Jäger kontra Förster
Polizei verzeichnet immer mehr Wildunfälle

Der Anblick ist grausig, aber auf den Straßen rund um Neustadt immer häufiger. Die Polizei verzeichnet immens mehr Wildunfälle. Forstleute und Jäger sind sich nicht einig, woran dies liegen könnte. Bild: Landesjagdverband Bayern

Bei der Unfallstatistik der Polizeiinspektion Neustadt fällt ein Wert besonders auf: Wild wird auf den Straßen immer mehr zum Problem. Jäger und Förster sehen darin aber ganz unterschiedliche Ursachen.

Zunächst zu den nackten Zahlen. Die Inspektion hat ihre Daten für ein Gebiet mit 15 Gemeinden und rund 40 000 Einwohnern ausgewertet. Es reicht von Kirchendemenreuth bis Luhe-Wildenau. Demnach krachte es 2015 so ziemlich mit allen Tierarten öfter als 2014.

Inspektionsleiter Werner Hanauer mag über die Ursachen nicht spekulieren. Er ist weder Förster noch Jäger. Auch Gerhard Hösl, Bereichsleiter beim Landwirtschaftsamt Weiden, hält sich zurück. Von ihm stammt der Satz "Ihr müsst einfach mehr schießen" in Richtung Jägerschaft. Andrea Sauer vom Forstrevier Mantel deutet ähnliches an. "Fragen Sie mich lieber zu den Bäumen. Aber im Studium haben wir gelernt, dass der Wildbestand generell sehr hoch ist, wenn viel zusammengefahren wird."

Nach dem jüngsten Verbissgutachten, das der Hegegemeinschaft Neustadt ein schlechtes Zeugnis ausstellte, nahmen Jäger Hösl und die Forstbehörden ins Visier ihrer Kritik. Der Wildbestand sei keineswegs ausufernd. Hösl ist sich jedoch sicher, dass in der Statistik der Polizei vor allem Rehe eine Hauptrolle spielen. Die würden sich auch an den Trieben von Bäumen vergreifen.

Michael Schiffer, der Kreisvorsitzende des Bayerischen Jagdverbands (BJV), lässt nicht gelten, dass die Waidmänner zu wenig erlegen. "Wenn überall die Abschusspläne zu 100 Prozent erfüllt werden, müssten eigentlich ja weniger Tiere im Straßenverkehr umkommen." Seine Vermutung: Das Verkehrsaufkommen ist zu hoch, und es wird zu schnell gefahren. Letzteres untermauert die PI-Statistik. Die Zahl der Geschwindigkeitsunfälle kletterte vergangenes Jahr von 26 auf 36.

Drückjagd als Gegenmittel


Schiffer vermutet außerdem "Besucherdruck". Mountainbiker, Querfeldeinläufer und Hundehalter trügen einfach Unruhe in den Wald und scheuchten dessen Bewohner auf. Zudem geschähen die meisten Wildunfälle im Winter, wenn die Tiere ihren Kreislauf runterfahren. Damit würden sie träger und wohl auch unvorsichtiger.

Der BJV-Chef hält Nachtsichtgeräte vor allem für die Wildschweinjagd für ein probates Mittel. Als Alternative empfiehlt der Rheinländer revierübergreifende Drückjagden - tagsüber. "Wo ich herkomme wurden im Jahr zirka 400 Sauen geschossen. 60 Prozent davon an zwei Drückjagdtagen." (Hintergrund)

Tote TiereIm letzten Jahr fielen fast alle Wildarten Autos und Lastwagen öfter zum Opfer als 2104. Insgesamt waren es 550 Tiere. In Klammern die Vorjahreswerte.

Hasen und Kaninchen 43 (38)

Rehe, Damwild, Rotwild 388 (294)

Wildschweine 64 (36)

Füchse 31 (27)

Dachse 9 (14)

Vögel 3 (1)

sonstiges Wild 12 (15)
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