Entschuldigung kommt an
Asylbewerber verletzt Mitbewohner und muss 40 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten

Neustadt/Weiden. (rns) Dass es in der Enge einer Asylbewerberunterkunft mal knirscht, ist alltäglich. Anfang April aber rastete ein 18-Jähriger derart aus, dass ein Mitbewohner erheblich verletzt wurde. In der Küche des Wohnheims in Neustadt warf der Mann aus Eritrea nach einem Streit einen Teller nach einem Senegalesen und traf ihn am Kopf.

Die Folge war eine drei Zentimeter lange Platzwunde und Schnittwunden im Gesicht. Jugendrichter Otmar Schmid hatte mit ungewöhnlichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Für den Angeklagten stand ein Dolmetscher für die Sprache Tigrinya zur Verfügung. Der Geschädigte und ein Zeuge sprachen aber Mandinka und eine weitere der 39 Sprachen des Senegal. So gestaltete sich die Vernehmung reichlich schwierig.

Schwierige Kindheit


Da der 2014 über den Sudan und Libyen nach Deutschland gekommene Asylbewerber seine Tat zugab, ließ es Richter Schmid bei einer kurzen Schilderung in gebrochenem Deutsch bewenden. Man habe sich inzwischen ausgesöhnt, lebe sogar zu dritt in einem Zimmer und habe sich gegenseitig entschuldigt.

Staatsanwaltschafts-Gruppenleiter Peter Frischholz machte auch die schwierige Kindheit und die schwierigen Verhältnisse in der Asylbewerberunterkunft für den Ausraster verantwortlich. Er hielt dem 18-Jährigen zugute, dass der Tellerwurf keine Spätfolgen nach sich gezogen hatte und dass er geständig ist. Bei einem Erwachsenen hätte er zwischen sechs und acht Monaten für die gefährliche Körperverletzung gefordert, sagte Frischholz.

Nicht vorbestraft


Für den Heranwachsenden plädierte er auf 40 gemeinnützige Arbeitsstunden. Der nicht Vorbestrafte erklärte sich damit einverstanden, bat aber darum, dass der Arbeitseinsatz "in der Nähe" sein solle, weil er leider kein Fahrrad habe. Schmid verhängte die Strafe.
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