Der Neustädter Josef Weber ist Baudezernent in Erlangen
Kunstverein und König Ludwig

Das Hausfluss-Team Tobias Punzmann, Markus Richter, Josef Weber und Stephan Argauer (von links) präsentierte sich mit der Installation "Stars and Strips". Weber wohnt in Nürnberg, arbeitet in Erlangen und engagiert sich kulturell in seiner Heimatstadt Neustadt. Bilder: hfz (2)
 
Josef Weber ist seit fünf Jahren in Erlangen als Bau- und Planungsreferent sowie berufsmäßiger Stadtrat und damit auch für die in der Stadt kontrovers diskutierte Landesgartenschau 2024 zuständig.

In Erlangen kümmert er sich um billige Wohnungen und eine umstrittene Landesgartenschau. In Neustadt engagiert sich Josef Weber für die Kultur.

An der Waldnaab gehört der gebürtige Neustädter nicht nur zum Hausfluss-Team, sondern hat diesen Kunstverein durch den Kauf der alten Schießstätte mit ins Leben gerufen. "Hier geht es um Kunst und Experimentieren. Es macht Spaß, bei den Kinotagen Filme zu zeigen, die einem selbst gefallen." Es sei schön, dass dazu Bekannte und noch andere Besucher kommen und mit ihnen zu quatschen. "Da geht es um ganz andere Themen als das tägliche Bauen und Investieren."

In Nürnberg, wo Weber mit Ehefrau Brigitte und den vier Kindern wohnt, sei so etwas in dieser Art nicht möglich. "Dort ist alles größer, professioneller und mit viel Aufwand verbunden." Neben dem eigenen Vergnügen gehe es bei Hausfluss auch darum, Kunst im ländlichen Raum zu platzieren und auch anderen Vergnügen zu bereiten.

Etwa alle drei Wochen kommt der 47-Jährige in die Heimat, besucht Eltern, Verwandte und Freunde in Neustadt oder die Schwiegereltern in Waldsassen, paddelt vom extra erbauten Bootssteg aus auf der Waldnaab. "Ich genieße es hier, nicht im öffentlichen Interesse zu stehen." Das täten auch Gäste aus der Branche, wie die Münchener Stadtbaumeisterin Dr. Elisabeth Merk.

Dauerpendler


Franken ist für den Neustädter vor allem wegen der Arbeit attraktiv. Doch auch in der Freizeit pendelt er zwischen den Bezirken hin und her. "Zum Wasserskifahren sind wir mal am Rothsee südlich von Nürnberg und mal in Schwandorf."

In Erlangen ist Weber seit fünf Jahren als Bau- und Planungsreferent sowie berufsmäßiger Stadtrat zuständig für die Bereiche Gebäudemanagement, Liegenschaften, Tiefbau, Stadtplanung, Verkehr und Vermessung sowie Bauaufsicht. Im Mai hat er den Zuschlag bekommen, die Landesgartenschau 2024 in Erlangen zu präsentieren. Das Konzept für das Areal des derzeitigen Großparkplatzes zwischen Bahnhof und Frankenschnellweg A 73 sowie in den angrenzenden Regnitzwiesen ist bei der Bevölkerung umstritten.

Weber sprach bei der Bekanntgabe der Entscheidung davon, dass sie Rückenwind für die Planungen in "einem Schlüsselbereich der zukünftigen städtebaulichen Entwicklung Erlangens" sei. Die Gegner des Projekts kritisieren, dass es sich um ein ökologisch fragwürdiges Projekt handelt, da es zum Teil Biotope zerstöre.

Es gebe mittlerweile eine Bürgerinitiative gegen die Landesgartenschau und einen Freundeskreis dafür, sagte Weber. "Das beobachtet man als Oberpfälzer mit einer gewissen Ruhe."

Schlösserbauer


Ein "König-Ludwig-Syndrom" attestierte ein alteingesessener Erlanger Gastronoms dem Baureferenten bei einem anderen Projekt. Dabei ging es um die Neugestaltung der Schwabach, einem Flüsslein unterhalb des Festgeländes der Bergkirchweih. "Ein Bürger darf so etwas äußern", sagte der städtische Bauchef. Er könne mit dem Vorwurf umgehen. Seine Mitarbeiter hätten lediglich im Auftrag des Stadtrates zum Hochwasserschutz einige mögliche Varianten ausgearbeitet. "Das sieht die Mehrheit des Stadtrates auch so."

Für das 260-Millionen-Euro-Projekt der Stadt-Umland-Bahn von Nürnberg nach Erlangen und Herzogenaurach ist Weber froh über das "Ja" eines Bürgerentscheids im März. Derzeit schaffe er für die Umsetzung die organisatorischen Strukturen. "Die Planungsschritte beginnen nächstes Jahr."

Die Stadt sei eine der wenigen, die mehr Arbeitsplätze als Einwohner habe. "100 000 Bewohner und 60 000 Pendler, muss man erst einmal strukturell verkraften." Schwierig ist auch die Wohnsituation. Beim Preisniveau liegt Erlangen auf Platz vier in Bayern hinter Starnberg, München und Regensburg. Der Wohnungsbau ist ihm ein großes Anliegen, um den Markt zu entspannen.

Weber beschreibt die Stadt als quirlig, durch die Akademiker als diskussionsfreudig und mit großem Wechsel der Bevölkerung mitbegründet durch die Arbeitsfelder bei Siemens und Universität samt Kliniken. "Viele sind Erlanger auf Zeit von 10 bis 15 Jahren. Dan gehen sie wieder. Die sesshafte Bevölkerung ist in der Minderheit." Die Stadt sei gemäß ihrem Slogan tatsächlich "offen aus Tradition". Dies gehe zurück auf das 17. Jahrhundert, als Markgraf Christian Ernst aus Frankreich weit mehr vertriebene Hugenotten ansiedelte, als die ursprüngliche Bevölkerung Köpfe zählte. Spürbar sei diese Offenheit auch heute noch beispielsweise beim Flüchtlingsthema.

Heimspiel auswärts


Baulich fehle Erlangen ein Alleinstellungsmerkmal. Durch den großen Wechsel der Bürger bleibe auf diesem Gebiet einiges auf der Strecke. "Wir haben ein Handballteam, das in der Bundesliga spielt, aber keine Halle. Zu Heimbegegnungen tritt die HG in Nürnberg an", wundert sich der Oberpfälzer.
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