Von den Socken
Ungewöhnlicher Milchbauern-Protest in Berlin

Vor dem Altenstädter Sportheim trugen Milchbauern alte Gummistiefel und Arbeitshandschuhe zusammen, die Mitstreiter am Montagmorgen zu einer Protestaktion nach Berlin transportierten. Bild: hfz

Neustadt/Berlin. Bundesagrarminister Christian Schmidt bat am Montag zum Milchgipfel nach Berlin. Für den Bundesverband deutscher Milchviehhalter eine reine Show-Veranstaltung. "Kritische Stimmen waren von vornherein nicht erwünscht", klagt Werner Reinl vom BDM-Kreisverband Weiden-Neustadt. Stattdessen seien nur diejenigen Verbände und Organisationen der Ernährungsindustrie und des Handels am Tisch gesessen, die die Krise lange geleugnet hätten.

Aus diesem Grund beteiligte sich der BDM-Kreisverband an der bundesweiten Aktion "Stinkstiefel". Er bat seine Mitstreiter am Sonntagabend in der "Wirtschaft" in Altenstadt, alte Gummistiefel abzugeben. "Rund 500 Paar kamen zusammen", freut sich Reinl. Die hat er zusammen mit Stefan Lindner aus Enzenrieth am Montag nach Berlin gefahren und vor dem Brandenburger Tor ausgekippt.

"Die leeren Stiefel sind ein Symbol, dass die Bauern beim Gipfel nicht dabei waren. Wir wollten Minister Schmidt nicht die Kulisse für ein paar Wohltaten bieten, die dann schnell verpufft wären, aber langfristig nichts bringen."

Die aktuelle Milchmisere sei nur über den Preis zu lösen. Reinl: "Wenn wir allein im Landkreis Neustadt nur 10 Cent weniger kriegen, machen wir im Jahr 20 Millionen Euro Verlust." Deshalb müssten Bund und EU ein schlagkräftiges Kriseninstrument schaffen.

Das könnte so aussehen: Die Brüsseler Milchbeobachtungsstelle wird zu einem echten Frühwarnsystem ausgebaut: Sinkt der Preis, gebe sie das Signal zur freiwilligen Mengenverknappung. "Das hat nichts mit einer neuen Quote zu tun."

Helfe der Appell nicht, solle Brüssel einen Ausgleich an Bauern zahlen, die weniger Milch liefern. Würde freiwillig alles nicht funktionieren, könnten Bauern wieder gezwungen werden, ihre Produktion runter zu fahren.
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