Räte und Bürgermeister bestürzt über Ergebnis der Geschwindigkeitsmessungen
Eltern düsen in die Schule

Erschreckende Ergebnisse ergaben die Tempomessungen der Stadt besonders im morgendliche Verkehr rund um den Schulhügel wie hier in der Bildstraße, wenn Eltern ihre Kinder zum Unterricht bringen. Bild: Schönberger

An drei Stellen in der Stadt sind viel zu viele Autofahrer zum Teil erschreckend schnell unterwegs. Besonders schlimm: Sie gefährden Schulkinder.

In der Johann Dietl- und der Bildstraße sind vor allem am Morgen zwischen 6 und 9 Uhr viele Fahrzeuge zu schnell unterwegs. "Ich bin negativ überrascht", bekannte Bürgermeister Rupert Troppmann im Bauausschuss. "Das sind Eltern auf dem Weg zur Schule. Denen pressiert's. Das sind nicht die Anwohner", schließt er aus den Daten der Verkehrsmessung.

Johann-Dietl-Straße, zulässige Höchstgeschwindigkeit 30 Stundenkilometer: Von 961 Autos, die zwischen 6 und 9 Uhr erfasst werden, bleiben lediglich 66 unter 30 Stundenkilometern. 378 sind nicht schneller als 40 km/h und 517 Verkehrsteilnehmer sind mit noch höherer Geschwindigkeit unterwegs. Zwei negative Spitzenreiter bringen es auf mehr als 70 Sachen.

Bildstraße, zulässige Höchstgeschwindigkeit 30 Stundenkilometer: Von 5044 Fahrzeugen im Zeitraum von 6 bis 9 Uhr bleiben lediglich 527 Fahrzeuge unter den erlaubten 30 km/h, bis zu 40 Stundenkilometer sind es 1543. Und noch schneller fahren 2974 Autos. Bei einem registriert das Gerät mehr als 90 und bei einem weiteren mehr als 100 km/h.

Die Spitzenwerte der Verkehrsmessungen vom vergangenen Jahr erschrecken den Bürgermeister weniger. "Das könnte auch der Rettungsdienst im Einsatz sein." Doch dass rund um die Schulen auch zu anderen Zeiten mehr als die Hälfte der Autos so rasant unterwegs sind, nennen nicht nur Martin Filchner (SPD) und Alois Zehrer (CSU) erschreckend. "Das ist der Wahnsinn, das sind schon sehr, sehr viele", mahnt Rathauschef Troppmann ganz besonders mit Blick auf die Bildstraße.

Etwas anders stellt sich die Situation im Breiten Weg, dem dritten neuralgischen Punkt, dar. "Es ist eine Schweinerei, wenn die Durchschnittsgeschwindigkeit bei 46 Stundenkilometern liegt", findet Troppmann drastische Worte. Erlaubt sind lediglich 30 km/h. 3760 Autos registrierte das Gerät hier in 24 Stunden.

Gerhard Steiner (FW) erinnert an seinen ersten Antrag im Stadtrat vor 15 Jahren, in dem es um Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung in dieser Straße ging. "Ich begrüße das", freute er sich deshalb über Troppmanns Überlegungen, Poller an der Einfahrt einzubauen oder die Autos durch Verengungen abzubremsen. Ähnliche Anträge habe es immer wieder von verschiedenen Parteien gegeben, meinte der Bürgermeister.

Wegen Lärms, auf Wunsch der Anwohner, wegen nicht erlaubter Hindernisse und aus anderen Gründen, sei davon keiner umgesetzt worden. Nun soll ein Ortstermin mit Polizei und Bauausschuss Möglichkeiten ausloten, die Situation zu verbessern. "Wir machen eine Verkehrsschau mit Spezialisten", kündigte Troppmann an. "Wir werden für alle drei Straßen eine Lösung finden."

Außerdem kündigte er zur Probe Geschwindigkeitsmessungen durch ein privates Unternehmen an, wie es die SPD beantragt hatte. Im Mai werden die Ergebnisse dem Stadtrat vorgestellt. "Dann fassen wir einen Beschluss, ob wir in Neustadt ebenso wie in Altenstadt und Weiden private Blitzer aufstellen."

Thomas Hauer (CSU) sprach von einer Aufgabe der Polizei. Die sei nur für Unfallschwerpunkte zuständig, berichtete der Bürgermeister. "Wenn wir eine Siedlungsstraße beblitzt haben wollen, müssen wir das selber bezahlen."

"Die Messanlage stand dort, wo wir von Bürgern Anträge bekommen haben", erklärte der Rathauschef das bisherige Vorgehen. Strafzettel gab es für die Raser bisher keine. Und: "Gottseidank ist dort noch nie etwas passiert. Aber es wird zu schnell gefahren."

Angemerkt


Schulhügel bezwingen

Von Uwe Ibl

Geahnt haben wir es ja schon länger, dass eine der größten Gefahren auf dem Schulweg die Eltern selbst sind. Jetzt liefern die Geschwindigkeitsmessungen der Stadt einen weiteren Mosaikstein zu dieser Erkenntnis. Schwierig wird es mit einer Verbesserung der Situation, obwohl die doch ganz einfach sein könnte.

Um erwachsen zu werden, müssen die Mädels und Buben lernen, selbstständig zu werden, sich selbst mit Problemen auseinanderzusetzen und selbst zu spüren, dass man nass wird, wenn es regnet und dass man im Winter friert, wenn man nur im coolen T-Shirt herumläuft. Das funktioniert sogar auf dem Schulweg, wenn man mit Gleichaltrigen im Schulbus fährt, zu Fuß oder mit dem Rad selbst den Schulhügel bezwingt.

Wer als Eltern nach den vielen Gründen sucht, warum man den Nachwuchs chauffieren muss, wird schnell fündig. Viele der kleinen Prinzessinnen und Prinzen werden das Angebot dankbar annehmen. Etwas Gutes tut man ihnen damit aber nur kurzfristig. Zumal die Kinderfahrer gestresst sind sowie sich selbst und andere gefährden.

Das ist der Wahnsinn, da sind schon sehr, sehr viele zu schnell.Bürgermeister Ruppert Troppmann


Überraschungen bei GeschwindigkeitsmessungenEs gab nicht nur negative Überraschungen beim Ergebnis der Verkehrsmessung an den drei neuralgischen Punkten, sondern auch positive an anderen Stellen im Stadtgebiet wie beispielsweise in der Freyung . Dort sind pro Tag 16 151 Fahrzeuge stadtauswärts mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 41 Stundenkilometern unterwegs.

Davon fahren knapp 15 Prozent mit mehr als den erlaubten 50 km/h. Raser, die über 60 km/h auf dem Tacho haben müssten, registrierte das Gerät vor allem während der Nachtstunden.

Stadteinwärts sind es pro Tag 26 297 Autofahrer, die sich ebenfalls überwiegend an die Regeln halten. Allerdings fallen auch hier immerhin rund 1250 auf, die das Gaspedal zu stark durchdrücken.

Handlungsbedarf sehen hier Bürgermeister und Räte ebensowenig wie in der Störnsteiner Straße an der Abzweigung zum Nelkenweg. Die meisten der 37,6 Prozent von insgesamt 4527 Fahrzeugen, die hier zu schnell sind, tun dies zwar nicht regelkonform aber nicht so, dass größerer Handlungsbedarf bestehe, meinte Rathauschef Rupert Troppmann.

Ein ähnliches Bild bietet sich in der Siebenbürgerstraße an der Kreuzung mit der Breslauer Straße. Der schnellste der 965 Fahrer bringt es aber doch auf 65 Stundenkilometer, obwohl lediglich 30 erlaubt sind. "Das ist okay", kommentierte der Bürgermeister die Ergebnisse für die Äußere Flosser Straße . Hier halten sich zwar fast drei Viertel der 8723 Autofahrer nicht an die vorgeschriebenen 50 Stundenkilometer, doch die meisten von ihnen, genau 4142, sind mit 50 bis 60 km/h unterwegs.

Auch auf der alten B 15 auf Höhe der ehemaligen evangelische Kirche wird zu schnell gefahren, "aber nicht in dramatischem Ausmaß", beurteilten die Räte das Messergebnis von zwei Dritteln Überschreitungen bei 13 318 Fahrzeugen. (ui)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.