Endlagersuche: Landkreis dabei
Umweltausschuss erörtert hochbrisantes Thema

In weiten Teilen der Region wie hier in Flossenbürg dominiert Granit. Dieses Gestein ist für ein Endlager für hochradioaktive Abfälle so interessant, weil es sehr homogen und dicht ist. Sollte tatsächlich ein Endlager in kristallinem Untergrund kommen, dann würde es sich auf eine Fläche von mindestens 10 000 Quadratkilometern erstrecken. Bild: nm
 
"Es liegt noch keine belastbare Grundlage für die geologische Beurteilung einer Region vor. Wir können noch nichts Sinnvolles sagen." Zitat: Dr. Frank Holzförster

Wohin mit dem Atommüll? Die Bundesregierung hat mit der Suche nach einem Endlager für hochradioaktive Abfälle einen für Landrat Andreas Meier "hochbrisanten Prozess" in Gang gesetzt, der jetzt auch den Landkreis mit seinen ausgiebigen Granitvorkommen erreicht hat.

Im Lobkowitzerschloss will man mit dem Thema offensiv umgehen und setzte es am Donnerstagnachmittag auf die Tagesordnung des Umweltausschusses. Landrat Meier verweist auf das 2013 von der Bundesregierung beschlossene Standortauswahlgesetz. Dessen Ziel sei die ergebnisoffene Suche eines geeigneten Endlagers.

Im Zuge des Auswahlverfahrens habe die Endlager-Kommission im Oktober und Dezember 2015 sowie im Januar 2016 Vertreter aus vielen deutschen Regionen zu Workshops eingeladen, da die ungeliebte Einrichtung letztlich auf kommunaler Ebene gesucht, errichtet und betrieben werde. Den Landkreis vertraten Dr. Frank Holzförster, wissenschaftlicher Leiter des Geo-Zentrums an der KTB, Dr. Andreas Peterek, Projektleiter des Geoparks Bayern-Böhmen, Kreisrat Karl Meier aus Neustadt und Hilde Lindner-Hausner aus Kohlberg von der Bürgerinitiative gegen atomare Anlagen Weiden-Neustadt.

Laut Holzförster kommen für das Endlager Gebiete mit Sand, Ton und Kristallin, wozu auch Granit gehört, in Frage. Und bei Granit werde man in der Region hellhörig. Von Flossenbürg über Leuchtenberg bis zum Fichtelgebirge und den Steinwald existiere potenzielles Endlagergestein. "Allerdings gibt es keinen absolut sicheren Standort." Es sei daher nur von bestmöglicher Sicherheit die Rede.

Endlagerbergwerk


Der gesuchte Standort soll für einen Zeitraum von einer Million Jahren die nach heutigem Wissensstand bestmögliche Sicherheit für den dauerhaften Schutz von Mensch und Umwelt vor ionischer Strahlung und sonstigen schädlichen Wirkungen dieser hochradioaktiven Abfälle bieten. Die Kommission favorisiere ein Endlagerbergwerk, allerdings mit einer erheblichen konzeptionellen Änderung. Gegenüber früheren Ansätzen, in denen ein möglichst rascher Verschluss ohne besondere Berücksichtigung einer späteren Rückholbarkeit oder Bergbarkeit vorgesehen war, sollen jetzt jederzeit Korrekturen möglich sein. So will man künftigen Generationen Handlungsoptionen und Entscheidungsspielräume offenhalten.

Chance Vulkanismus


Holzförster verwies auf eine Reihe von geowissenschaftlichen Ausschlusskriterien, Mindestanforderungen und Abwägungskriterien. "Diese liegen aber bisher ausschließlich im Entwurf vor." Einer davon sei der Vulkanismus. Und darin sieht der Experte eine Chance, dass unsere Region für ein Endlager ausscheiden könnte. Geologische Grundlagen seien die wichtigsten Auswahlkriterien. "Aber noch liegt keine belastbare Grundlage für die geologische Beurteilung einer Region vor. Wir können noch nichts Sinnvolles sagen", fasste der Geologe seine Ausführungen zusammen.

Kreisrat Meier berichtete ebenfalls von seiner Arbeit in den Workshops. Der ehemalige Sicherheitsingenieur bei der US-Armee in Grafenwöhr wusste von 28 000 Kubikmetern hochradioaktivem Abfall, der starke Wärme entwickelt und sicher einzulagern sei. Sollte das derzeitige Endlager Asse geräumt werden müssen, kämen noch einmal bis zu 300 000 Kubikmeter hinzu.

HintergrundDie Suche nach einem Endlager für hochradioaktive Abfälle stellt eine große Herausforderung dar. Bisher war es das Bestreben der Bundesregierung, die strahlenen Castoren, die enorme Hitze entwickeln, in der Tiefe zu vergraben. Dies ist aber nicht unbedingt das absolut Sicherste, schließlich geht es um einen Zeitraum von einer Million Jahre, in dem Mensch und Natur vor Strahlung geschützt werden müssen.

Die Endlager-Kommission hat daher den bisherigen Zeitplan über den Haufen geworfen. Dieser sah vor, dass bis 2031 ein Standort für das Endlager gesucht und festgelegt werden sollte. Jetzt hält die Kommission auch einen Zeitraum von 40 bis 60 Jahren für denkbar. Ein Standort-Beschluss könnte demnach frühestens 2058 fallen, wenn die Endlager-Suche im Jahr 2018 beginnt.

Mit einer Inbetriebnahme des Standortes und der Einlagerung der Abfälle kann laut Endlager-Kommission dann erst im nächsten Jahrhundert gerechnet werden. Das Bundesumweltministerium hatte bisher den Zeitpunkt der Inbetriebnahme mit dem Jahr 2050 angegeben. (ms)


Es liegt noch keine belastbare Grundlage für die geologische Beurteilung einer Region vor. Wir können noch nichts Sinnvolles sagen.Dr. Frank Holzförster
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Dr. Peter Steinbock aus Eschenbach in der Oberpfalz | 25.06.2016 | 22:48  
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