Erste Hilfe mit Tiefkühl-Kotelett
Notärztin Dr. Gudrun Graf über unterschätzte Gefahren bei Wespenstichen

Gudrun Graf. Bild: Archiv

Die Reaktionen waren einhellig: Das darf doch nicht wahr sein. Am Samstag starb ein 53-jähriger Familienvater aus Freihung an den Folgen eines Wespenstichs, den er ein paar Tage zuvor abbekommen hatte. Leider keine Seltenheit, weiß Notärztin Gudrun Graf. Die Neustädterin gibt Tipps, was im Falle eines Falles zu tun ist.

Frau Dr. Graf, woran merkt man denn, dass einem ein simpler Wespenstich gefährlich werden kann?

Gudrun Graf: Im Normalfall ist es ja harmlos. Wenn Sie aber davon ausgehen, dass Sie nicht allergisch sind und es schwillt plötzlich übermäßig an, es tut wahnsinnig weh und es bilden sich Quaddeln, die zum Beispiel bei einem Stich vom Fuß in den Unterschenkel reichen, ist höchste Vorsicht geboten. Dann sollten Sie auch den Notarzt rufen.

Kann ich selber gar nichts tun?

Vergessen Sie mal die ganzen Hausmittelchen wie Essig auf die Wunde und Milch zum Trinken. Wichtig ist, die Wunde zu kühlen. Wenn Sie keine Eiswürfel im Kühlschrank haben, nehmen Sie die tiefgefrorenen Pommes oder ein Kotelett. Statt zu trinken sollte ein Patient auch lieber Eiswürfel lutschen. Die kann er notfalls ausspucken.

Warum kein Wasser?

Es kann sein, dass sich jemand bei einem Krampfanfall infolge Bewusstlosigkeit bei allergischem Schock übergeben muss und das Erbrochene in die Lunge gelangt.

Nehmen diese bedrohlichen Wespenstiche immer weiter zu oder gab es das schon immer?

Von der Dramaturgie her ist es bestimmt schlimmer geworden.

Woran liegt das: Umwelteinflüsse, Pestizide, Allergien?

Es wird wohl eine Mischung aus allem sein. Schwere Allergien nehmen wirklich zu. Was ich vorhin noch sagen wollte: Wenn es zur Reaktion kommt und der Notarzt verständigt ist, sollte man die Haustür oder ein Fenster aufmachen, damit die Helfer reinkönnen. Bis sie eintreffen kann der Patient schon bewusstlos sein.

Wie oft erleben Sie das?

Immer wieder. Jedes Mal, wenn wir wegen eines Stichs gerufen wurden, mussten wir jemanden mitnehmen. Ganz kritisch sind Stiche oberhalb des Brustkorbs, vor allem im Halsbereich oder in der Zunge. Wir hatten schon einen Mann in Parkstein, der hat von seinem Weizen getrunken und wurde dabei von einer Wespe erwischt. Da ging es um Minuten, den musste der Hubschrauber nach Weiden fliegen.

Können Bienenstiche ähnlich fatal sein?

In der Regel nicht. Mit Hornissen und Wespen ist aber oft nicht zu spaßen. Da ist auch die Desensibilisierung schwierig. Dafür müssen Sie schon an eine Uniklinik.
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