Lieb, teuer und manchmal schwer verkorkst
Kosten für Jugendhilfe sind nur schwer zu kalkulieren

"Das einzige, was wir wirklich kennen, sind die vielen Fragezeichen." Mit diesem Satz skizziert Jugendamtsleiter Klaus Egelseer die Probleme, zuverlässige Zahlen für seinen Haushalt 2016 zu liefern. Er umfasst jetzt 10,6 Millionen Euro (3,3 Millionen Einnahmen und 7,3 Millionen Ausgaben), birgt aber noch einige Unklarheiten.

Beispiel unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (UMFs): Dafür hat der Landkreis vergangenes Jahr mit 3,05 Millionen Euro von Bund und Land kalkuliert. Nur 2,5 Millionen hat er bisher bekommen. Wann die fällige Summe eintrifft, ist offen. "Da warten zurzeit wohl sehr viele Jugendämter drauf", vermutet Egelseer. Wie viele UMFs noch kommen, steht in den Sternen. Doch Kostentreiber im Jugendhilfeetat sind ganz andere.

Bittere Einzelfälle


Beispiel Heimunterbringung: Sie schlägt mit 3,53 Millionen Euro zu Buche und betrifft zurzeit 67 Kinder und Jugendliche. Das sind etwa so viele wie in den Vorjahren. Durchschnittlich war für sie ein Tagessatz von 150 Euro fällig. Den Höchstwert bilden 262 Euro pro Tag. Dahinter verbirgt sich ein tragischer Einzelfall - ein zehnjähriges Mädchen, dass seelisch so verstört ist, dass Heime nicht mehr weiter wissen. Stattdessen braucht sie täglich Einzelbetreuung. Dafür muss der Kreis im Jahr 90 000 Euro bezahlen.

Solche Schicksale aus verkorksten Familienverhältnissen nehmen leider zu, erklärte Egelseer: "Die stationär untergebrachten Kinder werden immer jünger." Im Schnitt sind sie 14,8 Jahre alt. "Manche Heime nehmen die schon gar nicht mehr."

Deshalb ist das Landratsamt froh, dass immer mehr Pflegeeltern Kindern Halt geben. 2009 gab es noch 50 Mädchen und Buben, die dadurch Hilfe fanden, 2015 waren es bereits 89. Das ist pädagogisch interessant und finanziell lukrativ. 2014 kostete den Kreiskämmerer ein Vollzeitplatz bei einer Pflegefamilie noch 4500 Euro, der Heimplatz dagegen 14 000 Euro netto.

Insgesamt jedoch rechnet das Jugendamt 2016 mit einer guten halben Million Euro weniger Ausgaben als im Vorjahr. Doch über allem schwebt das Thema Asyl. Niemand kann etwa sagen, was geschieht, wenn Asylbewerber Anspruch auf Jugendhilfe anmelden. Den Rechtsanspruch darauf haben sie. Egelseer regt deshalb einen Arbeitskreis an, der sich mit diesem Thema befassen soll. Die Kreisräte signalisierten Zustimmung.

Neuer Arbeitskreis


Dieser Arbeitskreis darf sich gleich noch über ein anderes Szenario den Kopf zerbrechen, das der Jugendamtsleiter "eine komische Situation" nennt. Es könnte nämlich passieren, dass der Kreis weiter Plätze für minderjährige Flüchtlinge vorhält, die aber bald leer stehen und der Kreis weiter dafür zahlen muss. Das wäre dann der Fall, wenn keine UMFs mehr kommen und die bisherigen volljährig werden. Dann müssen sie aus ihren Jugend-Unterkünften raus. Egelseer: "Da gibt es keine Ausfallbürgschaften. Da hat man endlich Einrichtungen gefunden, und dann bleiben die leer."

Fremdes SystemZurzeit leben 107 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge im Landkreis. Sie sind vor allem im Michaelswerk in Grafenwöhr, im alten Schwesternhaus in Neustadt, im Heim St. Elisabeth in Windischeschenbach und in sieben Wohngruppen untergebracht. Alle gehen noch zur Schule. Hannelore Haberzett vom Heim St. Elisabeth erkundigte sich, wie viele Asylbewerber-Kinder Kindergärten besuchen. Es sind etwa 50. Die Erfahrungen mit ihnen sind höchst unterschiedlich. So berichtete Margit Kirzinger, dass es mit den Flüchtlingskindern in der Waidhauser Kita prima klappt. Uli Münchmeier aus Vohenstrauß, der sich in einem Arbeitskreis für die Fremden engagiert, kennt aber auch Probleme. "Wir haben einige syrische Familien, die unser Kindergarten-System nicht kennen und daher ihre Kinder lieber bei sich behalten wollen." (phs)
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