Mehr Geld oder weniger Steuern
Bauernverband fürchtet um Familienbetriebe

Bundestagsabgeordneter Albert Rupprecht (Zweiter von rechts), der BBV Tirschenreuth mit (von links) Martin Härtl, Ely Eibisch, Ulrich Härtl und Christa Söllner sowie der BBV Neustadt-Weiden mit (von rechts) Karl Bäumler, Josef Fütterer, Christa Kick und Hans Winter hatten drei Stunden Gesprächsbedarf. Bild: bgm

Kormoran und Fischotter räumen die Teiche leer. Für ein Kilogramm Schweinefleisch erzielt der Erzeuger 1,40 Euro, obwohl 1,80 nötig wären. Getreide- und Milchpreise fallen ins Bodenlose. Der Bauernverband hat Zukunftsängste.

Weiden/Neustadt. Josef Fütterer, der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes Neustadt-Weiden und sein Tirschenreuther Kollege Ely Eibisch warnen im Gespräch mit CSU-Bundestagsabgeordnetem Albert Rupprecht vor Höfe-sterben: "Momentan brennt es an allen Ecken und Enden."

Was also tun? Rupprecht will vor den anstehenden parlamentarischen Entscheidungen bei Branchenverbänden Lösungsvorschläge hören: "Es wird nicht die einzelne Maßnahme geben", ist der Abgeordnete überzeugt.

Objektive Kriterien würden nötig sein, wenn landwirtschaftliche Betriebe weiterreichende Förderungen erhalten als etwa Handwerker. Es gehe um die Gleichberechtigung, meint Rupprecht. "Ein Landwirt erbringt sehr viel Leistung für die Allgemeinheit durch den Erhalt der Kulturlandschaft", rechtfertigt Eibisch Hilfsmaßnahmen. Nur welche sind die richtigen? BBV-Geschäftsführer Hans Winter hält es für notwendig, dass Teile von Gewinnen steuerbegünstigt in Rückstellungen fließen können. "Das müsste zeitlich so schnell kommen, dass es noch für die Steuererklärung 2014 nutzbar ist." Das sieht Eibisch ähnlich: "Es trifft uns doppelt. Wir müssen in schlechten Jahren auch noch die Steuern aus guten Jahren zahlen."

Risiko streuen


Rupprecht rät zur Risikostreuung mit mehreren Standbeinen. Insbesondere zu kleinen Biogasanlagen, die eine "relevante Zusatzeinkommensquelle" darstellen könnten. Die garantierte Einspeisevergütung für Strom von Biogasanlagen ende nach 20 Jahren. "Auch das Geschäft mit Biogasanlagen geht Richtung Großerzeuger", klagt Eibisch.

"Wir müssen auch irgendwo Mensch bleiben können", entgegnete Fütterer. Ein durchschnittlicher Familienbetrieb mit zweieinhalb Arbeitskräften und 100 Milchkühen sei bereits voll ausgelastet. "Unsere Landwirte haben nicht mehr viel Zeit frei", sagt auch Eibisch. Darüber, dass die Preise weiterhin stark schwanken werden, sind sich alle einig. "Kleine Betriebe müssen das irgendwie abfedern können", ist Rupprecht überzeugt.

Um die Auswirkungen des Russlandembargos zu mildern, will Winter einen stärkeren Fokus auf den asiatischen Markt richten. "Das sind mindestens 400 Millionen Menschen, die Geld haben und die unsere Qualität haben wollen." Beinahe drei Stunden diskutiert die Runde.

Entschädigung für Trassen


Der Biber sei inzwischen so weit verbreitet, dass er eigentlich nicht mehr schützenswert sei. Wildschweine würden dramatische Schäden anrichten. Die Jagd mit Nachtzielgeräten müsse zum Regelfall werden.

Einigkeit besteht zu Stromtrassen. "Es kann nicht sein, dass die Energiewende auf dem Rücken Einzelner ausgetragen wird", sagt Rupprecht und plädiert für wiederkehrende Entschädigungen für die betroffenen Grundstückseigentümer.
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