Herztag in der Stadthalle
Ein Herz für Neustadt

Professor Dr. Robert Schwinger (links) legt die Hand auf den "Lukas". Mit dieser Maschine können Sanitäter 100 Mal in der Minute den Torax komprimieren und den Patient ohne Herzdruckmassage transportieren. Voraussetzung für dessen Einsatz ist rechtzeitiges Reagieren. Über Symptome des Herzinfarkts aufklären wollen neben Schwinger (von links): Marion Bergler, Dr. Gudrun Graf, Dr. Roman Wijenayake und Sabine Guhl. Bild: Wilck
 
Sabine Guhl (links) und Dr. Gudrun Graf zeigen die Herzdruckmassage an einer Puppe. Bild: ehi

Über 700 Schüler aus Neustadt und Umgebung wissen nach dem 24. Oktober, wie die Herzdruckmassage funktioniert. Beim 1. Neustädter Herztag in der Stadthalle bekommen sie einen Crash-Kurs in Erster Hilfe.

Organisiert wird die Veranstaltung vom Lionsclub Lobkowitz. Unter dem Motto "Ein Herz für Neustadt" will der Serviceclub Tausende Besucher für Herzerkrankungen sensibilisieren. "Die Leute brauchen zu lange, bis sie den Notarzt rufen", bedauert Dr. Gudrun Graf, selbst Notärztin und Präsidentin des Lionsclubs. Oft vergehen trotz Beschwerden mehrere Stunden. "Die Leute denken, das wird schon wieder."

Dabei zählt bei einem Herzinfarkt jede Sekunde. "Wenn das Herz zu schlagen aufhört, hat das Gehirn nach drei Minuten keinen Sauerstoff mehr", fährt Graf fort. Deswegen sei es wichtig, möglichst schnell mit der Reanimation zu starten. "Kinder ab einem Alter von zehn Jahren haben die Kraft, eine Herzdruckmassage durchzuführen."

Damit die Schüler aus allen Schularten von Neustadt bis Mitterteich im Ernstfall wissen, was sie tun müssen, lädt der Lionsclub sie zu kurzen Kursen mit Ausbildern des Roten Kreuzes ein. Über 700 Schüler haben bereits zugesagt. Jeder von ihnen wird an einer Puppe die Herzdruckmassage üben. "Wenn auch nur einer von den Schülern einem anderen Menschen dadurch das Leben retten kann, ist das für uns ein Erfolg", betont Vizepräsidentin Sabine Guhl.

Dem Schüler-Herz-Tag geht am 23. Oktober der 1. Neustädter Herztag für die übrige Bevölkerung voraus. In Vorträgen werden Ärzte aus der Region unter anderem über die optimale Versorgung bei einem Herzinfarkt, Risikofaktoren und Symptome oder den Zusammenhang von Herz und Niere referieren. In der Mittagsdiskussion berichten Herzpatienten von ihren Erfahrungen - zwei von ihnen waren schon einmal wiederbelebt worden. Verschiedene Aussteller bieten zudem Gesundheitstests wie Blutzuckermessungen an.

Begehbares Herz


Wie ein Infarkt entsteht, wollen Graf und ihre Kollegen an einem begehbaren Herz in einer Größe, wie es es in der Region noch nicht gab, erklären: Das Organ bekommt über Herzkranzgefäße an seiner Außenseite Blut und Sauerstoff. Ist eine Arterie verstopft, stockt die Versorgung, und Teile des Herzens können absterben. Das Besondere an diesem meterhohen Modell, das etwas kleiner schonmal im Klinikum Weiden zu sehen war: Es stellt ein krankes Organ dar. Ein Teil des Gewebes ist bereits abgestorben. Am oberen Teil des künstlichen Herzens ist ein Bypass zu sehen.

Jüngster Patient war 18


Symptome für einen Herzinfarkt sind zum Beispiel anhaltende Schmerzen sowie ein Enge- oder Druckgefühl im Brustbereich. Gründe für ein krankes Herz können zu hoher Bluthochdruck, hohe Cholesterin- oder Zuckerwerte oder Rauchen sein. Herzkrankheiten sind übrigens nicht mit einem hohen Alter gleichzusetzen. "In Weiden war der bisher jüngste Patient mit Herzinfarkt 18 Jahre alt", erzählt Graf.

Der Schülertag am Montag, 24. Oktober, wird kostenlos sein. Am 23. Oktober ist geplant, für Erwachsene ein bis zwei Euro Eintritt zu verlangen. "Der Sonntag finanziert den Montag", erklärt Guhl. Außerdem will der Lionsclub mit dem Erlös die Jugendarbeit von Berg- und Wasserwacht unterstützen.
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