Das Kreuz mit der Miete
Sozialamt fürchtet Wohnungsmangel für Flüchtlinge

Etwa 1100 Flüchtlinge leben zwischen Eslarn und Kirchenthumbach. Keiner weiß, ob es mehr werden, oder ob sich die Situation für die Mitarbeiter von Sozial- und Jugendamt entspannt.
Politik
Neustadt an der Waldnaab
15.03.2016
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Wenn der eine Nöte hat, kann der andere davon profitieren. Das galt lange für Vermieter, die kräftig kassierten, wenn sie Quartiere für Asylbewerber bereitstellten. Doch die öffentliche Hand bremst die Ausgaben. Das bringt das Sozialamt in eine neue Bredouille.

Das letzte Bild, das der Beamer beim Vortrag von Sozialamtsleiterin Johanna Meier an die Wand der Stadthalle Neustadt warf, sprach Bände. Es zeigte dem Kreistag ein riesiges Fragezeichen. Wie viele Flüchtlinge kommen noch? Und was wird aus ihnen?

Was das für die Mitarbeiter der Kreisverwaltung bedeutet, sprach Meier unverblümt an: "Es ist dramatisch. Meine Leute können nicht mehr." Diese Woche bekamen sie 20 Neuzugänge, nächste Woche sind 15 avisiert. Schon seit geraumer Zeit hat Meiers Abteilung einen vierten Auszahlungstag eingerichtet, um dem Andrang gerecht zu werden. Dafür braucht es Personal. "Aber drei sind schon dauernd unterwegs und schauen sich Wohnungen an. Wir nehmen fast alles, was dem Brandschutz und anderen Vorschriften entspricht." Das wird jedoch immer schwieriger, erläuterte die Sozialamtschefin.

Füllhorn leert sich


Seit Mitte 2015 schnallt die Regierung den Gürtel für Asylunterkünfte enger. Bis dahin zahlte sie Vermietern eine Tagespauschale von 15 Euro pro Person. Bei einer Großfamilie kamen so schnell Riesenbeträge zusammen. In der Regel schlossen die Landratsämter dafür Jahresverträge ab, die danach in normale Mietverträge übergingen.

Diese Praxis ist passé. Das Sozialamt muss sämtliche Verträge neu verhandeln. Mittlerweile gibt es nur noch die ortsübliche Miete plus maximal zwei Euro pro Quadratmeter. Dazu kommen Nebenkosten und 30 Euro pro Person im Monat. Dafür muss der Vermieter Betten, Tisch, Schrank, Stühle und eine Waschmaschine zur Verfügung stellen. "Zu diesen Bedingungen werden uns etliche Hausherren nicht mehr mitmachen", fürchtet Meier. Der Landkreis fährt bislang gut mit der dezentralen Unterbringung, bescheinigten alle Kreistagsfraktionen den Beamten großes Lob. Das Verhältnis zwischen Flüchtlingen und Einheimischen in den Dörfern sei ausgezeichnet. Doch bald könnten Quartiere fehlen.

Jugendamt muss abwarten


Meiers Fragezeichen konnte Jugendamtsleiter Klaus Egelseer dick unterstreichen. Er erzählte aus seinen Erfahrungen mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen. Das Jugendamt betreut zurzeit 107 junge Männer. Sie sind im Schnitt 17 Jahre alt. Weil Bayern derzeit wesentlich mehr dieser Jugendlichen beherbergt, als es nach dem Königsteiner Schlüssel müsste, ist laut Egelseer erst im Mai oder Oktober mit Neuzugängen zu rechnen. Falls dann noch welche kommen.

Allerdings hilft alle Spekulation nicht weiter, wenn die Realität nicht mitspielt. Egelseer: "Meine Leute werden auch mal am Samstag um 22 Uhr angerufen, wenn die Polizei in Waidhaus einen unbegleiteten Minderjährigen aufgreift." Der Jugendamtsmitarbeiter muss dann sofort das Alter schätzen und eine Bleibe für die Nacht finden.
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