Drogenbeauftragte Marlene Mortler besucht Bezirksklinikum Wöllershof
Cannabis soll verboten bleiben

Keine Legalisierung von Cannabis und ein "mutiges, intelligentes Gesetz", wenn es um das Thema Kräutermischungen geht: Marlene Mortler, die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, fand beim Besuch im Bezirksklinikum Wöllershof klare Worte.

Mortler ließ sich am Dienstagabend von der Arbeit des Oberpfälzer Suchtkreises erzählen. Sie lobte die Prävention und die Aufklärung über Drogen. Sie sagte sogar: "Es ist meine Pflicht, den Oberpfälzer Suchtarbeitskreis als Vorbild zu nehmen und in Bayern zu bewerben." Einen bezirksweiten Zusammenschluss gibt es nur in der Oberpfalz.

"Falsches Signal"

Die Politikerin beteiligte sich auch an der Debatte über die Legalisierung von Cannabis. Sie fragte: "Wenn man mit Alkohol und Tabak schon genug Probleme hat, warum zusätzlich welche aufladen?" Drogen sind ihrer Meinung nach immer ein Betrug an sich selbst. Wie jemand auf die Substanzen reagiere, sei zwar eine Frage der Dosis und der genetischen Veranlagung. Die Drogenbeauftragte gibt aber zu bedenken: "Viele glauben, alles im Griff zu haben. Der Übergang in die Sucht ist aber oft fließend."

Eine Legalisierung sei in jedem Fall ein "falsches Signal an junge Leute". Mortler zog auch das Beispiel Colorado heran, um ihre Position zu untermauern. Dort sei der Cannabis-Konsum nach der gesetzlichen Freigabe entgegen der Erwartungen gestiegen. Die Substanzen würden in Schokolade und Gummibärchen verarbeitet. Mortler sprach davon, dass eine Gelddruckmaschine angeworfen worden sei.

Immer mehr Psychosen

Ein Problem sieht die CSU-Frau auch in den Kräutermischungen, die auf dem Markt seien. Viele Konsumenten würden gar nicht wissen, was sie zu sich nehmen. Dr. Heribert Fleischmann, der Ärztliche Direktor des Bezirkskrankenhauses Wöllershof, bestätigte die Aussage. Er berichtete, dass sehr regelmäßig Patienten mit Psychosen nach Wöllershof kämen. Fleischmann sieht diese Entwicklung mit Sorge.

Das Problem sei, dass jeder Stoff, den eine Mischung enthält, gesetzlich verboten werden müsse. Sobald ein Verbot ausgesprochen sei, werde die Mischung angepasst - ein wahres Hase-und-Igel-Spiel. Deshalb plädiert der Mediziner dafür, ganze Stoffgruppen unter das Betäubungsmittelgesetz zu stellen.

Damit läuft er bei Mortler offene Türen ein. Sie hofft auf ein "mutiges, intelligentes Gesetz, damit wir am Ende nicht mehr hinterherhinken". Weil man aber rechtliches Neuland betrete, sei es umso wichtiger, das Gesetz rechtssicher und wasserfest zu verabschieden. Mortler glaubt: "Heuer bekommen wir das Gesetz hin."

Fleischmann thematisierte noch die gute Vernetzung in der Oberpfalz, wenn es um die Themen Drogen und Sucht gehe: "Für jede Droge eine eigene Struktur zu schaffen ist nicht machbar und finanzierbar." Entscheidend sei es vielmehr, die Lebensbedingungen der Menschen im Blick zu haben.
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