Dirndl aus der eigenen Werkstatt
Kursteilnehmerinnen mit ihren Kreationen für jeden Auftritt gerüstet

Stoffe, Muster und Farben sind individuell auf die Trägerinnen abgestimmt. Dennoch orientieren sich die Schnitte an Vorlagen aus den Jahren 1830 bis 1850. 18 Hobbynäherinnen haben in mühevoller Handarbeit ihr eigenes Dirndl geschaffen. Der Lohn: Sie haben jetzt garantiert ein Unikat. Bild: bgm

"Das ist wirklich eine Errungenschaft unserer westlichen Welt", sagt Hans Wax in Rotzendorf bei der Vorstellung der Dirndl, die 18 Teilnehmerinnen in einem Trachtennähkurs nach Vorlagen aus dem 19 Jahrhundert kreiert haben. Dass sich jede Dame ihr Kleid nach dem eigenen Geschmack schneidern kann, sei nicht selbstverständlich. Noch bis zur Französischen Revolution habe es strikte Kleiderordnungen gegeben.

Farben, Muster und Stoffe durften die Teilnehmerinnen in dem von Maria Enslein organisierten Kurs weitgehend selbst aussuchen. Um eine Förderung vom Bezirk zu erhalten, galt es aber, sich an den traditionellen Vorgaben zu orientieren. Die betreffen zum Beispiel die Länge. Eine Masskrughöhe Platz sollte höchstens zwischen dem Saum und dem Boden bleiben. Dank dieser Regeln würden sich die selbstgenähten Dirndl auch deutlich von Industrieware abheben.

Sorgfältige Farbwahl


Bei der Auswahl der Stoffe hilft Birgit Ettl aus Piesenkofen bei Regensburg. Die Farben würden dabei auf den Teint der Haut und die Augenfarbe abgestimmt, erläuterte Wax. "Wir legen Wert auf die Qualität und die Musterung", bestätigte auch Tuchhändlerin Ettl. Durch den finanziellen Zuschuss, vor allem aber durch die eigene Arbeitsleistung bleibt das Kleid dennoch bezahlbar. "Diese Qualität würde man nie zu diesen Kosten bekommen", sagt Enslein. Drei Samstage hatten die Hobbynäherinnen im beruflichen Schulzentrum in Neustadt zugebracht, um unter Anleitung von Kursleiterin Edeltraud Wild die richtigen Nähte, Falten und Bündchen anzufertigen.

Geselligkeit und Kaffeetrinken gehöre da natürlich auch dazu, allerdings habe Wild durchaus auch mal streng sein können. "So ginge ich nicht auf die Straße", habe die Nähspezialistin aus Gaisthal bei Schönsee schon mal kommentiert. "Dann weiß man, dass man es nochmal auftrennen muss", lacht die Besitzerin eines neuen Dirndl-Unikats. Zu den drei Kurstagen kamen noch unzählige Stunden an Heimarbeit. Heidi Bayer aus Waldershof hat das nicht bereut. Im Kirchenchor hatte eine Bekannte von den Nähkursen erzählt. Da sei sie neugierig geworden. "Ich habe es dann einfach mal ausprobiert, und es hat gleich Spaß gemacht. Wir haben eine klasse Meisterin gehabt", freut sich Bayer.

Neue Kurse im Herbst


"Wer mal eins genäht hat, will immer wieder eines nähen", sagt Enslein, die einen weiteren Vorteil der eigenen Handarbeit hervorhebt. "Das Praktische an unserem Gewand ist, dass man es auslassen kann, wenn man dicker wird, oder enger machen kann, wenn man dünner wird." Da sei man einfach nie falsch angezogen. Zwei neue Kurse beginnen im November.
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