"Deutsche Eiche" außer Betrieb
Wirtshausleben reanimieren

Unten leer, oben voll: In der Wirtsstube der "Deutschen Eiche" ist nichts mehr los, dafür hat Pächter Tuncay Yildirim in den oberen Stockwerken ausländische Familien einquartiert. Bild: Gabi Schönberger

Gaststube, Pizzeria und Steakhaus - in der "Deutschen Eiche" hat es schon viele Geschmacksrichtungen gegeben. Jetzt steht die Wirtschaft leer. Vereine mussten sich deshalb nach einem neuen Stammlokal umsehen.

Neustadt. Der Heimat- und Trachtenverein hat sich ungefähr sechs Jahre lang regelmäßig in der "Deutschen Eiche" getroffen. "Wir haben dort Jahreshauptversammlungen abgehalten, Maibaum-Tänze oder Weihnachtsfeiern ausgerichtet", erinnert sich Maria Enslein, die ehemalige Vorsitzende. In dem Wirtshaus sei es gemütlich gewesen und die Bewirtung einwandfrei.

"Außerdem haben wir immer den hinteren Saal umsonst nutzen können." Kurz gesagt: Der Trachtenverein hat sich in dem Lokal wohlgefühlt. Das sei aber noch zu der Zeit gewesen, als die Irlbacher, langjährige Vorgänger des neuen Pächters, das Lokal führten, so Enslein. Als sie die Wirtsstube aufgaben, verlor die Stadt mit ihnen ein Neustädter Original.

Hin- und hergerissen


"Weil nicht gleich ein neuer Pächter nachgekommen war, standen wir auf der Straße. Wir mussten uns einen neuen Vereinstreffpunkt suchen." Die Mitglieder quartierten sich schließlich beim "Weißen Rößl" ein. Die "Eiche" vermisst die ehemalige Vorsitzende trotzdem. "Dort war es immer gesellig."

Die Sehnsucht nach der Wirtsstube teilen nicht alle. "Für uns ist sie nicht mehr interessant, weil es einfach nicht mehr funktioniert", bedauert Sebastian Scharnagl von der historischen Bürgerwehr. Zwar wollte der Verein in die "Eiche", wenn der Pächter sie gelassen hätte: "Im letzten Dreivierteljahr hat er uns, einfach so, zweimal abgesagt." Peter Forster, Verwaltungsfachwirt der Stadt, bedauert zwar, dass die "Eiche" wegfällt. "Aber eine Grundlage bricht für Neustadt deshalb nicht weg." Es gebe ja schließlich noch das "Weiße Rößl". Vereine wie die Feuerwehr oder der Lehrerstammtisch hätten sowieso kein Stammlokal, sondern immer zwischen den Wirtshäusern gewechselt.

Er will einen zweiten Versuch mit dem Steakhaus starten. Die Resonanz darauf war relativ gut.Ludwig Würth, Besitzer "Deutsche Eiche"

Jetzt ist dort nichts mehr los. Bis auf zwei bis drei ausländische Familien, denen Pächter Tuncay Yildirim die Gästezimmer vermietet hat, betritt das Wirtshaus niemand mehr. Das soll sich bis zum Sommer hin laut Besitzer Ludwig Würth ändern: "Yildirim will einen zweiten Versuch mit einem Steakhaus starten. Die Resonanz darauf war relativ gut." Probleme mit dem Personal hätten den Türken aber letztes Mal gezwungen, das Konzept auf Eis zu legen. So hätte ihn sein Koch von einem Tag auf den anderen sitzengelassen. "Aber auf den war er ja angewiesen", erklärt Würth. Nach dieser Pleite wollte Yildirim ein paar Monate Zeit vergehen lassen, um sich neu zu organisieren und umzustrukturieren.

Wiederbelebung


Würth sieht in der Idee für das Steakhaus allerdings den letzten Anlauf, die "Eiche" wieder aufleben zu lassen. "Wirtschaftlich ist es schwierig und die Situation für die Gastronomie spitzt sich immer mehr zu." Umso mehr hoffe er, alte Stammgäste- und vereine zurückzulocken.
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