Johanniter-Weihnachtstrucker
"Hilfe, wo Hilfe nötig ist"

 
Nur mit einem T-Shirt läuft dieses Mädchen durch den Schnee. Aber es freut sich und lacht. Das ist Lohn und Dank für Erna Hauer, die seit 25 Jahren den hilfsbedürftigen Familien, Kindern und Senioren in Rumänien hilft.

Gerade sind die für die Johanniter-Weihnachtstrucker abgegebenen Hilfspakete auf den Lkw aufgeladen, da überkommt Erna Hauer - dem Motor der "Rumänienhilfe" der Katholischen Kirchenstiftung - ein tiefes Gefühl der Zufriedenheit. Die Sammelaktion ist gelungen.

Erna Hauer kann durchatmen. Wieder einmal haben die Menschen in der Region den Hilfsbedürftigen in dem Karpatenland mit Lebensmittelpaketen geholfen. Am zweiten Weihnachtsfeiertag gehen die Pakete mit ATU-Lkws auf die Reise nach Rumänien - und mit ihnen die Gedanken und Sorgen der Neustädterin, wie es den Kindern in den von ihr betreuten Heimen in Ocland und Tirguesequest oder den Senioren in Jimbor geht. "Nicht gut", ist sie sich sicher. Die alten Menschen müssen mit einer durchschnittlichen Rente von monatlich zwischen 50 und 100 Euro ihr Leben bestreiten. Da kommen die Weihnachtspakete mit einer kleinen Überraschung gerade richtig.

Hauer weiß, wo Hilfe am Dringendsten nötig ist. Sie ist sich aber auch bewusst, dass ihre Hilfe oft nur ein Tropfen auf dem heißen Stein ist. "Das Große kann man nicht ändern. Doch die hilfsbedürftigen Menschen freuen sich auch über jede noch so kleine Hilfe", erzählt sie. Was Erna Hauer immer wieder schockiert, sind die teils gravierenden Einzelschicksale. Sie erinnert sich noch gut daran, als eine Mutter von zehn Kindern auf der Straße Bärlauch verkaufte. Sie und Anni Jakob, die sie schon oft auf den strapaziösen Reisen nach Rumänien begleitete, holten die Frau in Brassov in einen Laden und schenkten ihr Schokolade für ihre zehn Kinder. Die Frau wusste nicht, wie ihr geschah. "Das war für sie wie Weihnachten - und das mitten im Sommer."

Freude der Menschen


Ein 17-jähriger halbseitig gelähmter Junge trieb immer humpelnd die Kühe durchs Dorf. Für ihn war Weihnachten, als sie ihm einen Umschlag mit einer Geldspende überreichten. "Er wunderte sich, warum ich an ihn denke, er sei doch behindert", erzählt sie. Auch wenn die EU gewisse Standards für Kinder mit Behinderung geschaffen habe, sei ihre Stellung in der Gesellschaft noch immer miserabel. Der Lohn für das Engagement von Erna Hauer, ihrem Ehemann Michael oder das ihrer Helfer, sind die Freude und der Dank der Kinder und alten Menschen. "Durch Spendengelder konnten wir einem Jungen die Operation bezahlen, damit er sein Augenlicht wieder bekommt."

Die Verhältnisse in Rumänien erinnern die Neustädterin ein bisschen an die Zeit nach dem Krieg. "Die Zeiten waren schlecht, man war trotzdem mit dem Wenigen, das man hatte, zufrieden und freute sich über jede Kleinigkeit", erinnert sie sich. Sie empfand Weihnachten in dieser Zeit immer als trauriges Fest, denn ihr Vater war im Krieg vermisst. "Meine Mutter, meine Schwester und ich haben am Heiligen Abend immer geweint." Die Menschen in Rumänien seien mit wenig zufrieden, weil sie es nicht anders kennen. Sie nimmt die Arbeit mit den Weihnachtspaketen gerne in Kauf, denn "jedes Paket bringt Freude in eine Familie". Für Erna Hauer ist Weihnachten nicht nur am 24. Dezember, sondern auch unter dem Jahr, wenn sie Menschen helfen kann. Sie wünscht allen Menschen in der Region mehr Zufriedenheit, denn sie kennt die Verhältnisse in Rumänien wie keine Zweite. "Dort ist man schon glücklich, wenn man im Winter heizen kann, warme Kleidung und etwas zum Essen hat, was nicht immer selbstverständlich ist."
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