Landrichter Freiherr von Lichtenstern vor 150 Jahren gestorben
59 Jahre im Dienst

Pfingsten 1844 wurde das Ölbild des 68-jährigen Landrichters Karl Franz Reisner Freiherr von Lichtenstern im Neustädter Rathaus feierlich aufgehängt. Im Stadtmuseum ist es der Öffentlichkeit zugänglich. Repro: sef
 
Auf dem Kirchenfriedhof steht das Grabmal des Landrichters. Bild: sef

89 Jahre war Landrichter Karl Franz Reisner Freiherr von Lichtenstern alt, als er vor 150 Jahren starb. Mit einem Schmunzeln soll er es quittiert haben, als man ihn im Rathaussaal aufhängte. Allerdings gibt es zu seinen Lebensdaten unterschiedliche Angaben.

Ein ausdrucksstarkes Portrait des Landrichters hängt im Stadtmuseum. Gemalt hat es 1844 Elias Lehner aus Erlangen im Auftrag des Neustädter Stadtmagistrats. Bürgermeister Fauner, Stadtsyndikus Wiesenhofer, Patrimonialrichter Bauer und weitere Honoratioren wollten damit ihrem außerordentlich geschätzten Landrichter zur Verleihung des Verdienstordens vom heiligen Michael durch König Ludwig I. gratulieren. Gleichzeitig dankten sie ihm für die großen Wohltaten seines bis dahin 36-jährigen segensvollen Wirkens in Neustadt. Was sie damit ausdrücken wollten, hielt der Künstler auf der Rückseite des Ölbildes detailliert fest.

  • Versetzung des Landgerichtssitzes hierher im Jahr 1808 und seine Erhaltung.

    Fundation und Restauration des Frühmess-Benefiziums dahier.
  • Tausch des vier Stunden entfernten Kommunwaldes Biebesberg gegen den nahen Staatswald Oed und Satzberg
  • Anlage vorzüglicher Distriktstraßen von und zur Stadt. Erleichterung von erdrückenden Lasten in den verhängnisschweren Kriegsjahren. Von 1809 bis 1815 Einrichtung der königlichen Postanstalt.

Am Pfingstsonntag wurde das Bild offiziell im Rathaussaal platziert. Für die Umrahmung der Feier war auch das Bürgermilitär aufgeboten. Die Festrede hielt deren Hauptmann, ein ehrsamer Handwerksmeister. Der Wortlaut ist weitgehend in Vergessenheit geraten. Doch der Anfang blieb erhalten: "Bürger und Landwehrmänner! Heute feiern wir ein Doppelfest, nämlich die Sendung des Heiligen Geistes und die Aufhängung unseres Herrn Landrichters." Über diese Zweideutigkeit soll der Geehrte gar nicht erbost gewesen sein, sondern sogar geschmunzelt haben.

Karriere im Staatsdienst


Geboren wurde der Freiherr am 12. August 1776 auf Burg Treswitz bei Moosbach. Vater Franz Marquard saß dort seit 1772 als kurfürstlich-bayerischer Pfleger, ab 1799 als Landrichter des Amtes Treswitz und Tännesberg. Karl Franz trat in dessen Fußstapfen, studierte Rechtswissenschaft an der Universität Ingolstadt, absolvierte die Staatsprüfung und erhielt 1803 "in Rücksicht seiner erprobten Fähigkeiten" die erste Anstellung als Landrichter von Nabburg.

Damit war er im Pflegschloss nicht nur für die Rechtspflege, sondern auch für die Verwaltung zuständig. 1807 wurde er zum größeren Landgericht Parkstein versetzt. Er amtierte im alten Schloss. Bereits ein Jahr später hieß es wieder umziehen. Ziel war diesmal Neustadt. Dorthin war nämlich der Landgerichtssitz verlegt worden. Nun residierte Baron Lichtenstern im Neuen Lobkowitzerschloss, dem heutigen Landratsamt.

Er leitete den Aufbau der Landwehr, die anfangs Nationalgarde III. Klasse hieß. Sie war 1808 durch König Max I. Joseph, dessen Portrait ebenfalls im Stadtmuseum Neustadt hängt, ins Leben gerufen worden. Lichtenstern wurde 1839 Landwehr-Oberstleutnant und avancierte 1858 zum Oberst und Inspekteur.

Kreativ und durchsetzungsfähig wie er war, forcierte er den Wiederaufbau der abgebrannten Orte Parkstein, Floß, Windischeschenbach, Holzhammer und Neudorf. Dabei ordnete er an, dass die neuen Häuser traufseitig zur Straße gebaut wurden.

Herrschaft in Neusath


Freiherr von Lichtenstern hatte 1814 das Landsassengut Neusath bei Nabburg von Tante Maria Rosa von Meichsner und Onkel Carl Philipp Freiherrn von Riedel geerbt. Deren Epitaphien zieren den Chor der Perschener Kirche. Er wurde Mitglied der Bayerischen Abgeordnetenkammer, die seit 1818 im Königreich bestand. Gebildet wurde sie aus den Kammern der Reichsräte und der Abgeordneten. Letztere umschloss die Vertreter der Universitäten, des grundherrlichen Adels, der Geistlichkeit, Städte, Märkte und Landbesitzer. Gemeinsam bewilligten sie die Steuern, überprüften den Staatshaushalt, wirkten bei der Gesetzgebung mit und hatten das Eingaben- und Beschwerderecht.

Berühmter Komponist


Der Neustädter Landrichter konnte sich wegen seines zeitaufwendigen Amtes nicht ausreichend um Gut Neusath kümmern. Deshalb übertrug er dem 1832 eingestellten Verwalter Johann Haller wichtige Aufgaben. Ihm und seiner Ehefrau Kunigunde wurde am 13. Januar 1840 als viertes Kind Sohn Michael geboren, der mit dem adeligen Dienstherrn sicher gut vertraut war und später als Kirchenkomponist Weltruhm erlangte.

1862 trat Karl Franz Reisner Freiherr von Lichtenstern nach einer 59 Jahre währenden Rekord-Dienstzeit in den Ruhestand. Immerhin war er fast 86 Jahre alt. Er zog sich nach Amberg zurück und erhielt eine Pension von zunächst 1500 und später 2000 Gulden jährlich. In der heutigen Georgenstraße 63 wohnte er noch vier Jahre und starb dort am 24. März 1866 um 4 Uhr früh.

Seine letzte Ruhe fand er jedoch in Neustadt, wo er 54 Jahre als Landrichter gewirkt hatte. Neben der Leichenhalle blieb sein neugotischer Grabstein erhalten. Auf dem Grabstein stehen als Geburts- und Sterbedaten 14. August 1774 und 24. Mai 1864. Die Daten sind abweichend von denen (12. August 1776 bis 24. März 1866), die sich in den Pensionsakten im Staatsarchiv Amberg und in einer Schrift eines Verwandten von 1889 finden.

QuellenDie Oberpfalz, Band. 12, Kallmünz 1918, Seite 134.

Verhandlungen des Historischen Vereins für Regensburg und Oberpfalz, Band 43, Regensburg 1889, Seiten 112 ff.

Staatsarchiv Amberg, Kammer der Finanzen 2999.

Stadtmuseum Neustadt/WN, Angaben auf der Rückseite des Portraits von 1844. (sef)
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