Grundsätze statt Vorschläge
Wenig ergiebige Diskussion zu Gleichstromtrasse

Bundestagsabgeordneter Albert Rupprecht (rechts) hatte sich konkrete Fragen von Bürgern und Politikern erhofft, wie die Bundesnetzagentur die geplante Erdverkabelung des Südostlinks angehen will. Doch die kamen bei den vielen Stromtrassengegnern im Saal kaum zu Wort. Bild: fz
 

Albert Rupprecht war stolz, den Vize-Chef der Bundesnetzagentur in die Region gelotst zu haben. Zusammen mit Tennet-Vertretern sollte er in der Stadthalle Neustadt mit Bürgern über Stromtrassenkorridore diskutieren. Doch die Veranstaltung reißen schon gleich nach Beginn Fundamentalgegner der Leitungen an sich.

Unter den zahlreichen Zuhörern waren auch etliche Bürgermeister aus der Region zwischen Tännesberg und Wiesau. "Was ist, wenn ein geplanter Arm des Südostlinks durch meine Gemeinde läuft?" Auf diese Fragen hatte ihnen Rupprecht in der Einladung Antworten in Aussicht gestellt. Dazu kam es nicht, denn eine ganze Reihe von Bürgerinitiativen aus der Region, sogar eine aus dem Nürnberger Land, nutzte den Abend, ihre Positionen wieder und wieder von sich zu geben.

Vorzeitiger Abgang


Reihenweise trugen ihre Vertreter am Mikrofon politische Anschuldigungen vor, weil Alternativen zum Leitungsbau ausgeschlagen wurden. Sie wollten Auskunft über Strompreise, die Renditen der Betreiber, den Energieverlust in der Leitung und zitierten jede Menge Gutachten und Experten. Einige forderten Gaskraftwerke in Bayern, oder die Technologie "Power-to-Gas" und vieles mehr.

Genervt verließen ein Großteil der Bürgermeister und andere Zuhörer nach einer Stunde allmählich den Saal. Schließlich platzte stellvertretendem Landrat Albert Nickl nach eindreiviertel Stunden der Kragen, als er feststellte, dass es vielen nicht um die Frage der Umsetzung der Erdverkabelung, sondern nur um das Verhindern gehe. "Für die Region ist doch entscheidend, dass es keine Monstertrassen gibt."

Vorgespräch mit Bauern


Nickl betonte, dass Trassen an der Autobahn Vorrang haben müssten und man nicht nur die A 93, sondern auch die A 9 in die Prüfung einbeziehen muss. Als Rupprecht danach einschritt und Grundsatzfragen zurückstellte, damit regionale Fragen zur Trasse angesprochen werden können, war niemand von denen mehr da, die speziell dafür gekommen waren. Er werde sich auch im Vorfeld keine Beurteilung über Varianten anmaßen, hatte Rupprecht eingangs herausgestellt.

Er wurde immer dahingehend angesprochen, an der Autobahn zu bauen. Wenn dies fachlichen Bestand hat, wäre das wohl die Variante, die am besten akzeptiert wird. Dem widersprach eine junge Neustädterin, die doch noch zu Wort kam. Sie habe die Autobahn vor der Haustür und nun dann auch noch die Stromtrasse. Das könne gesundheitliche Probleme machen. Öffentlicher Grund an der Autobahn dürfe nicht verschont werden, forderte Hans Kick aus Neudorf. Rupprecht merkte zur Landwirtschaft an, dass über Entschädigungen für Bauern am gleichen Tag ein Vorgespräch mit deren Vertretern stattgefunden habe. In die Phalanx der Grundsatzdiskussion bahnte sich Mitterteichs Bürgermeister Roland Grillmeier eine Schneise. Er stellte fest, dass die Grundsatzentscheidung wohl schon gefallen ist, und "wir" nun neben dem Ostbayernring auch die Gleichstromtrasse bekommen. Grillmeier forderte, dass die Kommunen wie vor Jahren bei den Freileitungen entschädigt werden müssten. Damals waren es 40 000 Mark für den Kilometer.

So früh wie möglich Eindrücke zu sammeln über Trassenvarianten, hatte sich Netzagentur-Vertreter Franke von der Bürger eingangs gewünscht. Bis auf die Forderung, entlang von Autobahnen zu bauen, konnte er nicht viel nach Berlin mitnehmen.
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