Ein Pfleger steht seinen Mann
Exot im Altenheim: Andreas Ernsberger (18)

Andreas Ernsberger hat seinen Traumberuf ergriffen. Der Auszubildende zur Pflegefachkraft schätzt die Gespräche mit den Bewohnern und den Abwechslungsreichtum seiner Arbeit. Bild: bgm

Pflegeberufe und Männer - das passt nicht zusammen? Von wegen. Andreas Ernsberger zeigt, dass der Job Spaß macht und Männer in der von Frauen dominierten Branche gefragt sind. Ein Vorreiter ist er trotzdem.

In den vergangenen drei Jahren gab es im Caritas Alten- und Pflegeheim St. Martin keine männlichen Auszubildenden. Heuer herrscht Gleichstand: Neben zwei Damen übt Michael Birner die Tätigkeit eines Pflegefachhelfers aus. Andreas Ernsberger ist Pflegefachkraft in Ausbildung. Dass er in diesem Ausbildungsberuf gelandet ist, ist kein Zufall. Schon in der siebten Klasse absolvierte er sein erstes zweiwöchiges Praktikum im Caritas-Heim in der Kreisstadt. Eine Woche davon verbrachte er in der Küche, die zweite Woche im Pflegebereich. "Die Küche war zwar schon schön, aber mir hat es in der Pflege besser gefallen", erinnert sich der 18-Jährige.

Die Arbeit gefiel ihm sogar so gut, dass er in den Ferien ohne Bezahlung weitere Praktikumsstellen antrat. "Es ist ein Abenteuer. Jeden Tag etwas anderes - immer wieder etwas Neues", schwärmt Ernsberger. Nach dem Abschluss an der Mittelschule arbeitete er zunächst ein Jahr als Pflegefachhelfer im Neustädter Caritas-Heim. Am 15. September 2015 war dann der offizielle Startschuss der dreijährigen Ausbildung zur Pflegefachkraft. Wobei Ernsberger bereits am 1. August begann.

"Wie eine Großfamilie"


Zum Tätigkeitsprofil einer Pflegefachkraft gehört der Schichtdienst. "Im Sommer fällt es leichter, aber man gewöhnt sich daran. Das gehört dazu", sagt der Dietersdorfer gelassen. "Das ist wie eine Großfamilie" - so beschreibt Ernsberger das Verhältnis zu Bewohnern und Kollegen. Immer wieder bleibe Zeit für etwas Gaudi. Ein Vorteil gegenüber den Krankenpflegeberufen, wie Ernsberger meint. "Mal hinsetzen, mal reden, das hat man da ja nicht. Ein offenes Ohr haben, über die Vergangenheit reden oder von sich selbst erzählen - das freut ja die Leute auch." Und überhaupt: "Das Schönste ist, wenn von den Leuten ein Lächeln zurückkommt."

Das Schönste ist, wenn von den Leuten ein Lächeln zurückkommt.Andreas Ernsberger

Über die männlichen Mitarbeiter freut sich auch Heimleiterin Stefanie Schricker: "Das belebt immer, weil Männer oftmals eine ganz andere Sichtweise haben. Sie sehen manches entspannter und entzerren vielleicht manche Konfliktsituation." Neben Birner und Ernsberger arbeiten noch ein Koch, ein Betreuungsassistent und eine Pflegefachkraft im Neustädter Altenheim. Alle anderen der 65 Mitarbeiter sind Frauen. Schricker würde sich durchaus noch mehr Männer in der Belegschaft wünschen. "Ich denke, dass der Pflegeberuf mindestens so anspruchsvoll ist wie ein technischer Beruf. Man muss sehr kreativ sein, querdenken und sämtliche Register ziehen, um an Bewohner ranzukommen", sagt die Heimleiterin. Männliche Pflegekräfte hätten es leichter, mit männlichen Bewohnern ein vertrautes Verhältnis aufzubauen. Und die Damen? "Ich glaube, dass die weiblichen Bewohner das auch genießen, eine starke Schulter an der Seite zu haben", meint die Heimleiterin. Das sieht auch Mitarbeiterin Silvia Schmidt so: "Vor allem die älteren Damen lieben Männer. Wenn so ein junger Gentleman kommt - das ist für sie so eine Art Schwiegersohn oder Enkelkind."

Selbstbewusster auftreten


Woran aber liegt es dann, dass männliche Schulabsolventen Handwerksberufe vorziehen? In der Abschlussklasse von Andreas Ernsberger war er der Einzige unter den Jungs, der sich für den sozialen Bereich entschied. "Die Männer müssten viel selbstbewusster auftreten", findet Stefanie Schricker. Dass Argument, dass man mit dem Einkommen eine Familie nicht ernähren könne, stimme überdies nicht. Das Caritas-Heim zahle nach Tarif, fürs Alter gebe es eine Zusatzversorgung. In Ernsbergers Klasse an der Altenpflegeschule sind es immerhin vier Männer bei insgesamt rund 25 Auszubildenden. "Ich glaube, dass sich in den nächsten Jahren schon was ändern wird", ist Ernsberger überzeugt. Denn: "Wenn die Arbeit Spaß macht, geht man auch gerne hin."
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.