Lobkowitzer Schloss bekommt vierstöckigen Vorbau
Riesending mit Raum nach unten

Im Stadtrat präsentierte Professor Piero Bruno (links) den preisgekrönten Vorschlag für das neue Ämtergebäude vor dem Schloss. Bilder: ui (2)

Das Neustädter Schloss ist barocktypisch symmetrisch aufgebaut. Demnächst soll es einen festungsartigen vierstöckigen Vorbau bekommen. Das stört die Stadträte ganz und gar nicht. Im Gegenteil. Sie waren kurz davor, Professor Piero Bruno zu applaudieren.

Der Architekt mit Büros in Berlin und Lugano unternahm in der Sitzung mit dem Gremium einen virtuellen historischen Stadtrundgang, der in der baulichen Zukunft endete. Bruno zeigte alte Pläne und zeichnete mit dem roten Punkt an der Leinwand den Verlauf der ehemaligen Stadtmauer nach. "Der aktuelle Erweiterungsbau folgt nicht der historischen Gesetzmäßigkeit", sagte der Gewinner des Architektenwettbewerbs (wir berichteten) für den Neubau des Nebengebäudes des Lobkowitzer Schlosses.

"Das neue Gebäude versucht, das Thema Stadtmauer nach oben wiederzugeben." Die Ideen erinnern an die Festungsarchitektur, die Zutaten sind der Verlauf der alten Stadtbefestigung samt einer Öffnung zum Schloss mit Anbindung an den Berockgarten, den Bruno als "Kleinod" bezeichnete. Mit dieser Neuinterpretation von etwas Altem wolle man die Geschichte des Ortes weitergeben.

Scheinwachstum


Das Gebäude ragt trotz der vier Stockwerke nicht über den Sockel des Schlosses hinaus. Der Neubau bleibt in seiner Höhe konstant, scheint aber in Richtung Süden durch die Topographie zu wachsen. Am Hang erreicht es nach außen die drei Stockwerke und nimmt die Dimensionen der umliegenden Bebauung auf. An den Seiten des Schlosses kommt es zur Verbindung der beiden Teile des künftigen Landratsamtes.

Vom Eingang des Anbaus an der Ecke Knorrstraße, Hohlweg reicht der Blick zur Mittelachse des symmetrischen Lobkowitzbaues. "Von den Räumen schauen wir auf das Schloss wie im Theater", beschrieb Bruno. Die Flure verlaufen an der Außenmauer. Neben dem Aufzug im Eck des Haupteingangs inszeniere eine lange Kaskadentreppe mit Oberlicht den Eindruck des Festungsbaus.

Fast eine Quälerei


Der nach oben offene Innenraum mit Rasenstufen und einzelnen Bäumen könne als Veranstaltungsraum dienen. Als Bernhard Knauer bat, mit dem Landkreis eine Vereinbarung abzuschließen, dass die Stadt dieses Areal nutzen dürfe, berichtete der Architekt von den Verhandlungen mit dem Kreis: "Die haben uns fast gequält mit der Vorgabe, dass der Raum offen und frei zugänglich ist als Ergänzung zum Barockgarten." Er hoffe, dass dies Bestand habe. "Der Platz ist jetzt öffentlich und soll auch öffentlich bleiben", bekräftigte Kreisbaurat Werner Kraus, dass an keine Änderung gedacht sei.

Als Baumaterial schlug der Planer Sichtbeton als moderne Interpretation des ehemaligen Natursteins der Stadtmauer vor. Dem Beton werde dazu der Stein zugegeben, aus dem die Stadt gebaut sei. "Das führt zu einer Struktur, die zu Neustadt passt", meinte Bruno.

Der Vorschlag des Architekten soll an einer Stelle entstehen, die das Stadtbild prägt. Die Entscheidung, dem zuzustimmen, fiel bei den Räten nach der Präsentation einstimmig.
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