Bürgermeister erkundet Wege mit Senioren
Barrierefreie Tour de Neustadt

Geschäftsstellenleiter Peter Forster (von rechts) und Bürgermeister Rupert Troppmann machten sich gemeinsam mit Bewohnern und Mitarbeitern des Seniorenheims auf den Weg durch Neustadt. Bild: Götz

Wo hakt es auf dem Weg vom Altenheim in die Stadt? Wo befinden sich Stolperstellen, unüberwindbare Bordsteine und Pflasterwege für Rollatoren sowie Rollstühle? Statt aus dem Rathaus mögliche Lösungen zu delegieren, macht sich Bürgermeister Rupert Troppmann mit Bewohnern des Altenheims auf den Weg.

Die Idee entstand im Frühjahr im Bauausschuss, als die Stadt sich mit dem Thema Barrierefreiheit befasste. "Ich wollte da nicht irgendeine Entscheidung aus der Ferne treffen, sondern mir den Rat echter Experten einholen. Und das sind nunmal die Bewohner des Alten- und Pflegeheims St. Martin, die täglich mit ihren Hilfsmitteln in der Stadt unterwegs sind", sagt Troppmann vor dem Start des Spaziergangs am Caritas-Heim.

Trotz hochsommerlicher Temperaturen begleiten mehrere Heim-Bewohner, Heimleiterin Stefanie Schricker, Mitarbeiterin Silvia Braun, Seniorenbeauftragte Gabi Fröhlich sowie Stadt-Geschäftsführer Peter Forster das Stadtoberhaupt. Los geht's vom Heim über den frisch asphaltierten Weg zum Friedhof. "Problemloser Auftakt für mich und meinen Porsche", sagt Anna Kick, emsige fast 80-jährige Spaziergängerin, die ihren Rollator sicher durch die Gräberreihen steuert.

Tor-Ärgernis


Anders sieht es bei Josef Brunner im motorbetriebenen Rollstuhl aus. Auf dem abfälligen Pflasterweg durch den Friedhof ist ein enormer Kraftaufwand nötig, um ein Abdriften des Gefährts zu verhindern. "Ohne männliche Unterstützung ist das fast nicht möglich", klagt Chauffeurin Braun. Troppmann zückt umgehend den Block und notiert mit dem um den Hals gehängten Kugelschreiber: "Wege im Friedhof ausgleichen."

Ein schier unüberwindbares Hindernis wartet am Ein- und Ausgangstor: Während der Rollator nur mit einem akrobatischen Kunststückchen über die Schwelle gehievt werden kann, muss der Rollstuhl samt Insasse händisch raus gehoben werden. "So geht das nicht. Da müssen wir beide Wege jenseits des Tores angleichen und ebenerdig gestalten", schreibt sich Troppmann in seinen Notizblock. Wie gut, dass Forster auf dem Friedhof-Areal einen Bauunternehmer antrifft, der gerade Grüfte aushebt. "Geht da was? Müssen wir da alles ausheben?" An Ort und Stelle loten Stadtverantwortliche und Bauunternehmer die nächsten Schritte aus und vereinbaren einen Gesprächstermin im Rathaus.

An der Fußgängerampel oberhalb des Landratsamtes ist sowohl mit dem Rollator als auch mit dem Rollstuhl etwas Schwung nötig, um auf den Gehsteig zu gelangen. "Da könnten wir ein paar Zentimeter abfräsen, damit das flüssiger geht", diktiert Forster dem Stadtoberhaupt in den Block. So ähnlich wie beim Fußgängerüberweg beim Landratsamt, der bereits behinderten- und blindengerecht gestaltet ist. Nach einem Eis zur Abkühlung wählt Troppmann einen anderen Rückweg zum Seniorenheim, um auch dort eventuelle Hindernisse zu entdecken. Der ebene und geteerte Übergang des Parkdecks ist den Senioren fast gänzlich unbekannt. "Das wenn ich früher schon gewusst hätte", freut sich Rudi Schneck und marschiert im Stechschritt voran. Für den Bürgermeister folgt jetzt eine wichtige Erkenntnis: "Ist die Auffahrt von der Johann-Dietl-Straße zum Friedhof zu steil oder für bewegungseingeschränkte Senioren zu bewältigen?" Fazit: Ältere Personen mit Rollatoren können die Bergankunft der "Tour de Neustadt" problemlos erklimmen, dagegen ist es für die Begleitpersonen des Rollstuhlfahrers nahezu nicht zu erschieben. "Wir werden diesen Weg so aufbereiten, dass wir diese Stadttour anbieten können", verspricht Troppmann.

Mehr Ruhebänke


Mit dem Wunsch nach mehr Ruhebänken entlang des Weges erreichen Senioren und Begleiter das Altenheim. "Es ist uns ein Anliegen, den älteren Bewohnern trotz Einschränkungen so viel Lebensqualität wie möglich zu erhalten. Der tägliche, barrierefreie Gang in die Stadt oder zum Supermarkt steht da ganz oben", verabschiedet sich der Bürgermeister.

Es ist uns ein Anliegen, den älteren Bewohnern, trotz Einschränkungen so viel Lebensqualität wie möglich zu erhalten.Bürgermeister Rupert Troppmann
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