Gut fürs Geschäft
DJK richtet fortschrittliche Behindertentoilette ein

Stefan Kessler hat den Euroschlüssel, mit dem er das umgebaute Behinderten-WC auf dem DJK-Gelände aufsperren kann. 1000 Euro hat der Verein in die Barrierefreiheit investiert. Thomas Mückl vom Sanitätshaus "Rollactiv" in Weiden hat den Verein beraten. Bild: prh

Ein Nichtbehinderter macht sich darüber eigentlich keine Gedanken: Was ist, wenn ein Rollstuhlfahrer mal muss? Die DJK St. Martin reagiert darauf und geht in Sachen Barrierefreiheit voran.

Der Verein baut ein von außen erreichbares WC in eine Behindertentoilette um. Der Clou: Sie ist mit dem Euroschlüssel besonders für Rollstuhlfahrer zugänglich. "Der Euroschlüssel ist ein europaweit einheitliches Schließsystem, das es körperlich beeinträchtigten Menschen ermöglicht, mit einem Einheitsschlüssel selbstständig und kostenfrei Zugang zu behindertengerechten sanitären Anlagen und Einrichtungen zu erhalten", erklärte Stefan Kessler vom Weidener Sanitätshaus "Rollaktiv" im DJK-Sportheim.

Mit der Schließanlage seien vor allem Autobahn- und Bahnhofstoiletten, aber auch WCs in Fußgängerzonen, Museen oder Behörden ausgestattet. Kessler kennt die Nöte. Er ist seit 1985 selbst auf den Rollstuhl angewiesen. Umso mehr freute er sich, dass die DJK nun Abhilfe schafft.

Nicht teuer


Vorsitzender Wolfgang Schwarz, dem die Themen Inklusion und Barrierefreiheit ein persönliches Anliegen sind, kam auf das Weidener Sanitätshaus zu, um sich fachmännischen Rat für den Umbau der Damen-Außentoilette im Sportheim zu holen.

In Kessler und Geschäftsführer Thomas Mückl fand er kompetente Partner für den Umbau, der weder teuer noch zeitaufwendig war. Die Trennwand wurde entfernt, neben dem WC-Sitz zwei Bügelstützen montiert und die Schließanlage mit einem Euroschloss ausgestattet. Das ist für 700 bis 1000 Euro möglich.

Die Schließanlage ermöglicht es nun Rollstuhlfahrern, die im Besitz des Euroschlüssels sind, jederzeit die Toilette aufzusperren und zu benutzen. "Der Euroschlüssel kostet einmalig 25 Euro und kann in ganz Europa genutzt werden", sagt Kessler. Als Verbands- oder Vereinsmitglied bekäme man ihn sogar teilweise umsonst. Der Standort der behindertengerechten und barrierefreien Anlage wird in ein europaweites Verzeichnis aufgenommen, das im Internet steht.

Mit Wickelkommode


Ein Aufkleber weist vor Ort auf die Einrichtung hin. Ein weiterer Schlüssel ist beim Pächter des Sportheims hinterlegt. Kessler, der auch Trainer der Weidener Rollstuhlbasketballer ist, weiß, dass so gut wie jeder Rollifahrer einen solchen Schlüssel hat. Ee garantiere dem Behinderten, dass er meist saubere und nicht zweckentfremdete Toiletten vorfindet.

Außerdem sei es ein beruhigendes Gefühl, wenn man eine Veranstaltung besuche. Er zollte der DJK ein dickes Lob für den Umbau. In das Behinderten-WC soll auch noch eine Wickelkommode für Babys eingebaut werden. "In Deutschland könnte in dieser Beziehung noch viel getan werden. Da sind zum Beispiel die skandinavischen Länder schon viel weiter".
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