Digitale Gefahren für Jugendliche aus dem Landkreis Neustadt
Nacktbilder, Partys, Drogen

Symbolbild (Foto: dpa)

Das Internet bietet Kindern einen unendlichen Wissensspeicher und den Kontakt zu Freunden. Dort warten aber auch Pädophile und Drogendealer, erklärt Polizeihauptkommissar Norbert Kellner dem Jugendhilfeausschuss des Landkreises.

Die dunklen Seiten des Internets beschränken sich nicht auf Bauanleitungen für Joints. Kinder aus dem Landkreis seien auch mit Online-Anleitungen zum Selbstmord, Verrherrlichung der Magersucht, Tipps zum Einbruch in die Schule oder Naziparolen und einem blühenden Schwarzmarkt konfrontiert.

Der Polizeihauptkommissar aus Vohenstrauß warnt auch vor Cyber-Grooming. Dabei versuchen ältere Männer, Jugendliche im Internet zu kontaktieren und sie dazu zu bringen, ihnen Nacktbilder zu schicken. "Wir hatten das auch in Vohenstrauß schon des Öfteren."

Jugendliche als Opfer


Er berichtete, von einer 14-Jährigen, die Nacktbilder von sich schoss und über das Smartphone teilte. So eine altersbedingte Dummheit kommt schnell in viele falsche Hände und landet schließlich bei der Polizei. Kein Einzelfall, weiß Kellner aus seiner Arbeit. "In der digitalen Welt werden Jugendliche vermehrt zu Opfern. Die Jugendlichen gehen damit viel zu unbedarft um." Im vergangenen Jahr habe es drei oder vier Fälle der Verbreitung von Nacktaufnahmen im Bereich der PI Vohenstrauß gegeben. Doch die Jugend ist keineswegs verroht oder übermäßig naiv. Nur 20 Prozent der Straftaten im Landkreis begehen Unter-21-Jährige. Typische Delikte seien Diebstahl und Sachbeschädigung. 354 jugendliche Tatverdächtige hat es im Landkreis im Jahr 2015 gegeben, ähnlich viele wie 2014. Aktuellere Zahlen liegen noch nicht vor.

Hinterhältig sind Kettenmails. Darin werden Kinder bei Whatsapp bedroht, etwas weiterzuleiten, sonst müsse jemand sterben. Kreisrat Gerhard Steiner kennt das aus seiner Arbeit als Lehrer: "Das geht schon in der fünften Klasse los. Das hat mich überrascht. Die Kinder nehmen das total ernst und sind verunsichert."

Ab zwölf mit Smartphone


86 Prozent der 12- bis 13-Jährigen besitzen mittlerweile ein Smartphone. Für 90 Prozent der Jugendlichen ist das Internet wichtig oder sehr wichtig. Über das Fernsehen denken das nur noch knapp die Hälfte. 90 Prozent nutzen inzwischen Whatsapp zur Kommunikation, Snapchat wird von etwa 30 Prozent genutzt und nur noch 50 Prozent sind bei Facebook.

Trotzdem laufen auch vor der Haustür Facebookpartys aus dem Ruder, wie jüngst erst im März in Weiden-West. Dort hatte ein 15-Jähriger dazu eingeladen. Die Gäste verwüsteten das Wohnhaus und klauten eine Uhr. In Eslarn konnten Beamte eine ähnlich geplante Sause noch im Vorfeld verhindern.

Doch nicht nur Medien entscheiden, ob ein Kind straffällig wird. "Die Erziehung hat schon Defizite. Das stellen wir immer wieder fest", sagt der Polizeihauptkommissar. "Wie soll ich mich ausdrücken, ohne dass ich den Eltern zu nahe trete? Sie nehmen die Vorkommnisse nicht wirklich ernst oder wollen nicht darüber sprechen." Es kämen Aussagen wie "Mein Kind macht so was nicht." Kellner meint, die Probleme werden auf die Seite geschoben. "Ich habe den Eindruck, dass man sich nicht mit den Kindern beschäftigt."
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