Firmen abgegrast

Zähe Verhandlungen: Jürgen Laubert (links) und Beate Merkel (Vierte von links) von der Schimmel AG feilschten mit stellvertretendem Landrat Albert Nickl (Zweiter von links) und Josef Pflaum, Vorstandsvorsitzender der Neustädter Sparkasse (Zweiter von rechts), über den Wert des Gauls. Das Geld ist für soziale Zwecke in der Region gedacht. Bilder: Götz (2)
 
Shigeki Mori (Zweiter von links) ist der Chef der Firma NSG-Pilkington. Der Japaner staunte nicht schlecht, als am Rosenmontag ein Schimmel in sein Unternehmen in Weiherhammer trabte.

Knapp fünf Stunden und nicht gerade wenige Schlucke Bier, Sekt und Schnaps später hat es der weiße Gaul endlich geschafft. Die Verhandlungen mit den Bürgermeistern und Firmenchefs waren hart. Doch das Schwitzen unter dem Pferde-Kostüm und das Feilschen um Geld haben sich gelohnt.

An einem Schalter in der Neustädter Sparkasse lehnt ein Mann im Minion-Kostüm und beobachtet das Geschehen in der Empfangshalle. Seine Kollegin hat sich als Oma verkleidet. Sie stützt sich auf einem Gehstock, in ihrer grauen Perücke stecken Lockenwickler. Mitten in der Bank scharrt ein weißes Pferd auf dem Teppichboden mit den Hufen. Der Schimmel ist unruhig, weil Vorstandsvorsitzender Josef Pflaum lieber noch einen - oder zwei - Ramazzotti trinken will, als mit Jürgen Laubert und Beate Merkel von der Schimmel AG über Geld zu verhandeln. "Ruhig, ganz ruhig", versucht Rainer Vater das Pferd zu besänftigen.

"Das ist doch nur ein alter Gaul", meint Pflaum und gibt den nächsten Trinkspruch vor seinen Mitarbeitern zum Besten. Alle schmunzeln. Nur Merkel und Laubert ist nicht mehr zum Lachen zumute. Sie wollen keinen Schnaps, sondern Geld für einen guten Zweck sammeln. Lange feilschen sie mit Pflaum und stellvertretendem Landrat Albert Nickl. Am Ende sind es 850 Euro, die die Schimmel AG von der Sparkasse bekommt. Ziel für diesen Tag sind "mehrere Tausend Euro", sagt Laubert. Wie viel genau, will er zwar nicht verraten, aber nach den neun Stationen sieht es gut aus.

Alte Tradition


Die Prozedur gibt es seit 1950: Zwei Männer, verkleidet als Schimmel, ziehen von Firma zu Firma und sammeln Spenden. "Das ist eine alte Tradition von Glasmachern", erklärt Laubert. "Früher wurde in der Glasindustrie mit Holz geheizt. Mit dem Gaul wurde die Kohle rausgetragen." Zu Fasching sei das Pferd dann versteigert, das Geld in Alkohol investiert worden.

Die Tradition hat sich bis heute allerdings ein wenig verändert. Für die Spenden, die Merkel und Laubert zusammen mit Andreas Kick und Hans Wittmann als Schimmel sowie Rainer Vater als Halter einsammeln, kaufen sie keinen Alkohol, sondern geben das Geld an Kindergärten oder die Palliativstation. "Ein moderner Robin Hood", beschreibt Merkel. Im Rathaus in Luhe-Wildenau bietet Bürgermeister Dr. Karl-Heinz Preißer 250 Euro für das Springpferd. "Wir haben schon öfter Bürgermeister umgedreht und geschüttelt", droht Laubert. Er vermutet, dass der Rathauschef noch ein paar Groschen mehr in den Hosentaschen versteckt hat. Merkel zückt schon ihre Spielzeug-Pistole. Bereit, auch Gewalt anzuwenden. "Wenn ich schätzen müsste, wäre das Pferd mit 50 Euro überbezahlt. Es ist alt, hat keinen Zahn mehr", will sich Preißer vor dem Zahlen drücken.

Mehr als geplant


350 Euro sind es schließlich, die der Rathauschef für das Pferd lockermachen kann, mehr als geplant. "Ehrlich: Wir wollten eigentlich 50 Euro weniger ausgeben, aber ein Blick zur Kämmerin hat gereicht, und ich habe mich doch getraut", sagt Preißer und lacht. Viel mehr hätte es allerdings nicht sein dürfen. Der Bürgermeister werde schließlich von der Kämmerin überwacht.

Mit dabei ist auch Shigeki Mori aus Japan, Chef der NSG Pilkington. Er will sich diese Tradition nicht entgehen lassen. Werksleiter Reinhold Gietl übersetzt die Verhandlungen auf Englisch. Bei 250 Euro gibt es den langersehnten Handschlag. Station macht der Schimmel unter anderem bei der Firma OWS in Weiden, im Weidener und Schirmitzer Rathaus sowie in der Raiffeisenbank Weiden.
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