Lobby für Kollegen
Schwerbehindertenvertreter tagen beim VdK

Erich Bierler, der neue VdK-Bezirksgeschäftsführer Christian Eisenried, Rainer Strauch, Sigrid Steinbauer Erler, Günther Lange und Wolfgang Eberl (von links) standen bei der Arbeitstagung des VdK Rede und Antwort. Bild: bgm
 
"Dieses alte Gerücht, dass man einen Schwerbehinderten, den man einstellt, nie wieder losbekommt, stimmt nicht." Zitat: Günther Lange

"Sie sind uns sehr wichtig." Das versicherte Wolfgang Eberl vom Zentrum Bayern Familie und Soziales (ZBFS) bei einer Tagung von Schwerbehindertenvertretern des VdK. Die Vertrauenspersonen in den Betrieben würden als erste merken, wenn bei einem Kollegen etwas nicht stimme.

Günther Lange, Abteilungsdirektor am ZBFS, betonte, dass seine Behörde stets versuche, den Bürgern zu helfen, dabei aber immer an Gesetze gebunden sei. "Wir verstehen uns nicht als Gegner, obwohl wir uns bei der Sozialgerichtsbarkeit oft gegenüberstehen. Das gehört zum Geschäft. Bis jetzt haben wir das ohne Hauen und Stechen über die Bühne gebracht", sagte Lange.

Aktuell gäbe es 125 000 Schwerbehinderte in der Oberpfalz. Im vergangenen Jahr zählte seine Behörde 20 000 Erstanträge, deren Bearbeitungsdauer sich mit durchschnittlich 1,9 Monate gegenüber früheren Zeiten fast halbiert habe.

Nicht unkündbar


"Dieses alte Gerücht, dass man einen Schwerbehinderten, den man einstellt, nie wieder losbekommt, stimmt nicht", klärte Lange auf. Nach 365 Anträgen auf Zustimmung zur Kündigung eines Schwerbehinderten im Jahr 2014, habe sich die Zahl im vergangenen Jahr auf 294 Anträge reduziert. Bei 80 Prozent habe das Integrationsamt zugestimmt. Aufgrund strengerer Datenschutzregelungen sei künftig der Versand von E-Mails mit Sozialdaten nicht mehr möglich. Das Amt arbeite an einer Portallösung, die eine sichere Übermittlung sensibler Daten sicherstellen soll. Kriegsopfer, zu deren Vertretung der VdK einst gegründet worden sei, gäbe es in der Oberpfalz nur noch rund 1900. "Diese Aufgabe läuft allmählich aus", sagt Lange.

VdK-Bezirksgeschäftsführerin Sigrid Steinbauer-Erler, die zum Jahresende in den Ruhestand geht, stellte mit Christian Eisenried ihren Nachfolger in der Regensburger Geschäftsstelle vor. "Es gibt viele Wege, die zu einem Ergebnis führen. Wir bemühen uns, eine gute Lösung für unsere Mitglieder zu finden."

Rainer Strauch, der Leiter der Rechtsabteilung des VdK-Landesverbands, erläuterte die Rentenformel. Aus der Multiplikation der persönlichen Entgeltpunkte, des Rentenartfaktors und des aktuellen Rentenwerts, lasse sich die individuelle monatliche Rente ermitteln. Genau einen Rentenpunkt je Beschäftigungsjahr erhalte, wer das durchschnittliche Bruttoarbeitsentgelt von aktuell 3022 Euro monatlich beziehe. Der aktuelle Rentenwert betrage nach der jüngsten Erhöhung ab 1. Juli 30,45 Euro.

Prävention obligatorisch


Das Betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM) und die im Sozialgesetzbuch geregelten Präventionspflichten der Arbeitgeber seien wichtige Instrumente, um die Beschäftigung schwerbehinderter Menschen zu sichern, erläuterte Erich Bierler. "Neben der Gesundheitsprävention sind Arbeitgeber auch bei verhaltens- oder betriebsbedingten Schwierigkeiten, die zur Gefährdung des Arbeitsverhältnisses führen können, zur Prävention verpflichtet", sagte der frühere Leiter des Integrationsamtes.

Dieses alte Gerücht, dass man einen Schwerbehinderten, den man einstellt, nie wieder losbekommt, stimmt nicht.Günther Lange
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