Junge Europäer erkunden Bayern
Zoigl verbindet

Bürgermeister Rupert Troppmann (Zweiter von rechts) und OF-Bayern-Vorsitzender Gerhard Steiner (hinten, Dritter von rechts) hießen die "Young Adults" im Rathaus willkommen. Felix Steiner (rechts) und Manuel Würth (Fünfter von links) waren für das Reiseprogramm verantwortlich. Bild: bgm

Erlebnisregion Heimat: Wer einmal vergessen sollte, was die Oberpfalz oder Bayern so lebenswert und speziell macht, fragt am besten bei einer Gruppe junger Erwachsener von Operation Friendship nach.

"I love it", sagt Edward Ditchfield, wenn er nach seinen Eindrücken von Bayern gefragt wird. Der 21-jährige Waliser ist mit einer Gruppe von Operation Friendship (OF) in die Oberpfalz gekommen. Jeder heiße einen hier willkommen. Jeder mache den Eindruck, als würde er alles für einen geben, beschreibt Edward seine Kontakte mit den Einheimischen. Guter Dinge ist er sowieso - seit 1958 sei die walisische Nationalmannschaft nicht bei einem großen Fußballturnier dabei gewesen. "Wir sind sehr froh, so weit gekommen zu sein - sehr stolz", sagt Edward noch rund zwei Wochen nach dem verlorenen EM-Halbfinale gegen Portugal.

Erstmals ist die vor zwei Jahren gegründete "Young Adults"-Gruppe mit jungen Erwachsenen zwischen 21 und 30 Jahren in die Kreisstadt gekommen. "Die Idee dahinter ist es, die Kontakte nicht abreißen zu lassen, wenn man aus dem Alter des Austauschprogramms raus ist", erklärt Gerhard Steiner, der Vorsitzende von OF Bayern. Neben Edward sind drei, junge Damen aus den Staaten, eine aus der Ukraine, eine aus Ungarn und drei Männer aus den Niederlanden gekommen.

"Wir haben keine Hügel"


Im Rathaus empfängt Bürgermeister Rupert Troppmann die Gruppe im Sitzungssaal. Da haben sie schon die KZ-Gedenkstätte in Flossenbürg besichtigt, sind in einem Tagesausflug zu Schloss Neuschwanstein gefahren und durchs Waldnaabtal gewandert. So nah an der Hauptstadt des Zoigls durfte die Einkehr in einer Zoiglstube nicht fehlen. "Das war das beste Bier, das ich je getrunken habe", schwärmt Jaspar Overgoor aus Wehl in den Niederlanden.

Außer dem Zoigl hat es dem 25-Jährigen auch noch die hiesige Landschaft angetan. "Wir haben keine Hügel" , bedauert Jaspar. Die Einmaligkeit des bayerischen Biergartens lobt Wouter Snippe. "Jeder spricht mit jedem", lobt der 25-Jährige aus Doetinchem die ungezwungene Atmosphäre, in der viele Kontakte entstünden. In den Niederlanden gebe es keinen vergleichbaren Ort.

"Gerade in der heutigen Zeit, in der wieder der Nationalismus kommt, jeder nur auf sein Land schaut, ist es wichtig, dass man etwas gemeinsam unternimmt", sagt Troppmann zu den Gästen. Und trotz aller Digitalisierung gehe nichts über den persönlichen Kontakt. Das sei wie im Stadtrat. "Es ist wichtig, dass wir uns gegenseitig sehen, dass wir merken, ob einer aufgeregt ist oder nicht", erklärt der Rathauschef. So funktioniere die Politik in Neustadt.

Aus Sicht von Avrille aus den Vereinigten Staaten klappt das mit der Politik offenbar ganz gut. Hier habe man immer den Eindruck, dass die Leute zufrieden sind. In ihrer Heimat würden viele meinen, dass sie von den Politikern über den Tisch gezogen würden, sagt die 22-Jährige. Einer der Niederländer fragt nach dem Spruch an der Wand des Sitzungssaals. "Wer der Gemein' dient, hat einen harten Herrn", steht da in goldenen Lettern geschrieben.

Starker Rücken


"Ich habe 6000 Arbeitgeber. Da braucht man manchmal einen starken Rücken, aber es macht Spaß", erklärt Troppmann die Bedeutung lachend. Die OF-Vorstandsmitglieder Felix Steiner aus Neustadt und der Püchersreuther Manuel Würth, die die Reiseleitung für ihre Freunde übernommen haben, übernehmen auch die Aufgabe des Dolmetschens.

Ausflüge nach Bamberg und in die Landeshauptstadt München ließen bei den internationalen Gästen keine Langeweile aufkommen. Ein Höhepunkt des zehntägigen Aufenthalts war das Neustädter Bürgerfest, bei dem die OF-Mitglieder viele weitere Kontakte pflegen konnten.

Das war das beste Bier, das ich je getrunken habe.Jaspar Overgoor aus Wehl in den Niederlanden nach einem Zoigl
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