Kein Facharzt in Sicht
Weiterhin keine Lösung für Schlaflabor Wöllershof

Ob hinter so einer Aufschrift in Wöllershof noch einmal Atmung und Hirnströme gemessen werden, ist derzeit noch ungewiss. Die Leitung der Bezirkskliniken sähe so eine Einrichtung lieber am Klinikum Weiden. Bild: Zitzlsperger

Seit dem Tod von Dr. Tamara Kunze im Oktober 2015 döst das Schlaflabor in Wöllershof vor sich hin. Patienten aus der Nordoberpfalz müssen um Termine in Nabburg, Amberg, Regensburg und Oberfranken kämpfen. Das Bezirksklinikum gibt aber nicht auf und hofft, dass doch noch jemand die Einrichtung wachküsst.

Neustadt/Weiden. "Es ist einfach kein geeigneter Schlafmediziner zu finden," bringt Dr. Helmut Hausner das Dilemma auf den Punkt. Der Vorstand der Oberpfälzer Bezirkskliniken (Medbo) bestätigt, dass es bereits einige Gespräche mit niedergelassenen Somnologen aus der Region gab, das Labor als Zweigstelle ihrer Praxis zu führen. "Letztlich hat aber keiner Interesse, weil er keinen zusätzlichen Vorteil sieht." Betroffene müssen eben so oder so zu den Niedergelassenen in die Praxis kommen. Deswegen verfolgt die Medbo eine zweite Option noch stärker: eine Kooperation mit der Kliniken Nordoberpfalz AG. Das Klinikum Weiden böte sich für Schlafmedizin ohnehin fast besser an als eine psychiatrische Einrichtung wie Wöllershof, meint Hausner. "80 bis 90 Prozent alle Fälle sind internistischer Natur."

Die Wöllershofer wären bereit, die übrigen psychiatrischen Fälle konziliarisch abzudecken. Am besten in Weiden, denn zwei Labore in so kurzer Entfernung hält Hausner nicht für sinnvoll. Wann das der Fall sein könnte, steht in den Sternen. "Entscheidend ist nicht das Ob, sondern das Wie. So lautet der Auftrag aus der Politik."

Kliniken AG fürchtet Minus


Bei der Kliniken AG hat man es jedoch gar nicht eilig. Entscheidend sei, dass ein geeigneter Schlafmediziner bereitstünde. Den soll aber die Medbo suchen. Doch wo? Ausländische Ärzte hätten in der Somnologie oft nicht das geforderte Niveau, bedauert Hausner, und einheimische seien kaum dazu zu bewegen, umzuziehen.

Nicht weil es in der Nordoberpfalz nicht lebenswert wäre. Doch Somnologen haben in der Regel schon eine Facharztausbildung in Donaustauf, Regensburg oder einer großen Metropole hinter sich und seien längst dort etabliert. Durch die lange und aufwendige Ausbildung seien diese Experten auch nicht mehr ganz jung, sprich: Sie haben oft Familie und an ihren bisherigen Arbeitsstätten Wurzeln geschlagen.

Doch nicht allein deshalb klingt bei der Kliniken AG in Weiden in Sachen Schlafmedizin keine große Euphorie durch. "Ich persönlich würde mir so etwas wünschen, aber die in einem Schlaflabor erbringbaren Leistungen sind im ambulanten Sektor anzusiedeln und daher für uns nicht kostendeckend zu betreiben", sagt Ärztlicher Direktor Dr. Thomas Egginger.

Auch Wöllershof kann ein Lied von dem Kampf mit den Kassen um Kostenübernahmen singen. Um einen Ausweg zu finden, hat die Medbo auch unorthodoxe Wege ausprobiert. "Wir hatten schon mal die telemedizinische Betreuung aus Regensburg durchgespielt, aber das ist keine seriöse Lösung", gesteht Hausner. Dem Wöllershofer Labor droht dem Anschein nach eine lange Tiefschlafphase.
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