Crystal von der Post
Drogen kommen immer öfter per Versand

In diesen Umschlägen eines gewöhnlichen Versandzentrums verbergen sich Rechnungen, Werbeprospekte, Bewerbungsunterlagen und möglicherweise auch Amphetamine und Kokain. Rauschgifthändler nutzen laut Polizei immer öfter den Postweg. Archivbild: Hartl

Einbrüche hin, Schlägereien her: Im Landkreis Neustadt lebt es sich friedlich und behütet. Das untermauert der Sicherheitsbericht des Polizeipräsidiums Oberpfalz. Sorgen bereiten den Beamten neue Formen des Rauschgifthandels.

Die gute Nachricht zuerst: Im Landkreis gab es 2015 keinen Drogentoten. Auch die Zahl der Betäubungsmitteldelikte ging um 86 auf 313 zurück. Das sind satte 21 Prozent. In der gleichen Zeit stieg die oberpfalzweite Quote um 3,9 Prozent. "Das ist der höchste Stand seit 2006", bilanzierte Polizeivizepräsident Michael Liegl, der auch von 30 Drogentoten sprach. Dass der Landkreis in dieser Statistik gut wegkommt, hat wahrscheinlich mehrere Ursachen. Dazu gehört, dass sich Schleierfahnder, Bundes- und Landespolizei durchaus für ihre Arbeit auf die Schulter klopfen dürfen. Schließlich ist die Aufklärungsquote aller Kriminalitätsdelikte zwischen Eslarn und Kirchenthumbach mit 80,7 Prozent sensationell hoch. In der Oberpfalz liegt der Schnitt bei 70,7 Prozent.

Zum anderen sind die Vertriebswege der Dealer und Produzenten offenbar andere. Wie Weidens Kripo-Chef Thomas Bauer erläuterte, haben es die Ermittler etwas seltener mit Einzelkonsumenten zu tun, die sich Kleinstmengen in Tschechien besorgen. Vielmehr würden große Mengen auf einmal auf den Markt gebracht, wie jüngst ein Fall in Weiden zeigte.

Liegl sprach eine Hauptausweichroute an, der nur schwer beizukommen ist: den Postversand. "Da sind wir außen vor. Wir wollten erst kürzlich an ein Verteilzentrum mit Hunden rankommen, aber das ist uns nicht gelungen." Laut Landeskriminalamt wird in Bayern rund ein Drittel aller Rauschgiftdelikte im Internet verübt. Die Anzahl der Plattformen für Online-Versandhandel habe sich seit 2013 verdreifacht.

Im sogenannten Darknet würden Heroin, Crystal oder Kokain so präsentiert wie CDs oder Wäschetrockner bei Amazon. Bezahlt werde laut LKA oft mit der Internetwährung Bitcoin. Die Droge komme dann anonym per Post frei Haus.

Die Polizei habe auch andernorts rechtliche Hürden zu überwinden. Ertappt sie Drogenfahrer, will sie auch gerne mal in der Wohnung des Betreffenden nachsehen. Doch das sei nicht so einfach. Dagegen klappe es bei der Fahndung mit den Nachbarn jenseits der Grenze prima. Liegl: "Die Kooperation mit Tschechien läuft hervorragend."

Einbrechern das Leben schwer machenDie Kriminalitätsentwicklung im Landkreis prägen zwei große Themen: Einbrüche und Asylbewerber. Die Sache mit den Asylbewerbern ist schnell erklärt. Jede illegale Einreise wird als Delikt erfasst. Bei allen übrigen Straftaten fallen Migranten kaum auf. Wenn doch, dann mal mit einem Ladendiebstahl oder einer Rauferei in einer Unterkunft. Für die Polizei bedeutet das zusätzliche Arbeit. Die Einsätze in Unterkünften haben sich vervierfacht, auch deswegen, weil die Beamten zu Abschiebungen gerufen werden. Die Zahl der Einbrüche kletterte um 16 auf 35 Fälle. Darin verbirgt sich jedoch ein Lichtblick: 57 Prozent der Versuche sind gescheitert. Das spricht für aufmerksame Nachbarn oder soliden Schutz des Hauses. Dafür warb auch Landrat Andreas Meier: "Nutzen Sie die Beratungsangebote de Polizei." (phs)
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