Braugerste aus der Oberpfalz für Münchener Traditionsbrauerei
Alte „Steffi“ macht ein gutes Bier

Trotz eines Rückgangs bei den Mengen ist der Handel mit Braugerste immer noch eines der wichtigen Standbeine für das Raiffeisenlagerhaus Albersrieth mit Warenleiter Rudolf Schieder. Bild: Götz

"Steffi" ist etwas für Liebhaber unter den Mälzern und Brauern. Vom Landwirt fordert sie Gefühl - weit mehr als ihre Verwandten "Grace" und "Marthe".

Der Anbau von Braugerste hat Tradition in der nördlichen Oberpfalz. Dennoch gehen die Mengen zurück. 2015 wuchs die Sommergerste im Landkreis und in der Stadt Weiden auf 3964 Hektar. Fünf Jahre zuvor waren es nach Angaben des Amtes für Landwirtschaft noch 4640 Hektar.

Die Bauern in der Region sind erfahren. Das wissen die Mälzer und Brauer selbst in München. Eine Traditionsbrauerei, deren edler Stoff auch in der Oberpfalz gerne getrunken wird, liebäugelt seit Jahren mit der Oberpfälzer "Steffi". Schon lange vor der Ernte bandeln die Verantwortlichen mit den Händlern hierzulande an, feilschen und werden sich handelseinig.

Eine typische Win-Win-Geschichte nennt Geschäftsführer Walter König vom Bayerischen Brauerbund den nachhaltig angelegten Vertragsanbau. Die Brauereien erhalten eine gesicherte Versorgung mit regionalen Rohstoffen, und die Landwirte können auf den Absatz ihrer Gerste bauen.

Die Baywa spricht von "erheblichem Preisaufschlag" für die von Mälzern und Brauern stark nachgefragten "Steffi". Dabei zählt sie zu den alten Damen der Szene. Die Zulassung erhielt sie 1989.

Beim Anbau will "Steffi" gut gepflegt werden. Mit Stickstoff müsse der Bauer bei ihr vorsichtig sein, sonst steige der Eiweißgehalt in den Körnern, sagt Rudolf Schieder vom Raiffeisenlagerhaus in Albersrieth. Der Warenleiter lobt die Qualität, die die Landwirte zwischen Eslarn, Weiden und Störnstein produzieren.

Mengen gehen zurück


Mit 1500 bis 2000 Tonnen Braugerste füllen sie ab August die weithin sichtbaren Silos in dem Waldthurner Ortsteil. "Wir waren schon bei 3500 Tonnen pro Jahr, aber die Tendenz ist rückläufig." Für das Lagerhaus handelt es sich aber nach wie vor um eine der Hauptfrüchte.

Ausschlaggebend sei die Preisproblematik, meint Schieder. Der Anbau von Braugerste ist gegenüber Futtergetreide anspruchsvoller, aber der Ertrag liege in guten Jahren bei lediglich 50 bis 60 Doppelzentnern pro Hektar, beim Futtergetreide seien es 90 bis 100. 50 bis 60 Betriebe liefern die Sorten "Steffi", "Marthe" und "Grace" ans Raiffeisen-Lagerhaus Albersrieth. Deren größter Abnehmer ist die Malzfabrik Albert Müller in Inkofen.

Ausschlaggebend über den Gewinn für die Landwirte sind immer die Tagespreise. Momentan stellen sie sich nicht positiv dar. Derzeit bewegen sich die Erträge bei den Standardsorten ungefähr bei 15,50 bis 16 Euro pro Doppelzentner. Bei "Steffi" bekommen die Landwirte bis zu 4 Euro Aufschlag. Je näher die Ernte rückt, desto mehr sind die Preise in Bewegung.

Ständige Untersuchungen


Das heißdiskutierte Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat ist auch für Schieder ein Thema. "Wir sind qualitätszertifiziert. Bei Untersuchungen sind stets alle Proben weit unter den Grenzwerten geblieben", bestätigt Schieder.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.