Stadtrat ändert Friedhofsatzung
Gräber kürzer nutzen

Mit Grabnutzungszeiten unter 15 Jahren will die Stadt den Wünschen einiger Angehöriger entgegenkommen. Bild: Götz

Wenn in der Tagesordnung eines Stadtrats der Passus "Änderung der Friedhofssatzung" auftaucht, bedeutet das meist höhere Grabgebühren. In Neustadt nicht, betont Bürgermeister Rupert Troppmann.

"Sterben wird bei uns nicht teurer", flachste das Stadtoberhaupt mit seinen Räten. Im Gegenteil: Sie wollen Angehörigen entgegenkommen, die sich um ihre Verstorbenen kümmern. Aus diesem Kreis war die Anregung gekommen, die satzungsgemäß vorgeschriebene Frist von 15 Jahren für eine Verlängerung der Grabnutzung auf 5 oder 10 Jahre zu verkürzen. Gerade ältere Leute wissen nicht, ob sie selber noch am Leben sind, wenn sich die Grabmiete automatisch um 15 Jahre verlängert.

Das alles geschieht in Absprache mit der katholischen Kirche, mit der sich die Stadt den Friedhof teilt. In einem Fall wird der Tod trotzdem teurer. Falls jemand die Bestattung in einer Gruft auf dem städtischen Teil wünscht, steigen die Kosten von 77 auf 90 Euro. Diesen Tarif verlangt auch die Kirche.

Eine weitere Formalie beschert der Stadt Mehreinnahmen, ohne dass Hinterbliebene dafür zahlen müssen. Sind Baggerarbeiten auf dem Friedhof notwendig, etwa wenn bei Frost ein Grab ausgehoben wird, fließt das Geld dafür künftig nicht mehr an das Bestattungsunternehmen, sondern an den neuen Kämmerer, der demnächst vorgestellt wird.

Hermann Schmid hatte brav seine Hausaufgaben gemacht und zu Hause die Satzung studiert. Dabei war ihm aufgefallen, dass auf dem Neustädter Friedhof nur Einheimische beerdigt werden dürfen. "Was ist, wenn jemand in München wohnt, dort stirbt und seine Angehörigen leben in Neustadt, wo sie die Grabpflege übernehmen könnten?", fragte der Freie Wähler. In so einem Fall sei die Stadt gesprächsbereit und könnte eine Ausnahme machen, antwortete Troppmann. Er erklärte auch, warum ortsfremde Bürger ausgeschlossen bleiben. "Unsere Bestattungsgebühren betragen nur einen Bruchteil der Kosten in einer Großstadt." Es solle daher keiner auf die Idee kommen, Oma oder Opa günstig in der Provinz eingraben zu lassen und sich vielleicht dann nicht mehr um die Grabstätte zu kümmern. "Wir haben auf unserem Teil des Friedhofs auch nicht unbegrenzt Platz."
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