Junge Flüchtlinge im Neustädter Schwesternheim in der Bildstraße
Flüchtlinge schaffen Jobs

Toni Kellermann hat der Kliniken Nordoberpfalz AG dieses Gebäude abgekauft. Bis März will er dort zwei Wohngruppen für minderjährige Flüchtlinge einrichten. Bild: Hartl

Der Volksmund nennt das Gebäude Bildstraße 8 immer noch Schwesternheim, obwohl dort längst keine Ordensfrauen mehr wohnen. Die Kliniken Nordoberpfalz AG hat das Gebäude nun verkauft. Es soll ein Domizil für jugendliche Flüchtlinge werden.

Neuer Eigentümer ist Toni Kellermann aus Luhe-Wildenau. Er ist Heilerziehungspfleger und Geschäftsführer der Firma STO. Das steht für "Sozialkompetenz-Training Oberpfalz". Dahinter verbirgt sich ein anerkannter Träger der freien Jugendhilfe.

Kellermann will in dem zweistöckigen Gebäude zwei Wohngruppen mit je 16 UMF unterbringen. UMF steht im Verwaltungsjargon für "Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge". Das sind in der Regel 16- bis 18-Jährige, vorwiegend männlichen Geschlechts. Zum Teil handelt es sich um Waisen aus Bürgerkriegsländern, die manchmal eine mehrmonatige Odyssee seit der Flucht aus ihrem Heimatland hinter sich haben, bevor sie irgendwo in Bayern aufgegriffen wurden.

Chance für Sozialpädagogen

"Wir bieten ihnen 24-Stunden-Betreuung", erklärt Kellermann. Dazu will STO 12 bis 13 Arbeitsplätze in Neustadt schaffen, überwiegend für Sozialpädagogen. Aber auch Erzieher und Traumatherapeuten sind gefragt. Geeignete Leute zu finden, dürfte in Zeiten von Fachkräftemangel nicht so leicht sein. Doch Kellermann will am 1. März loslegen. Zurzeit läuft dafür das Antragsverfahren bei der Regierung der Oberpfalz. Kellermann will die Jugendlichen in Zweibett-Zimmern unterbringen. Nicht nur deswegen sind in dem ehemaligen Verwaltungsgebäude, das bis September 2009 Mallersdorfer Schwestern beherbergt hat, einige Umbauten nötig. Die Stichworte dazu lauten Brandschutz, Küche und Etagenduschen.

Sinnvolle Nutzung

Das Gebäude hat der Heilerziehungspfleger für 200 000 Euro gekauft, für zusätzliche 300 000 Euro soll es die erforderliche Einrichtung erhalten. "Wir brauchen das Haus nicht mehr und wollten es einer sinnvollen Nutzung zuführen", sagt Prokurist Manfred Tretter von der Kliniken AG. Bis vor wenigen Jahren war es ein reiner Verwaltungsbau, in dem die Finanzverwaltung und das Archiv des Krankenhauses untergebracht waren. Doch das wird nun von Weiden aus erledigt. Für auswärtige Schüler von Kursen der Akademie "NEW Life" am Felixberg bestehen Übernachtungsmöglichkeiten im Haupthaus.

Schulort noch unklar

Im ehemaligen Verwaltungsgebäude sollen die Flüchtlinge lernen, in einem strukturierten Tagesablauf Fuß zu fassen, also aufräumen, gemeinsam kochen und vor allem viel, viel Deutschunterricht bekommen. Dabei sollen auch Dolmetscher aus den Heimatländern helfen.

Ob schon in der ersten Märzwoche junge Afghanen oder Eritreer einziehen, ist noch offen. Sobald feststeht, wer und wie alt sie sind, woher sie kommen und was sie an Kenntnissen mitbringen, müssen sie zur Schule gehen, in aller Regel in eine Berufsschule. Ob in Weiden, Grafenwöhr oder Neustadt wird erst entschieden. "Bis dahin müssen wird viel improvisieren", sagt Jugendamtsleiter Klaus Eglseer, "aber das sind wir ja gewohnt".
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