Leichtathletik
Olympische Spiele ohne Manuel Ziegler

Manuel Ziegler kann bei den Olympischen Spielen 2016 nicht an den Start gehen. Nach einem Ermüdungsbruch am Becken sind die Chancen auf eine Qualifikation für den Vierjahres-Höhepunkt dahin. Bild: hfz
Sport
Neustadt an der Waldnaab
29.01.2016
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Der Traum von den Olympischen Spielen 2016 ist für Manuel Ziegler geplatzt. 16,85 Meter ist nach den neuen Richtlinien die Norm für die Spiele in Rio; 16,61 Meter hatte er letztes Jahr bereits abgeliefert. Die Hiobsbotschaft für den Dreispringer aus Neustadt/WN kam aber noch vor der Eilmeldung, dass die Hürden für die Olympia-Nominierung gesenkt werden. Ein Ermüdungsbruch am Becken wird den Athleten der LG Telis Finanz Regensburg für Wochen in die komplette Pause zwingen.

Klare Diagnose


Es ist eine niederschmetternde Nachricht, die der 25-Jährige nun erst mal verdauen muss. 24 Zentimeter fehlten noch für den ganz großen Sprung nach Brasilien, je 8 Zentimeter pro Teilsprung beim Hop, Step und Jump seiner Disziplin. Die Vorbereitung in den bisherigen Wintermonaten verlief vielversprechend. Die regelmäßigen Tests des US-Studenten der Virginia Tech zeigten kontinuierliche Steigerungen. Dann kamen die Schmerzen. Die Diagnose des MRT-Berichts in den USA war letztendlich eindeutig.

Vorausgegangen war eine monatelange Diskussion um die Olympia-Qualifikationsnormen. Die Qualifikationsvorgabe im Dreisprung bei den Spielen in London 2012 hatte der Deutsche Leichtathletik Verband (DLV) bei 17,20 Metern festgeschrieben. Diese lag, wie in allen Zyklen zuvor, deutlich über den internationalen Standards. Gesprungen sind diese Marke im Finale von London nur vier Athleten. Nicht viel anders war es bei in Peking 2008, wo fünf Finalisten über diese Weite flogen. Die ewige, deutsche Bestenliste weist in dieser Sportart gerade mal acht Athleten aus, die jemals in der DDR und der Bundesrepublik in den letzten Jahrzehnten mit dieser Weite gemessen wurden.

Von völlig überhöhten Normen ist der DLV jetzt erstmals in der Geschichte seines Sports abgerückt und erkennt die Realitäten seiner in großen Teilen Doping-belasteten Disziplinen an. Die Zulassung deutscher Top-Athleten soll nicht länger vom Vergleich mit den Bestleistungen gedopter Konkurrenten abhängen. Der elitäre Ansatz einer Endkampfchance in einem korrupten Umfeld und somit einer Platzierung unter den Top 8 weicht dem Gedanken der Olympischen Charta. Vorausgegangen war ein monatelanges Gerangel. Die Akzeptanz der internationalen Normvorgaben, die deutlich unter den deutschen Richtwerten liegen, war aufgrund des flächendeckenden Medikamentenmissbrauches nach Staatsplan und der Korruptionsskandale überfällig. Die aktuelle Situation und die Tendenz skandalöser Vorgänge in vielen Ländern rückte zuletzt die internationale Leichtathletik in ein düsteres Bild. Es gab keinen sachlichen Grund mehr für die Verschärfung der DLV-Norm und damit für die Behinderung und den Ausschluss deutscher Sportler.

In Bestenlisten platziert


Manuel Ziegler war auf dem besten Weg, sich den internationalen Standards anzunähern. Im letzten Winter stand er erstmals mit seinen 16,61 Metern mit Top- Platzierungen in den internationalen Listen. In Europa reihte er sich bereits auf Platz 17 ein, die Weltbestenliste führte ihn auf Platz 24. Für den 25-jährigen Neustädter kam die Einsicht der Offiziellen zu spät. Um die in seiner Vorbereitung noch geforderten 17.20 Meter vor Olympia im Dreisprung abzuliefern, muss man schier Übermenschliches leisten, wobei das Eis zur körperlichen Überlastung schnell dünn wird und bricht. Wie nun im Fall von manuel Ziegler.
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