Lange Leitung ade
Freie Wähler und Stromtrassen-Gegner besuchen ZAE- Forschungsanlagen in Arzberg

Mehrere Freie Wähler und Stromtrassen-Gegner sahen sich neue Stromspeichertechniken in Arzberg an, die dezentrale Energieversorgung möglich machen könnten. Bild: hfz

Die Freien Wähler sind überzeugt: Stromtrassen kann man sich sparen. Als Alternative empfehlen sie "Smart Grids".

Neustadt/Arzberg. Kreisvorsitzender Karl Meier und Bezirksvorsitzende Tanja Schweiger hatten zu einem Besichtigungstermin im Bayerischen Speichertestzentrum Arzberg eingeladen. Über 30 Interessierte aus mehreren Landkreisen begleiteten die beiden. Unter anderem war Landtagsvizepräsident Peter Meyer aus dem Kreis Bayreuth dabei.

Am Rathaus in Arzberg erklärte Dr. Philipp Luchscheider den Besuchern die vielfältigen Forschungsvorhaben des ZAE Bayern (Bayerisches Zentrum für Angewandte Energieforschung) an den Wissenschaftsstandorten Erlangen, Würzburg und Garching mit den Außenstellen Hof und Arzberg-Schlottenhof. Nach seiner Ansicht liegt die Zukunft der bayerischen Energieversorgung in intelligent vernetzten Strom- und Wärmeverbrauchern sowie vielen dezentralen Einspeisequellen in den Niederspannungsnetzen.

Mit intelligenten digitalen Stromzählern und variablen Strompreisen könnten der Energiebedarf und die erzeugte Strommenge zum Teil bereits dezentral im 230-Volt-Niederspannungsnetz ausgeregelt werden. Sie müssen somit nicht mehr verlustbehaftet über große Entfernungen durch das 110-Kilovolt- oder 380-Kilovolt-Netz verteilt werden. Auf dem Forschungsgelände zeigten die Ingenieure Christoph Stegner und Luchscheider das Forschungsprojekt, das im Kern Photovoltaik als Energiequelle und die Stromspeicherung für die Versorgung von Haushalten untersucht. Die in Arzberg gebaute Pilotanlage hat eine Verbundleistung von rund 108 Kilowatt (Photovoltaik und Speicher). Sie ist an das Niederspannungsnetz des Ortsteils Schlottenhof angebunden. Im Zusammenspiel mit Speichersystemen wird, soweit sinnvoll, lokal erzeugter Strom lokal verbraucht.

Smarter Energie-Mix


Die verwendeten Speichertechnologien mit Kurzzeitspeichern auf Blei- und Redox-Flow-Basis sowie dem Wasserstoff-Langzeitspeicher zeigt die Flexibilität von verfügbaren Speichersystemen. Es wird untersucht, in wieweit Netzausbau in der Niederspannung damit vermieden und die Versorgungssicherheit gewährleistet werden kann.

Kreisrätin Brigitte Artmann aus Marktredwitz betonte in der Diskussion zu den Vorteilen des gezeigten Systems, dass mehrere Hundert Kilometer lange Leitungen, wie bei den geplanten Gleichstromtrassen, durch Naturkatastrophen oder Anschläge leicht für lange Zeiten ausfallen könnten und verwies auf neueste Beispiele von Störungen der Versorgung in der Ukraine. Der Modellversuch "Smart Grid Solar" des ZAE Bayern demonstriere Möglichkeiten für eine regionale Stromversorgung. Wind- und Strom aus Biomüll und anderen nachwachsenden Rohstoffen könnten solch ein dezentrales System ergänzen.
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