Inhaltsstoffe angeben, oder nicht?
Der Kern des Kuchens

Der Kuchenverkauf ist oft der Renner bei Festen der Region. Diese Theke etwa stürmen die Besucher der Etzenrichter Hobbykunst-Ausstellung. Archivbild: wlr

Ob Gluten oder Nüsse: Was im Kuchen drin ist, ist wichtig für Allergiker. Die Organisatoren des Verkaufs auf den Festen der Region sind sich uneins: Sollen Inhaltsstoffe angegeben werden, oder ist das zu viel Aufwand? Das Landratsamt gibt Empfehlungen, schreibt aber nichts vor.

Zum dritten Mal in Folge beschriften die Kuchenverkäufer beim Manteler Bürgerfest ihre Ware: Eine Zutatenliste informiert die Besucher über die Inhaltsstoffe von Gugelhupf und Sahnetorte. Bisher ertönt kein Protest: "Das ist für die Vereine kein Problem", erklärt Organisator Bernd Bösl. "Jeder hat ja ein Rezept zu Hause. Das sollen sie dann einfach mit dem Kuchen abgeben."

Der Vorschlag hierzu sei vor drei Jahren aus dem Gesundheitsamt gekommen: "Wir melden das Fest dort an, dann wird das unter Auflagen genehmigt", erläutert Bösl. Doch so eng, wie die Manteler sie auslegen, sind die Auflagen gar nicht. "Nichtgewerbliche Träger, also zum Beispiel die Vereine, die für das Manteler Bürgerfest Kuchen und Torten bereitstellen, sind nicht verpflichtet, die Inhalts- und Zusatzstoffe der Lebensmittel zu benennen", stellt Pressesprecherin Claudia Prößl vom Landratsamt klar.

Rechtliche Absicherung


Ein solches Vorgehen diene aber der rechtlichen Absicherung. "Falls einer was mit Nüssen isst und dann umkippt." Deshalb empfehle die Lebensmittelüberwachung, eine Zutatenliste neben die angebotenen Kuchen zu hängen. Dann seien die Veranstalter auf der sicheren Seite. "Angefordert oder überprüft wird das von der Lebensmittelüberwachung aber nicht." Das Landratsamt macht keinen Unterschied zwischen Kuchen und anderen Lebensmitteln. Diese Position gilt für sämtliche nicht-gewerblich angebotenen Speisen. Verkaufen allerdings Metzger, Bäcker oder Brauereien ihre Lebensmittel auf Festen, sind sie als gewerbliche Anbieter grundsätzlich zur Kennzeichnung verpflichtet.

Oft bleiben deshalb die Kuchenbäckerinnen die einzigen, die sich als Privatleute mit dem unübersichtlichen Lebensmittelrecht beschäftigen müssen. "Ich habe noch nie etwas davon gehört, dass man das machen sollte", sagt Elisabeth Baldauf. Sie ist im Team des katholischen Frauenbunds in Pirk und war 18 Jahre Vorsitzende. Seit elf Jahren verkauft sie Kuchen auf dem Dorffest. "Die Frauen backen alle mit frischen Zutaten. Wir haben die Torten nur in Kühlschränken, den Kuchen haben wir in Glasschränken, wie sich's gehört." Bis jetzt sei noch nie etwas passiert.

Den Leuten vertrauen


"Man muss sich auch ein bisschen auf die Leute verlassen", sagt Christina Schaller, die Vorsitzende des Flosser Frauenbunds. Seit 14 Jahren kümmert sie sich um den Kuchenverkauf am Pfarrfest. "Wir haben bisher noch nie darüber nachgedacht", erklärt sie auf die Frage, ob beim Verkauf die Inhaltsstoffe angegeben werden. Solange es keine Vorgaben gibt, will der Frauenbund an der Praxis auch nichts ändern. "Es ist nicht leicht, Privatleute dafür zu gewinnen. Besonders nicht, wenn man noch sagt, sie sollen eine korrekte Zutatenliste erstellen", findet Schaller.

Ganz anders sieht das Christa Kick: "Natürlich" deklarieren sie und ihre Damen von der Feuerwehr Irchenrieth ihre Kuchen und Torten. Vor 30 Jahren übernahm die gelernte Hauswirtschafterin die Kaffeestube auf dem Irchenriether Brunnenfest. "Das war damals eine ganz andere Zeit", sagt die 59-Jährige. "So möchte ich heute keine Kuchen mehr verkaufen." Früher hätten sie in Wannen das Geschirr gespült. Mittlerweile haben sie eine professionelle Spülmaschine.

Wie in Floß und Pirk kommen die Torten in Kühlschränke und die Kuchen hinter die Glasscheibe. Für die Leiterin der Feuerwehr-Damengruppe ist eine Inhaltsangabe bei den Kuchen eine pragmatische Absicherung. "Das braucht man auch nicht bürokratisieren. Jeder, der eine Allergie hat, kann einfach fragen, ob da Mandeln oder Nüsse drin sind, und wir sagen es ihm."
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