Stefan Schmidt aus Reisersdorf wurde am 3. Oktober 1990 geboren - Geburtstagsparty im ...
Als "Einheitskind" gefeiert

Wenn man es selbst nie erlebt hat, kann man sich darunter wenig vorstellen.
Der Mann hat einen "Allerweltsnamen": Stefan Schmidt. Sein Geburtsdatum dagegen ist umso einzigartiger: Der Student aus dem Kreis Neustadt/WN kam am 3. Oktober 1990 zur Welt. Stefan Schmidt ist damit ein "Einheitskind": Er wurde geboren, als Deutschland seine Wiedervereinigung feierte. Sein erster Lebenstag fiel zusammen mit dem ersten Tag der "neuen" Bundesrepublik Deutschland.

Doch besondere Aufmerksamkeit habe ihm sein Geburtsdatum bislang nicht eingebracht, sagt der Mann aus Reiserdorf nahe Neustadt/WN - außer heuer: Am Dienstag war Schmidt zur großen "Einheitsfeier" in den Bayerischen Landtag nach München eingeladen.

"Es ist natürlich angenehm, am 3. Oktober Geburtstag zu haben", räumt der Maschinenbaustudent ein. "Meistens feiere ich in den Tag hinein." Ansonsten sei jedoch immer alles ganz normal. Das Wetter am 3. Oktober zeige sich meistens durchwachsen, "es ist einfach Herbst". Auch Schmidts Mutter empfinde den Geburtstag des Sohnes nicht als etwas Besonderes: "Sie hat jedenfalls noch nie was dazu gesagt." Wie reagieren die Mitmenschen, wenn sie von seinem geschichtsträchtigen Geburtsdatum erfahren? Schmidt überlegt und meint: "Die meisten freuen sich mit mir, weil da halt frei ist."

Exzellentes Essen

Genau gezählt hat der Oberpfälzer am Dienstag nicht, wie viele bayerische "Einheitskinder" dem Ruf ins Maximilianeum gefolgt sind. "Es waren gut 15", schätzt Schmidt. "Von Passau bis nach Oberbayern und Oberfranken waren alle Regionen vertreten." Die Vielfalt der Heimat spiegelte sich auch im gut besuchten Büfett wider. "Das Essen war exzellent", erzählt Schmidt. "Es gab Spezialitäten aus ganz Bayern und Deutschland." Alle 30 Minuten seien andere Speisen aufgetischt worden: "Das war wirklich super, ich habe viele interessante Sachen probiert."

"Sehr schön gemacht"

Der Oberpfälzer empfand das bayerische "Bürgerfest" im Landtag als sehr gelungen: "Es war wirklich sehr schön gemacht." Zum Auftakt spielte die Band "Studio D" der Schule Dachsberg am Blindeninstitut Rückersdorf. Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU) begrüßte anschließend die Gäste und eröffnete die Ausstellung "Wege zur Deutschen Einheit".

Schmidts persönliches "Highlight" war der Auftritt des Kabarettisten Helmut Schleich, der als Franz-Josef Strauß auf die Deutsche Einheit zurückblickte. Zum Abschluss des Bürgerfestes erhielten die "Einheitskinder" eine Urkunde und ein kleines Geschenk.

Das Reiserdorfer "Einheitskind" hat Oberpfälzer Eltern und kennt das geteilte Deutschland nur aus Erzählungen. "Wenn man es selbst nie erlebt hat, kann man sich darunter wenig vorstellen." Verwandte oder Kommilitonen aus den neuen Ländern habe er nicht, aber einen guten Freund. "Der stammt aus Jena und ist mit mir zur Schule gegangen." Mit der Schulklasse hatte Schmidt Berlin besucht, die neue alte Hauptstadt. Erfurt, Dresden und Jena kennt er ebenfalls. Wo es ihm bisher am besten gefallen habe im wiedervereinten Land? Schmidt kann die Frage nicht eindeutig beantworten: "Mir hat es eigentlich überall gefallen."

Zur Wiedervereinigung meint das "Einheitskind": "Es ist schon gut, so wie es gelaufen ist. Es soll so friedlich weitergehen wie bisher." Und was war nun sein schönster Geburtstag in 25 Lebensjahren? Stefan Schmidt denkt nach und sagt: "Wahrscheinlich der achtzehnte, wie bei allen."
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.