Friseurin mit Abitur
Schnitt fürs Berufsleben

 
Nach dem Abitur startete Susanne Siller eine Lehre zur Friseurin. Bild: ske

"In früheren Jahren musste ich nicht nach Auszubildenden suchen. Sie kamen von sich aus auf mich zu", erinnert sich Friseurmeister Armin Sengenberger. Diese Zeiten sind vorbei.

"Heute muss ich Veranstaltungen wie die Ausbildungsmesse nutzen, um auf unser Handwerk und meinen Salon aufmerksam zu machen und Auszubildende zu finden." Im vergangenen Jahr war er erfolgreich. Die heute 21-jährige Susanne Siller startete einige Wochen nach der Ausbildungsmesse im Salon des Neustädters.

Nach dem Realschulabschluss hatte sie an der Weidener Fachoberschule Abitur gemacht. Wie es weitergehen sollte, darüber hatte sie noch keine konkrete Vorstellung, wollte sich orientieren. "Ich wollte über mein Leben nachdenken, meine Möglichkeiten, meine beruflichen Vorstellungen ausloten."

Nach einigen Praktika besuchte die Weidenerin sechs Monate lang eine Physiotherapieschule. "Ich stellte bald fest, dass dies nicht der richtige Weg für mich ist." Die Bereiche Medien und Gestaltung hätten sie gereizt. "Aber ich bin kein Typ für Schreibtischarbeit." Schon frühzeitig hatte sie sich für Kosmetik, Hair Styling, Make-up interessiert, eine Ausbildung zum Make-up-Artist hätte ihr gefallen.

Das werde nur in Großstädten angeboten, Siller wollte die Region nur ungern verlassen. "Studieren wollte ich nicht. Mir war es wichtiger, bald Geld zu verdienen." Beruhigend sei das Abitur schon. "So stehen mir alle Türen offen."

Der Besuch der Ausbildungsmesse und das Treffen mit Armin Sengenberger brachte die junge Frau auf die Idee, eine Ausbildung zur Friseurin zu machen. Es folgten Praktika in drei Betrieben, "Ich hatte die freie Auswahl, bei wem ich mich um einen Ausbildungsplatz bewerbe." Wegen des Abiturs verkürzt sich die Lehrzeit auf 22 Monate.

Lust auf mehr


"Die Mischung Abitur und Ausbildung öffnet einem viele Möglichkeiten." Susanne kann sich vorstellen, mit dem Gesellenbrief in der Tasche weiter zu lernen in Richtung Theatervisagistin oder Maskenbildnerin. "Ich habe immer Lust auf mehr. Während der Schulzeit war mir das gar nicht bewusst." Als Berufsanfängerin muss sie die vielen Tätigkeiten langsam lernen. Farbe auftragen und entfernen sowie föhnen gehen ihr schon gut von der Hand. Das Haareschneiden lernt sie wie die anderen Auszubildenden an Modellen, an Puppen und bei Übungstagen. Hinzu kommt die Weiterbildung in der Handwerkskammer.

Armin Sengenberger bildet bereits zum wiederholten Mal eine Abiturientin aus. "Wichtig sind Talent und eine rasche Auffassungsgabe." All seine Mitarbeiterinnen haben ihr Handwerk bei ihm gelernt. "Ich bilde für meinen Betrieb aus, ich brauche Friseure, nicht nur Azubis." Gute Weiterbeschäftigungschancen also für seine Lehrlinge. Es sei schwerer geworden, Auszubildende zu finden.

Suche auf Messe


Das Schulsystem treibe die Jugendlichen in Richtung Studium, meint der Meister. "Die Ansprüche und Vorstellungen der Eltern sind gestiegen." Sengenberger selbst betreibt seinen Beruf aus Leidenschaft. Das will er auch seinen Azubis vermitteln. Er hofft bei der Ausbildungsmesse am 16. April in der Max-Reger-Halle in Weiden wieder Nachwuchs für seinen Laden zu finden.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.