Filmemacher in Lobkowitz Realschule
Bei Neonazis nicht wegschauen

Bewegt und nachdenklich waren die Schüler bei der Diskussion nach der Vorführung des Dokumentarfilms "Blut muss fließen". Bild: Konrad

Die "Partnerschaft für Demokratie" zwischen Kreisjugendring und dem Landkreis trägt Früchte: Das erste vom Bund geförderte Projekt ist eine Filmvorführung von Regisseur Peter Ohlendorf.

Die zehnten Klassen der Lobkowitz-Realschule durften sich den Dokumentarfilm ansehen. Darin geht es um den verdeckt ermittelnden Journalisten Thomas Kuban. Im Jahr 2003 begann er, Konzerte von Neonazis mit einer versteckten Kamera zu begleiten. Bands und Konzertbesucher skandierten dabei rassistische Parolen wie "Blut muss fließen, knüppelhageldick, wir scheißen auf die Freiheit dieser Judenrepublik". Sie forderten, das linksalternative Berliner Stadtviertel Kreuzberg mit einer SS-Division niederzumähen. Kuban filmt, wie die Neonazis im Rhythmus der E-Gitarre die rechte Hand zum Hitlergruß erheben und im Takt "Heil - Heil - Heil" rufen.

Polizei schaut weg


Sichtlich bewegt gaben sich die Zehntklässler nach der Vorführung. Verhaltener Applaus erklang. Regisseur Peter Ohlendorf betrat die Bühne und begann die Diskussion: "Ihr geht in ein Wirtshaus und im Hinterzimmer feiern Nazis. Was könnt ihr tun?" Die Schüler schlugen vor, die Polizei zu verständigen. Ohlendorf erkannte dies als Möglichkeit an, ließ aber gleichzeitig kein gutes Haar an den Ordnungshütern: Bei solchen Konzerten seien zum Teil Streifen dabei gewesen und hätte nicht eingegriffen. "Da hieß es, die Polizei hätte die Texte nicht verstanden."

Absprache mit Wirt


Er schlug vor, dem Wirt Bescheid zu geben, was in seiner Gaststätte vorgehe. Oft meldeten sich die Gesellschaften als Geburtstagsgäste an. Wenn der Betreiber die Neonazis aus finanziellen Gründen beherberge, könnten die Schüler mit ihren Freunden oder Vereinen dort hingehen, damit der Wirt die Braunen nicht mehr bedienen müsse. "Man kann als Ort oder Gemeinde eine klare Ansage machen", betonte der Regisseur. Die Schüler zeigten sich interessiert und stellten noch viele Fragen: "Wie viele Nazis gibt es?" oder: "Warum gibt es Nazis in anderen Ländern?"

Verpflichtet etwas zu tun


Johannes Paetzolt, Fachbetreuer für Geschichte an der Realschule, ist froh, dass Ohlendorf gekommen ist: "Die zehnte Klasse ist Abschlussjahr. Deshalb geben wir den Schülern das gerne mit. Wir erleben die Verrohung, zum Beispiel in Facebook. Da ist eine Menschenverachtung. Dagegen etwas zu tun ist mittlerweile unser Hauptanliegen in der neunten und zehnten Klasse." Es sei heute kein Tabu mehr, zu sagen: "Ich will keine Ausländer neben mir haben." "Das macht mir persönlich auch Angst", meint Paetzolt. "Wir hoffen, Aufklärungsarbeit leisten zu können", sagt Alexander Frey, Klassenleiter der 10a. Seit zwei Jahren ist die Realschule "Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage". "Wir haben uns ja dazu auch verpflichtet etwas zu tun."

Staat fördert demokratisches MiteinanderFinanziert hat die Filmvorführung die "Partnerschaft für Demokratie", ein Zusammenschluss aus Landkreis und Kreisjugendring. Es ist das erste staatlich geförderte Projekt der Partnerschaft, die sich am 18. Juli gründete. Mit den Zuschüssen des Familienministeriums soll das vielfältige, gewaltfreie und demokratische Miteinander unter den Bürgern unterstützt werden. Ansprechpartnerin ist Anna Schätzler in der Koordinierungs- und Fachstelle im Kreisjugendring. (dko)
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