Bürgermeister kritisieren Sparkasse
Sparkassen-Sparkurs erhitzt Gemüter

Die Vorgehensweise der Verantwortlichen war nicht die feine Art.
 
Vielleicht waren politische Hintergründe bei der Schließung entscheidend.

Während Josef Pflaum, Vorstandschef der Vereinigten Sparkassen, von Verständnis bei den Bürgermeistern sprach, sehen die Betroffenen die Schließung der Sparkassen-Filialen (wir berichteten) komplett anders. "Wenn er hier keinen Protest erwartet, ist das eine Frechheit", schimpft Schirmitz' Rathauschef Ernst Lenk . In allen von der Schließung betroffenen Orten fühlen sich die Bürgermeister von der Entscheidung der Sparkasse überrumpelt. "Keine Andeutung oder Vorab-Information."

Der Werbeslogan der Bank "Näher am Kunden" erscheint Lenk ob der Kürzungen "fast schon makaber". Während in Schirmitz, Sitz der Verwaltungsgemeinschaft, die Filiale geschlossen wird, bleiben in Luhe, Oberwildenau, Mantel und Weiherhammer vier Sparkassen auf engstem Raum erhalten. "Vielleicht waren politische Hintergründe bei der Schließung entscheidend", mutmaßt Lenk. Für die mobile Geschäftsstelle, die zweimal pro Woche in den Orten ohne Filiale für jeweils eine Stunde stationiert wird, sieht Lenk keine Zukunft. "Ich kann doch nicht meinen Terminplan danach ausrichten, um Geld abzuheben." Als Konsequenz will die Gemeinde Schirmitz ihre Geschäftsbeziehungen zur Sparkasse "stark überdenken".

Kollegen unkollegial


Da ist die Gemeinde Flossenbürg bereits einen Schritt weiter, wie der neue Bürgermeister Thomas Meiler berichtet: "Wir haben die Zusammenarbeit mit der Sparkasse bereits gekündigt und unsere Kontenauflösung eingeleitet." Eine Gesprächsanfrage des Kundenberaters lehnte Meiler mit der Begründung ab, dass "die Sparkasse im Vorfeld der Schließungen eine Kommunikation scheinbar auch nicht für nötig hielt". Der Rathauschef legt nach: "Wir wurden überrumpelt. Es ist eine absolute Frechheit, wie die Sparkasse mit Gemeinden und Kunden umgeht." Ebenso stuft Meiler das Schweigen der Bürgermeister-Kollegen im Verwaltungsrat der Sparkasse als "bedenklich" ein.

"Ich werde auch Landrat Andreas Meier fragen, wie lange er bereits von den Schließungsplänen wusste." Wie sein Schirmitzer Kollege Lenk sieht Meiler die mobile Geschäftsstelle nicht als zweckmäßig an: "Der Lastwagen kann bleiben, wo er ist. Es ist unmöglich, in der Kürze der Zeit all seine Geschäfte abzuwickeln."

Raiffeisenbank stärken


Der Waldthurner Bürgermeister Josef Beimler ist sich mit seinen Kollegen einig, dass die Raiffeisenbank der große Gewinner der Sparkassen-Kürzungen sein wird. "Die Grundversorgung ist gefährdet, deswegen werden wir die Raiffeisenbank stärken, wo es nur geht." Er habe bereits die Zusage, dass diese den Ausbau ihrer Filiale in Waldthurn plant.

Den Verlust der Sparkassen-Filiale bezeichnet Beimler als "herben Schlag für die Marktgemeinde". Auch er bemängelt den fehlenden Dialog. "Die Vorgehensweise der Verantwortlichen war nicht die feine Art. In Waldthurn rumort es gewaltig." Gerade ältere und nicht mobile Bürger hätten unter den neuen Gegebenheiten zu leiden. (Reaktionen)
Die Vorgehensweise der Verantwortlichen war nicht die feine Art.Josef Beimler
Vielleicht waren politische Hintergründe bei der Schließung entscheidend.Ernst Lenk
Es ist eine absolute Frechheit, wie die Sparkasse mit Gemeinden und Kunden umgeht.Thomas Meiler
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