Klassenkampf mit der Handykamera
Jusos ärgern CSU-Vorsitzenden mit frechem Video

Sebastian Dippold beglich mit dem Handy eine offene Rechnung mit CSU-Vorsitzendem Alois Zehrer. Bild: phs

Fiesere Buchgeschenke für einen Diplom-Kaufmann und CSU-Vorsitzenden gibt es wohl kaum: Vergangene Woche fand Alois Zehrer vor seiner Haustür ein Exemplar von Karl Marx' "Das Kapital".

Was es mit der kommunistischen Bibel auf sich hat, weiß er inzwischen. Es ist die Rache der Neustädter Jusos, nachdem Zehrer die Junge Union als einzige politische Jugendorganisation der Kreisstadt bezeichnet hat. "Es war kein Name draufgestanden, sonst hätte ich mich schon dafür bedankt", lacht Zehrer. "Aber es kommen ja nur zwei oder drei dafür in Frage."

Die tatsächlichen Urheber könnte Neustadts CSU-Chef auf einem Handy-Video beobachten, das seit knapp einer Woche durchs Netz geistert. Gedreht wurde es vor Zehrers Haustür. Kameramann Stefan Rupprecht filmte Sebastian Dippold dabei, wie der die Marx'sche Schwarte vor dem Hause Zehrer abstellt. Begründung: Damit der CSU-Chef endlich mal weiß, dass es außer der JU noch eine weitere politische Jugendorganisation in Neustadt gibt. Eine linke eben.

Aber warum kommt die ausgerechnet mit dem Rauschebart Marx, dem die SPD spätestens seit dem Godesberger Programm abgeschworen hat? "Das Kapital war mit 7 Euro einfach billig. Wehner oder Brandt hätten mehr gekostet. Und die Geschichte der Jusos war uns mit 65 Euro echt zu teuer", sagt Dippold.

Außerdem wollte der SPD-Nachwuchs einfach "ein bisschen unanständig" sein. "Die wiederholte Aussage, dass es uns nicht gibt, war ja auch unanständig." Dippold kennt Zehrer nicht persönlich, versichert aber, dass er nichts gegen ihn habe. "Ich würde ihn auch nie auf der Straße wie im Video einfach mit ,Aleis' anreden." Das wäre des Unanständigen zu viel.

Eine kleine Bosheit hat sich auch Zehrer für die Jusos aufgehoben. "Ich habe zwar von dem Video gehört, habe es aber nicht angeschaut. So sehr interessiert es mich dann doch nicht." Zudem legt der CSU-Mann Wert darauf, dass er gesagt habe, die JU sei nicht die einzige, sondern die einzig aktive Jugendorganisation der Stadt.

Dippold hat mit dem Guerilladreh in der Mathias-Götz-Straße trotzdem ein bisschen Aufmerksamkeit erregt. Rund 1800 Menschen haben das Video schon gesehen. Eine Fortsetzung scheint nicht ausgeschlossen. "Das Weidener SPD-Bürgerbüro hat uns noch ein paar Bücher mehr zur Verfügung gestellt."
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