EM-Public-Viewing in der Region
Von Fieber keine Spur

Bei der Fußball-WM 2014 war Public Viewing am Unteren Markt in Weiden der Renner. Auch bei der bevorstehenden Europameisterschaft bieten viele Lokale gemeinschaftliches Schauen an. Bild: Götz

Anschläge und Terrorgefahr im Gastgeberland, Überschwemmungskatastrophen und menschliche Tragödien hierzulande: Die am Freitag beginnende Fußball-Europameisterschaft nimmt öffentlich bisher eher eine Nebenrolle ein. Dennoch laufen längst die Vorbereitungen für ein erneutes Fanfest - mit dem größten der nördlichen Oberpfalz im Landkreis Neustadt.

Weiden/Neustadt. Jürgen Füssl von der Gaststätte "D'Wirtschaft" redet nicht lange um den heißen Brei herum: "Sollte das Wetter nicht mitspielen oder die deutsche Mannschaft nicht mindestens bis ins Halbfinale vorstoßen, ist unser Public Viewing zur Europameisterschaft ein Draufzahlgeschäft." Dabei soll es doch zu einem richtigen Sommermärchen werden.

Neue LED-Wand


Über 20 000 Euro investierte Füssl bereits in Utensilien, um seinen Gästen die deutschen Spiele in Frankreich hautnah präsentieren zu können. Kostenintensiv war besonders das neue Schmuckstück: Die Anhänger der Nationalmannschaft fiebern künftig mit Müller, Schweinsteiger und Götze auf einer 6 mal 3 Meter großen LED-Wand mit. "Die Anschaffung allein kostete 10 000 Euro", sagt Füssl. Hinzu kämen die Tontechnik, die Uefa-Lizenz für die TV-Übertragung (500 Euro), Feuerwehr, Security sowie die Werbung im Vorfeld mit Anzeigen und Flyern. Am Sonntag, 19. Juni, stellt Füssl mit seinem Team zudem ein großes Familienfest auf die Beine. "Neben einer Panini-Bild-Tauschbörse, einer Hüpfburg und mehreren Attraktionen für Jung und Alt, folgt am Abend ein Open-Air-Kino auf der LED-Wand. Alleine für die Genehmigung, Filme zu zeigen, mussten wir 800 Euro berappen." Ohne Sponsoren wäre diese Großveranstaltung für "D'Wirtschaft" nicht zu stemmen. Deswegen strömen die Fans diesmal bei freiem Eintritt zum EDV-BV-Fanfest nach Altenstadt. Zudem kann Füssl auf die Unterstützung mehrerer Kleinsponsoren zählen. Auf dem Parkplatz vor der Gaststätte wird Platz für etwa 1000 Gäste geschaffen.

Und auch für den Fall, dass Petrus diesmal kein Freund des runden Leders ist, hat das "D'Wirtschaft"-Team vorgesorgt: "In der benachbarten Tennishalle fänden 550 Fans Unterschlupf. Das Landratsamt muss zwar noch Rettungswege und Notbeleuchtung abnehmen, das sollte jedoch kein Hindernis mehr darstellen", sagt Füssl. Mit Techniker Andreas Dippl ist er seit Monaten mit der Planung beschäftigt. An Spieltagen baut das Duo auf die Unterstützung von bis zu 50 Mitarbeitern. Von einem Tippspiel unter den Fußball-Fans sieht Füssl aber ab: "Da sind die Kontrolleure ganz scharf und sehen darin illegales Glücksspiel."

Alte Hasen


Fast schon Tradition hat der Fankilometer des Nationalmannschafts-Fanclubs "Flosser Adler". Präsidentin Gisela Mutterer und ihr Team organisieren bereits zum fünften Mal das gemeinschaftliche Fußballerlebnis unter freiem Himmel auf dem Flosser Rathausplatz. "Wir sind da inzwischen alte Hasen und ziehen unser Event bei jeder Witterung durch", sagt Mutterer. Beim deutschen 7:1-Sieg im WM-Halbfinale 2014 gegen Brasilien schüttete es aus Kübeln. Trotzdem kamen die Fans in Massen. Ein Großbild-Beamer (5 mal 4 Meter), eine selbst entwickelte und gebaute "Blackbox", bringt Stadion-Atmosphäre nach Floß. Während einzelne Fanclub-Mitglieder nach Frankreich reisen, lassen sich die Daheimgebliebenen unter anderem den Deutschland-Cocktail schmecken. Bei allen Produkten, die beim Fankilometer verkauft werden, legen die Adler Wert auf Regionalität. "Wir kaufen nur Produkte aus dem Ort oder der Umgebung. Da sind wir flexibler und können falls nötig kurzfristig umdisponieren."

Die Veranstaltung finanziert sich ausschließlich über den Verkauf. "Wir verdienen mit dem Public Viewing kein Geld. Wir verlangen keinen Eintritt und sehen diese vier Wochen ausschließlich als eine super Sache für unseren Verein." Eine Prognose wagt Mutterer jedoch nicht, weil bisher kaum EM-Stimmung aufkomme. "Wir haben kein Problem, wenn nur 200 Zuschauer kommen, durften aber auch schon 1500 Fans begrüßen." (Hintergrund)

EM 2016 - ein Sommermärchen?Wohl eher nicht. Oder doch? Die Frage ist meteorologisch nach wie vor genau so wenig abschließend zu klären, wie die Zusammensetzung des Finalspiels. Dafür gibt es dazwischen einfach viel zu viele Variablen. Und in Zeiten, in denen selbst kurzfristig Fluten in der Republik kaum vorherzusagen sind, dürfte schnell klar sein, dass eine Langfristprognose erst recht wenig Sinn macht.

Trotzdem kann man es, nicht zuletzt aus Wunschdenken heraus, versuchen.

Zumindest sieht der Start der EM rund um Neustadt und Weiden ganz gut aus. Wahrscheinlich herrscht zum Freitag hin sommerliches Wetter bei Temperaturen von etwas über 25 Grad, und es bleibt trocken. Das könnte sich schon zum ersten Spiel der deutschen Nationalmannschaft ändern, denn auch wenn der Sonntag wohl sommerlich warm wird, so gibt es wohl dann wieder einige kräftigere Schauer und Gewitter. Die treten vor allem nachmittags und abends auf.

Danach schwenkt der noch junge Sommer 2016 wohl erst einmal wieder in sein bekanntes Muster ein: Wechselhaft, auf und ab, aber wahrscheinlich eher wohltemperiert. Da sind sonnige Phasen eingestreut, genauso wie diese Tage mit kräftigen Schauern und Gewittern. Eine richtige Kältephase ist allerdings nicht in Sicht, genauso wenig wie ein trocken-stabiles Sommerhoch. Sommermärchen par excellence wohl eher nur auf dem Spielfeld - hoffentlich.


Sollte das Wetter nicht mitspielen oder die deutsche Mannschaft nicht mindestens bis ins Halbfinale vorstoßen, ist unser Public Viewing zur Europameisterschaft ein Draufzahlgeschäft.Jürgen Füssl, Inhaber der Gaststätte "D'Wirtschaft"
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