Johann Beer repariert Traktor, Bauwagen und Moped
Schöner Schrott

Johann Beer hinter seiner Quickly und vor seiner BMW.
 
Wie neu stehen Traktor und Bauwagen da.
 
Aus einem kaputten Bauwagen hat Johann Beer einen Wohnwagen konstruiert. Hier sitzt er im Wohnzimmer. Bilder: arw (3)

Idealismus gehört schon dazu, einen Traktor des Baujahrs 1954 zu reparieren, der schrottreif ist. Dann rüstet Johann Beer einen Bauwagen zum Wohnwagen um. Eine viertägige Ausflugsfahrt entlang der Grenze zu Tschechien mit Armin Bock aus Weiden hat Beer mit dem Gefährt gut überstanden. Nun hat er ein neues Projekt.

Von Werner Arnold

Eigentlich wollte der Denkenreuther nur einen Traktor mit Riemenscheibe, um Holz zu sägen. Das war vor zirka 40 Jahren. Er fand einen Traktor des Herstellers Anton Schlüter. "Es war ein richtiger Schrotthaufen", erinnert sich der 70-Jährige genau. Das Gefährt war von dem ehemaligen Erstbesitzer zum Ausschlachten gedacht. Vom Traktor wurden von Mai 1954 bis Dezember 1956 zirka 1600 Stück hergestellt. Er hat einen Einzylinder-Motor mit 1,6 Litern Hubraum. Das Anlassen des 18 PS starken Motors erfolgte damals noch über eine Kurbel an der Stirnseite des Fahrzeuges. Doch das ist nicht ganz ungefährlich.

Zu Hause ging die Arbeit erst los. Beer nutzte jede freie Minute, um den Schrotthaufen auf Vordermann zu bringen. Er zerlegte den Motor, die gesamten Metallteile mussten entrostet werden. Alle Gewinde wurden wieder gangbar gemacht, ein elektrischer Anlasser eingebaut. Die Blinkleuchten mussten angebaut und die dazu gehörigen Kabel verlegt werden. Zu den TÜV-Anforderungen gehört auch der Überschlagbügel. Soweit möglich, wurden Originalteile wieder verwendet wie die vier Haubenhalter über dem Motor. Die Reparatur hat viel Geduld und Fingerspitzengefühl erfordert, sogar der Rost am Typenschild musste runter. Den Original-Fahrzeugbrief hatte der Verkäufer dem neuen Besitzer mitgegeben. Jetzt galt es, das Schild fein säuberlich und vorsichtig zu reinigen.

So sind heute Baujahr 1954, Typ AS18E, sowie 18 PS, Fahrzeuggestell-, Motor- und Getriebenummer gut leserlich. Auch alle vier Reifen musste Beer neu kaufen. Natürlich musste auch die entsprechende Lackierung für den Traktor gefunden werden. Würde Beer die Arbeitszeit summieren, käme er auf zwei volle Jahre. Auf das Finanzielle angesprochen, hält sich der Hobbybastler bedeckt.

Bauwagen mit Bett


Doch dann kam der spannende Moment. Der ehemalige Kfz-Meister wollte seinen Bulldog auch im öffentlichen Straßenverkehr fahren. Obwohl der gewissenhafte Meister alles genau erledigt hatte, war es spannend, ob das Gefährt durch den TÜV kommt. Doch der Ingenieur beim TÜV konnte keine Mängel an dem über 60 Jahre alten Traktor feststellen. Die Plakette wurde am Nummernschild angebracht, und der erste offiziellen Ausfahrt zum Heimatfest in Kirchendemenreuth stand nichts mehr in Wege.

Doch damit nicht genug. "Wenn ich mit meinem Traktor unterwegs bin, dann möchte ich auch die Möglichkeit haben, in der Nähe meines Fahrzeuges zu nächtigen", erklärt Beer. Er fand einen Bauwagen in Niederbayern. Auf einem Anhänger, der ebenfalls für den Schrotthändler bestimmt war, brachte er ihn in die Oberpfalz. Der Bauwagen stammt aus dem Jahr 1988. "Man kann sich heute, wo er repariert ist, nicht vorstellen, wie das Gefährt ausgesehen hat", meint der Tüftler. Das Dach war eingedrückt, Rahmen und Außenwände total verrostet. Doch bevor er anfing zu arbeiten, musste er zuerst den Hersteller finden. Denn ohne Typenschild geht gar nichts. Über einen Bekannten bei einer Baufirma kam Beer auf den Hersteller Gebrüder Knauss in Bächingen. Beer konnte ein Typenschild beschaffen - dann ging es wieder an die Arbeit.

18 Monate Umbau


Fünf handwerklich geschickte Freunde machten sich an die Reparatur des alten Bauwagens. Da nur noch der Rahmen mit Außenverkleidung in einer Halle stand, erfolgte das Entrosten. Für den ungefederten, 3,50 Meter langen und 2,20 Meter breiten, ungebremsten Einachser erfolgte ein umfangreicher Innenausbau. An Fußboden, Seitenwänden und Decken wurde alles entsprechend isoliert und mit hellem Holz verkleidet. Sie integrierten eine rustikale Eckbank und einen Tisch. Selbst an die Beleuchtung und Platz für eine Heizung dachten die Handwerker. Nach 18 Monaten Umbauarbeiten unternahm Beer mit seinen Helfern die erste Fahrt zur Schweinmühle.

Doch der rüstige 70-Jährige kann sich nicht zur Ruhe setzen. Neben den Arbeiten am Wohnhaus, Nebengebäuden und dem großen Grundstück fand er im hintersten Eck einer Scheune, unter Heu und Stroh, ein Moped des NSU-Quickly. Ein bisschen Benzingeruch war noch vorhanden. Den Tank konnte Beer öffnen, aber er war innen total verrostet.

Er baute ihn ab. In unzähligen Handbewegungen wurde der rostige Tankbehälter in alle Richtungen gedreht. Mehrmals musste Beer Muttern entfernen und den Tank spülen, bis dieser schließlich innen blitzblank war. Aber auch die anderen Motorteile zerlegte der Kraftfahrzeugmeister, reinigte sie gewissenhaft und setzte sie wieder zusammen.

Dann kam der spannende Moment. Der Tüftler befüllte den Tank, und siehe da, nach dem ersten Rucker lief das Quickly, Baujahr 1958. Der 70-Jährige führte einen wahren Freudentanz auf. Das alte Fahrzeug der NSU-Werke in Neckarsulm benötigt, um es im Straßenverkehr zu nutzen, ein Versicherungskennzeichen. Bei der Neustädter Polizeiinspektion erhielt er eine Unbedenklichkeitsbescheinigung - der Weg war geebnet. Seine erste Ausfahrt machte Beer mit seinem Zweitakter mit 1,4 PS und Dreigang zum Zoigltreffen beim "Brucksaler". Die zahlreichen Gäste schauten nicht schlecht und nahmen das Zweirad genau unter die Lupe. Es sind noch alle Originalteile vorhanden.

Wie ein rohes Ei


Auf der Heimfahrt war Beer überrascht, wie sein Quickly im zweiten Gang die Steigung von der Radschinmühle hinauf zur Mutter-Anna-Kirche schaffte, sind es doch von der Bahnhofsstraße bis nach Denkenreuth fünf Kilometer und ein Höhenunterschied von 100 Metern. Jetzt, so der gebürtige Denkenreuther, werde das fast 60 Jahre alte Moped auf Vordermann gebracht. Die Wintermonate eignen sich dafür. Was ihm noch fehle, sei die Originalbekleidung. Sie besteht aus Stiefeln, Handschuhen und Mantel. Die Kopfbedeckung hat Beer bereits.

Wer ihm bei den Arbeiten helfen möchte, setzt sich mit Johann Beer in Verbindung: Telefon 09602/8503. Neben alte Sachen wieder auf Vordermann zu bringen ist seine Leidenschaft das Motorradfahren. Seine BMW R1200 R, Baujahr 2008, steht da wie neu. Er hat mit dem Zweirad über 12 000 Kilometer unfallfrei zurückgelegt.

Das kann man sich heute, wo es repariert ist, nicht vorstellen, wie das Gefährt ausgesehen hat.Kfz-Meister Johann Beer
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