. Es gibt zum Beispiel sehr viele aktive und interessierte "Stadtteilmütter". Mit denen gibt es einige Projekte, damit sie in ihre Community hineinwirken. Diese Frauen geben Erfahrungen weiter, wie wichtig es ist, Kinder regelmäßig in die Schule zu schicken und darauf zu achten, dass Hausaufgaben gemacht werden.

So ähnlich sieht jetzt auch Ihre Aufgabe in Neustadt aus?

Hier bin ich dafür zuständig, mit den Bildungsträgern vor Ort den richtigen Bildungsweg für Neuzugewanderte zu finden und Angebote ineinander greifen zu lassen. In Neukölln haben wir solche Stellen ausgeschrieben. Für mich ist es ein besonderer Reiz, jetzt mal selbst an der Umsetzung mitzuarbeiten.

Ihr Schwerpunkt liegt auf Flüchtlings- und Migrantenarbeit. Worauf kommt es an, diese Gruppe in Bildungsstrukturen zu bringen?

Flüchtlinge gehörten bislang nicht zu meiner Hauptzielgruppe. Ich denke, ein Patentrezept gibt es nicht, da diese Gruppe nicht homogen ist. Ein Ansatz dürfte aber die kulturelle Übersetzungsarbeit sein, also Leuten beizubringen, wie Bildung in Deutschland funktioniert.

Was heißt das?

Ich habe immer wieder die Erfahrung gemacht, dass gerade ausländische Eltern große Bildungshoffnungen haben, aber wenig wissen, wie Bildungserfolg in Deutschland funktioniert. Bei Neuköllner Türken habe ich festgestellt, dass sie ein bisschen denken: Jetzt geben wir das Kind an der Schule ab, und dort sollen sie mal dafür sorgen, dass es funktioniert.

Kennen Sie die Bildungsträger bereits, mit denen Sie es hier zu tun bekommen?

Einige schon. Ich habe mir vor der Bewerbung mal einen Überblick verschafft, wie viele es hier gibt. Das hat mich wirklich positiv überrascht. In den nächsten Wochen geht es an die Kontaktaufnahme.
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