Situation spitzt sich zu
Im Landkreis fehlen Wohnungen für 200 Flüchtlinge

Kein Tag ohne Schlagworte wie Obergrenzen, Schengen, Registrierung, Abschiebung. Kurzum: Das Thema Flüchtlinge und Asyl hat auch den Landkreis fest im Griff. Landrat Andreas Meier klang in der Bürgermeisterversamlung in der Stadthalle Neustadt trotzig: "Ich nenne die Zahl nicht, ab der wir gar keine Unterkunft mehr haben, aber ich sehe das kommen."

So beschrieb Meier ein Dilemma, ohne irgendjemand dabei anzugreifen. "Ich weiß auch, dass die Regierung Druck bekommt, aber wir sind die letzten in der Kette. Zwangszuweisungen an Gemeinden können keine Lösung sein." Deshalb appellierte der Landkreischef an die Rathauschefs, doch nochmal nachzudenken, ob in ihrem Ort eine Wohnung oder eine Halle für Asylsuchende frei werde. In der Regel werden dafür Mietverträge über ein Jahr abgeschlossen. Meier versprach seinerseits weiter aktiv zu werden: "Wir wollen die Leute menschenwürdig unterbringen und dafür nochmal unser Personal verstärken."

Dass seine Mitarbeiter bei dieser Aufgabe alle Hände voll zu tun haben, war aus dem Referat von Michael Schiller vom Sozialamt herauszuhören. Er skizzierte die Flüchtlingssituation anhand von Statistiken (siehe Kasten). "Täglich kommen 9,8 Personen im Landkreis Neustadt an, davon 3 Asylbewerber. Das wären 1080 im Jahr. Es ist unmöglich, sie dezentral unterzubringen."

Schiller wies dabei nochmals auf den Unterschied zwischen Flüchtling und Asylbewerber hin. Ersterer ist als Schutzsuchender von einer nationalen Regierung bereits anerkannt, zweiterer wartet darauf.

So lange stellt sich die Frage: Wo sollen sie wohnen? In den beiden Notunterkünften dürfen sie höchstens 6 Monate bleiben. Problem: Die Regierung weist zu, egal ob ein Landkreis dezentrale Quartiere hat oder nicht. "Wir bräuchten in den nächsten Wochen Wohnungen für 200 Personen", verriet Schiller doch noch eine Zahl. Dazu kommen Flüchtlinge aus den Erstaufnahmeeinrichtungen in Zirndorf und Regensburg plus unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, die volljährig werden und dann aus Jugendheimen in Wohnungen wechseln müssten.

Brief nach Regensburg


Es staut sich also zwischen Eslarn und Kirchenthumbach. Auch weil es mit Abschiebungen nicht so klappt. 20 Menschen aus Balkanstaaten kämen dafür in Frage. "Aber das ist nicht ganz einfach. Einige sind aus gesundheitlichen Gründen nicht ausreisefähig", erklärte Schiller. Eine schnellere Rückkehr nach Albanien oder in den Kosovo würde die Lage allerdings entspannen.

Sollten Bürgermeister oder Sozialamtsmitarbeiter nicht bald weitere Domizile auftreiben, will es Meier mit einem Brief an die Bezirksregierung versuchen: "Ob es etwas hilft, weiß ich nicht. Ich fürchte aber Bilder, dass plötzlich im Winter ein Bus vor dem Landratsamt steht, aus dem Kinder in Flipflops aussteigen. Das möchte ich vermeiden." (Hintergrund)
Ich fürchte Bilder, dass plötzlich im Winter ein Bus vor dem Landratsamt steht, aus dem Kinder in Flipflops aussteigen.Andreas Meier


Menschen und ZahlenAm Freitag vergangener Woche lebten 11717 Asylbewerber in der Oberpfalz. Im Landkreis Neustadt waren es 851. 730 haben ein dezentrales Quartier in einer Gemeinde, 121 wohnen in einer der drei Gemeinschaftsunterkünfte (30 in Altenstadt, 60 in Eschenbach, 32 in Waldau). Dazu kommen 152 Frauen und Männer in zwei Notunterkünften - der Stützelvilla und einer Gewerbehalle in Neuhaus.

Etwa die Hälfte dieser Menschen stammt aus Kriegsgebieten wie Syrien, Irak oder Afghanistan, ein Viertel aus Balkanstaaten. Unter "Sonstige" sind vor allem Bewohner des Kaukasus, etwa Armenier oder Georgier, zu finden.

177 Zugängen im Januar stehen 10 Wegzüge oder Abschiebungen entgegen. Relativ niedrig ist die sogenannte Fehlbelegerquote. Das sind anerkannte Asylbewerber, die aus ihren Unterkünften ausziehen müssten, aber auf dem Markt keine Wohnung bekommen. Das Problem macht vor allem Oberbayern zu schaffen. Im Landkreis sind etwa 15 Personen davon betroffen. (phs)
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