Klarheit über Gifte schaffen
Stadtrat gibt Gutachten über Altlasten auf Osram-Gelände in Auftrag

Jeder in der Stadt wünscht sich, dass das Osram-Gelände seinen Schandfleck-Charakter verliert. Doch bevor es umgekrempelt werden kann, sind Voruntersuchungen notwendig. Eine wichtige gibt die Stadt jetzt auf eigene Faust in Auftrag. Bild: Götz

Das ehemalige Osram-Gelände am Bocklweg ist inzwischen im Besitz der tschechischen Weickert GmbH. Der ist das altlastenverseuchte Areal aber alles andere als wichtig. Damit dort jemals wieder Leben einkehren kann, ist eine ganze Latte an Untersuchungen fällig. Um die meisten muss sich das Landratsamt kümmern, um eine aber die Stadt.

Die Behörden haben nach den ersten Ergebnissen bereits "Betreten verboten"-Schilder und einen Bauzaun aufstellen lassen. Denn keiner weiß so genau, welche Altlasten und Gifte noch im Boden schlummern. Das ermittelt die Kreisbehörde. Die Stadt muss im herrlichsten Bürokratendeutsch aber den "Pfad Boden-Mensch" beobachten. Sprich: Welche Gefahr droht jemandem, der einfach so über die Fläche spaziert? Dazu ist eine sogenannte Resorptionsuntersuchung an verschiedenen Punkten des Geländes nötig.

Potenzieller Lagerplatz


Die kostet nicht viel: 3700 Euro. Aber nicht nur deswegen will Bürgermeister Rupert Troppmann in Vorleistung gehen und sich nicht erst mit anderen Behörden und den Eigentümern abstimmen. "Das sind wir unseren Bürgern schuldig. Die wollen wissen, ob von dort Gefahr ausgeht." Ein zweiter Grund: Die Untersuchung kann Aufschluss über mögliche Folgenutzungen geben. Im positiven Fall könnte die Stadt das Osram-Areal zunächst als Lagerfläche für Erdaushub oder ähnliches nutzen. Einstimmig vergaben die Fraktionen den Auftrag an die Spezialfirma Rupp aus Neustadt am Kulm.

Kopfschütteln löste in diesem Zusammenhang ein Hinweis aus dem Landratsamt aus. Eventuell komme nämlich auf die Stadt noch eine artenschutzrechtliche Expertise zu. "Da verstehe ich die Welt nicht mehr", seufzte Troppmann. "Auf der einen Seite dürfen keinesfalls Leute auf das Gelände, weil es schwer kontaminiert sein könnte, aber auf der anderen Seite müssen wir auf dort lebende Amphibien achten." Josef Arnold (CSU) sprach sarkastisch vom "Bleikristall-Salamander".

Mulde für Frösche


Diese Spezies könnte in einem Tümpel leben, der künstlich auf dem Gelände entstanden ist. Ursprünglich war angedacht, den Kamin der ehemaligen Fabrik zu sprengen. Der sollte in eine Mulde fallen, die dafür ausgehoben wurde. Weil zu befürchten war, dass beim Sprengen des Kamins Giftstoffe frei werden, trug man den Schlot lieber Stück für Stück ab.

Die Mulde hat sich in der Zwischenzeit mit Wasser gefüllt und ist verkrautet. Ein Tummelplatz für Frösche. Aber die will Troppmann jetzt nicht auch noch analysieren lassen.
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