Kriminalitätsstatistik 2015 der Polizeiinspektion Neustadt
Viele Betrugsdelikte in Windischeschenbach

Vor dem Flossenbürger Kindergarten ist höchstens Tempo 50 erlaubt. Ein 46-Jähriger aus dem Landkreis Tirschenreuth rauschte dort im Oktober mit 106 Sachen vorbei. Trotz hoher Strafen, wie in diesem Fall 560 Euro und zwei Monaten ohne Führerschein, setzt bei manchen hinter dem Steuer offenbar die Vernunft aus. Bild: nm

Laut Polizeistatistik lebten 2015 die meisten bösen Buben in Windischeschenbach. Dort liefen jedenfalls am häufigsten Delikte auf. Die Erklärung dafür ist jedoch verblüffend einfach.

Von 170 Betrügereien, in denen die Polizeiinspektion Neustadt im vergangenen Jahr ermittelte, entfielen 68 auf die Stadt Windischeschenbach. Dahinter stecken Online-Abzocke bei Ebay, andere Gaunereien im Internet oder Probleme wie "bestellt und nicht bezahlt" beim Versandhandel. Die fallen in der Zoiglhochburg deshalb so geballt an, weil die Bürger sie umgehend anzeigen. "Da macht sich der Kontaktbereichsbeamte bezahlt", sagte PI-Chef Werner Hanauer am Freitag im Neustädter Rathaus bei der Vorstellung der Zahlen vor den 15 Bürgermeistern der Gemeinden in seinem Zuständigkeitsbereich. "Weil man sich kennt, teilt man jede verdächtige E-Mail gleich mit. Anderswo wird vielleicht gar nicht darüber gesprochen."

Starke Aufklärungsquote


Die Windischeschenbacher machen in diesem Fall jedoch alles richtig, betont Hanauer. "Rufen Sie uns an, haben Sie keine Hemmungen, wir gehen allem nach", appelliert er an die Bürger, sich im Zweifelsfall gleich an die Polizei zu wenden. Die habe 2015 eine enorme Aufklärungsquote in allen Bereichen - von der Fahrerflucht bis zum Ladendiebstahl, vom Ebay-Trick bis zur Körperverletzung. Die Neustädter haben in 74 Prozent der Fälle die Täter ermittelt. Das ist eine Steigerung um 6,4 Prozent. Damit liegt die Dienststelle über dem Bayernschnitt (72,5 Prozent) und dem für die Oberpfalz (70,7). Als kriminelle Vergehen sind jedoch auch Vorgänge wie in Kohlberg registriert, wo ein Nachbar dem anderen die Hecke abgeschnitten hat.

Schwerer liegen den Beamten die steigenden Einbruchszahlen im Magen (wir berichten). 26 Fälle sind zwischen Kirchendemenreuth und Luhe dokumentiert. 2014 waren es 15, 2013 nur 8. Besonders häufig schlugen Einbrecher in Windischeschenbach, Parkstein und Neustadt zu. Die größte Serie, die auf das Konto von zwei Kosovaren ging, ist allerdings gestoppt. Klar: Einbrüche berühren das Sicherheitsempfinden der Bürger empfindlich, weiß Hanauer.

Nicht immer stecken aber hinter jeder Pressemeldung auch Eindringlinge. In sieben Fällen entpuppten sich Einbruchsversuche bei näherem Hinsehen als ganz normale Gebrauchsspuren. Dennoch ist die Entwicklung besorgniserregend.

Ähnliche Entwicklung


Allein die vergangenen beiden Wochen machten vier Wohnungseinbrüche in Schirmitz und Parkstein sowie Autodiebstähle in Neustadt und Parkstein Schlagzeilen. Im Vergleich zum ersten Quartal 2015 sind die Zahlen 2016 in allen Kriminalitätsbereichen jedoch auch dieses Jahr in etwa gleich.

Die Verkehrsbilanz 2015 der Polizeiinspektion Neustadt stimmt traurig. 3001 Unfälle im gesamten Landkreis und 1270 in der Kreismitte bedeuten ein Plus von über 20 Prozent gegenüber 2014. In jenem Jahr gab es nur einen Toten, vergangenes Jahr kamen im PI-Bereich sechs Menschen auf den Straßen ums Leben.

Wie berichtet, kletterten vor allem die Wildunfälle nach oben. 1370 bedeuten 30 Prozent mehr. Verkehrsexperte Alfred Arnold, der stellvertretende Leiter der PI, brachte vermehrte Treibjagden auf Wildschweine ins Gespräch. Das Argument von Jägern, dass immer mehr Freizeitsportler Unruhe in den Wald trügen, lässt er nicht uneingeschränkt gelten. "Das meiste passiert zwischen 6 und 7 Uhr morgens, da dürften nicht so viele Mountainbiker unterwegs sein." Mehr Wildunfälle gab es außer in Floß und Theisseil eigentlich überall. Rekordhalter ist Altenstadt/WN. Rund um die B 22 schnellten vor allem die Wildschwein-Unfälle um 450 Prozent in die Höhe. Im benachbarten Neustadt ging es um 125 Prozent aufwärts, bei den Rehen gar um 333 Prozent. Interessant: In Neustadt war im Gegensatz zum benachbarten Altenstadt keine einzige Wildsau beteiligt. "Da ist die Waldnaab dazwischen", hatte Bürgermeister Rupert Troppmann eine Erklärung.

Auch andere Ziffern sind unerfreulich. So stieg die Zahl der Alkoholunfälle um 33 Prozent. Autofahrer dürfen sich auf vermehrte Kontrollen gefasst machen. Zudem werden Raser nicht gescheiter. In 36 Fällen, in denen es krachte, war jemand zu schnell. Prozentual bedeutet das eine Steigerung von fast 39 Prozent.

Unfallschwerpunkte waren die Theisseiler Kreuzung, die Autobahneinfahrten in Windischeschenbach und die Jet-Tankstelle. Auch Dunkelheit spielte eine Rolle. Arnold: "Man kann es auch Radlern nicht oft genug sagen: Schaltet das Licht ein und tragt reflektierende Kleidung."
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