Bäckerwesen in Verruf: Michael Arnold stemmt sich gegen den Trend
In die Röhre schauen

Josef und Michael Arnold (vorne, von links) backen mit ihren Kollegen und ihrer Familie schon fleißig die traditionellen Kirwa-Kuchen. Bild: Schönberger

Das Bäckerhandwerk ist bei jungen Leute in Verruf: früh aufstehen, lange Arbeiten und kein Wochenende. Michael Arnold hat das nicht abgeschreckt. Er stieg bei seinem Vater mit ein. Der Familienbetrieb klotzt gerade für die Kirwa richtig ran.

Allerheiligen und Dotsch-Kirwa bedeuten viel Arbeit für Josef Arnold. "Alle fünf bis sechs Jahre ist das in einer Woche. Das ist eine blöde Situation, aber es ist halt so." Jedes Jahr notiert er sich die Feiertage, um zu planen. "Immer wenn besondere Tage sind, ist das für eine Bäckerei mehr Arbeit: ob Kommunion, Muttertag, Kirwa, Allerheiligen." Arnold rekrutiert dann alle, die verfügbar sind: "Verwandte, Bekannte und ehemalige Mitarbeiter. Die machen das gerne mit, weil das ist ja was Besonderes." Der 57-Jährige ist froh, dass im September 2014 sein Sohn in den Betrieb eingestiegen ist. Michael Arnold modernisierte das Angebot: "Viele Leute sind lebensmittelintolerant. Da hab ich versucht, Produkte zu finden, die 100 Prozent handwerklich sind und aus 100 Prozent natürlichen Zutaten zu backen." Seine Freundin ist selbst davon betroffen. Der 28-Jährige hätte aber auch einen ganz anderen Beruf erlernen können: "Mir hat hobbymäßig Kfz-Mechaniker auch gefallen." Doch da hätte er sich alles erst aufbauen müssen. "Bäcker war einfach praktischer."

Bäckerlehre unbeliebt


Michael Arnold ist einer von wenigen, die diesen Weg einschlagen. Das Handwerk wird immer unbeliebter: Seinen Altersgenossen liege die Wochenend- und Nachtarbeit nicht, weiß der 28-Jährige. Doch seine Arbeit habe nicht nur Nachteile: "Ich muss nie einen Urlaub nehmen. Ich bekomme immer Termine bei den Behörden. Man hat mindestens einen oder zwei Tage unter der Woche frei und kann die Ruhe genießen." Wenn im Sommer alle im Büro schwitzen, liege er mittags und nachmittags am Badeweiher, sagt der 28-Jährige.

Im Jahr 2004 beginnt Arnold die Lehre und arbeitet danach in Pirk. 2013 geht er nach München, um Meister zu werden und den Betriebswirt des Handwerks abzuschließen. "Die Bäckerei entwickelt sich weiter", sagt er. Das Handwerk stelle nicht mehr nur Grundnahrungsmittel her, "ein Bäcker ist mittlerweile ein Dienstleister. An jeder Tanke krieg ich frische Semmeln. Da muss man sich neu ausrichten und eine Lücke finden."

Geheimnis gelüftet


Eine Nische sind auch die traditionellen Backwaren zur Dotsch-Kirwa. Die müssen allerdings erst hergestellt werden: Zusätzlich zum Samstagsprogramm muss Familie Arnold Kirwakuchen und Kücheln in die Auslagen bringen. "Kirwa ist schon extrem, weil in Neustadt der Kirwakuchen berühmt ist", meint Inhaber Josef Arnold. "Da gibt's keinen Haushalt, der ohne Kirwakuchen feiert." Alles werde am Freitag und Samstag frisch produziert.

Arnold lüftet auch das Geheimnis des Dotsch-Kuchens: "Milch, Eier, Gries und Zucker stand in jedem Haushalt zur Verfügung. Jede Frau konnte mit einfachen Lebensmitteln etwas besonderes für den Festtag machen. Ich glaube, dass ist der Grund, warum es sich über Jahrzehnte gehalten hat."

Wochenende im Zeichen der Dotsch-KirwaDer Startschuss für die Dotsch-Kirwa fällt heute um 20 Uhr im Gasthof "Zum Weißen Rössl". Zum Abend der Volksmusik haben die "Zupfer-Moidln" hochkarätige Volksmusikgruppen eingeladen: das "Trio Collegio" aus Neumarkt, "De zwoa Schneidig'n" aus Waldkirch und Eslarn und die "Rüscherl Muse". Am Samstag um 11.11 Uhr wird im Rathaus das Geheimnis um die neuen Prinzenpaare gelüftet. Bürgermeister Rupert Troppmann empfängt Abordnungen des Präsidiums, des Vorstands, des Hofstaats und Elferrats sowie der Garden. Die "Versumpften" spielen ab 17 Uhr im DJK-Sportheim. Der Wirt serviert Kirchweihspezialitäten, die es auch das ganze Wochenende in den Gasthäusern und Zoiglstuben gibt. Der Stadtplatz steht am Sonntag im Zeichen des Markts. Über 25 Aussteller bieten von 10 bis 17 Uhr Textilien, Haushaltswaren, Schmuck, Imbiss und Süßigkeiten an. Ab 15 Uhr treffen sich die Musiker und Witzerzähler im Eisstockheim des ESF. Ebenfalls ab 15 Uhr gibt die Stadtkapelle ihr Herbstkonzert in der Stadthalle. Am Montag gibt es noch einmal Frühschoppen und Mittagessen in den Gasthäusern und Zoiglstuben. (prh)
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