Landratsamt informiert über ÖPNV
Linienbus: unbekannte Spezies

Karl Wittmann vom Landratsamt, Alfred Meller vom Regionalbus Ostbayern und Albert Wolf mit Sohn Christian von Wolf-Reisen (hinten, von links) warben dafür, dass auch Senioren häufiger den öffentlichen Nahverkehr benutzen. Bilder. Luber (5)

So ein zwölf Meter langes Fahrzeug ist eigentlich nicht zu übersehen. Trotzdem stellt Karl Wittmann fest: "Der Linienbus ist vielfach ein unbekanntes Wesen."

Der ÖPNV-Verantwortliche im Landratsamt hatte alle 25 Seniorenbeauftragten sowie die Bürgermeister aus allen anderen Gemeinden eingeladen. Elf der Geladenen nahmen das Angebot trotz hochsommerlicher Temperaturen wahr. Zu dem Infogespräch kamen auch Alfred Meller vom Regionalbus Ostbayern, der einen Großteil der Fahrten im Verkehrsverbund übernimmt, und Albert Wolf von Wolf-Reisen.

Thema Fahrpreise


Zunächst berichtete Meller von neun Busverbindungen, die regelmäßig im 30- bis 60-Minutentakt verkehren. Das Fahrplanheft liegt in vielen Fahrzeugen und Behörden aus und hat derzeit eine Auflage von 9000 Stück. Das einheitliche Tarifsystem TON (Tarif-Oberpfalz-Nord) bietet unter anderem ein Seniorenticket an, das 40 Prozent billiger ist als der Regeltarif. Eine Minderung für eine Einzelfahrt gebe es allerdings nicht. "Die Preisphilosophie ist wie überall: Je öfter ich etwas nutze, desto billiger wird es", erklärt Meller. Er rief die Gemeindevertreter dazu auf, herumzufragen, ob eine Senioren-Monatskarte sinnvoll wäre.

Thema Verkehrssicherheit:


Besonders die Kollision zwischen einem Linienbus und einem Pkw vor kurzem, der für den Autofahrer tödlich geendet hatte, schürte die Diskussion um die Verkehrssicherheit an (wir berichteten). Seniorenbeauftragter Josef Söllner aus Windischeschenbach merkte an, dass es unverantwortlich sei, Kinder im Bus stehen zu lassen.

Wolf erklärte, dass er bereits Zeuge zweier Kollisionen mit Bus und Pkw gewesen war, bei denen der Autofahrer starb, den Businsassen jedoch vergleichsweise wenig passierte. Meller erklärte, dass Busse 60 statt 80 Stundenkilometer fahren müssten, wenn Fahrgäste stünden. Außerdem verwies er auf eine Statistik, wonach der Bus nach dem Flugzeug das zweitsicherste Verkehrsmittel sei. So liegt der Anteil von den im Jahr 2015 3459 im Verkehr tödlich Verunglückten in Deutschland bei 5 Personen in Bussen und fast 50 Prozent in Autos.

Thema Busanbindung


Einige Teilnehmer fragten an, ob ein Einkaufsbus wie in Parkstein und Flossenbürg eingerichtet werden könnte. Der Grund: Viele kleinere Orte haben keine Geschäfte, die Busse sind jedoch an den Schulzeiten ausgerichtet und fahren oftmals nur zweimal am Tag. Einen Einkaufsbus könne nur eine Gemeinde anbieten, informierte Wittmann. Meist reiche dazu ein Neunsitzer. "Wenn wir mit unseren 12-Meter-Bussen jedes Dorf etwa zwischen Eslarn und Weiden anfahren, müsste die Fahrt zwei Stunden dauern."

Der Diskobus, der von 2000 bis 2004 verkehrte, musste eingestellt werden, weil es zu wenige Mitfahrer gab. Letztendlich komme es bei außerplanmäßigen Fahrten immer auf die Initiative Einzelner an, klärt Meller auf. Die Idee für einen Event-Bus wie in Wunsiedel, an dem sich auch der Veranstalter beteiligt, stieß eine junge Kreisrätin an. Eine Diskussionsteilnehmerin aus Altenstadt/WN regte an, auch bei Veranstaltungen wie "Weiden träumt" am 22. Juli zwischen Weiden und Neustadt einen Pendelbus anzubieten. Eva Ehmann vom Stadtmarketingverein "Pro Weiden" sagte auf NT-Anfrage, dass es dies heuer nicht geben werde. Sie wird die Anregung jedoch in ihrem Team diskutieren.

Thema Seniorenfreundlichkeit


Fast alle Busse im Nahverkehr der Nördlichen Oberpfalz sind mit Einstiegshilfen für behinderte Menschen ausgestattet. Barrierefreiheit soll bis 2022 im gesamten Personennahverkehr herrschen, so will es der Gesetzgeber. Für Hörgeschädigte soll es visuelle Haltestellenanzeigen geben, für Blinde Lautsprecheransagen. Gehhilfen machen aktuell Probleme, da sie während der Fahrt umfallen können, informiert Meller.

Auch betonte er ausdrücklich, dass Personen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, wie Schwangere, Kranke und Alte, ein Sitzplatz zustehe. Falls Probleme aufkommen, sollen sich Betroffene beim Busfahrer melden. Der werde den Anspruch durchsetzen. Notfalls würde er von seinem Hausrecht Gebrauch machen und Personen, die sich weigern, die Weiterfahrt untersagen.

Umfrage: Nutzen Sie Linienbusse?


Pauline Hempe, Neustadt



Ich pendele mit dem Jobticket zwischen Neustadt und Altenstadt. Das finde ich preislich okay. Aber besonders die Busfahrt nach Weiden ist mir zu teuer. Der Zug ist schneller und billiger.


Harald Köcher, Moosbach



Meine Heimatstadt hat zehn Ortsteile. Am häufigsten wird jedoch der Hauptort angefahren. Die Dörfer außenrum wie Tröbes und Etzgersrieth sind nicht so gut angebunden.


Dorothea Rössle, Neustadt



Von Neustadt aus fahre ich mit dem Auto, da der Weg zur Bushaltestelle zu lang ist. Meine Kleinen unternehmen mit dem Kindergarten oft Busausflüge, da unter Sechsjährige kostenlos fahren.


Tibor Skrzydlo, Weiden



Ich bin von Weiden nach Neustadt geradelt. Der Busverkehr nervt, weil ich nicht so flexibel bin. Das ist in Großstädten anders. Hier bei uns leben aber auch weniger Leute, deshalb ist das logisch.

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