Neustädter Tourismus-Chef Reinhold Zapf geht in Ruhestand
30 Jahre um Gäste geworben

Hinter den dicken Mauern des alten Schlosses residierte der Neustädter Chef-Touristiker. Beim Ausräumen des Büros stieß Reinhold Zapf (63) auf zahlreiche Erinnerungen aus einer 30-jährigen Tätigkeit. Bilder: Götz (3)
 
Reinhold Zapf verlässt nach 30 Jahren mit einer Menge Erinnerungen das Tourismusbüro des Landkreises.
 
Natürlich ist der Einheimische der wichtigste Partner, selbst wenn er keine Übernachtung generiert wie der klassische Urlauber.

Als Reinhold Zapf als Landkreistouristiker mit der Arbeit begann, gab es im Büro Telefon, Schreibmaschine und den Fernschreiber des Landratsamtes. Nach dem Gau in Tschernobyl kam ein Faxgerät dazu. 30 Jahre später ist die Arbeit ohne digitale Produkte und Social Media kaum denkbar. Zapf spürte die Umbrüche im Tourismus durch die Wiedervereinigung und die Grenzöffnung. Am 29. April ist sein letzter Arbeitstag.

Wollten Sie Touristiker werden?

Reinhold Zapf: Auf dem Bauernhof meiner Großeltern in Wendersreuth wohnte das Flüchtlingspaar Iskritzky, das die Bombenangriffe auf Dresden überlebt hatte. Sie haben mir immer von der großen weiten Welt erzählt. Mein Ziel war von kleinauf: Hinaus in die weite Welt.

Ist Touristiker ein Traumjob?

Für mich ja. Ich habe unglaublich viele Menschen kennengelernt und viele Freundschaften geknüpft. Noch zu Zeiten des Eisernen Vorhangs war ich eng befreundet mit dem Chef der tschechischen Tourismuszentrale in Frankfurt, Miroslav Vodicka. Er war weltweit vernetzt und für uns Türöffner ins Nachbarland. Entstanden sind daraus Veranstaltungen wie die böhmische Woche im Hotel "Regina" in Pleystein und der Gegentermin im Interconti in Brünn (Brno).

Was sind die sechs touristischen Höhepunkte im Landkreis?

Das erste ist das Geo-Zentrum und in dessen Folge der Geopark. Ich habe die Entwicklung von der Vorbohrung bis hin zum heutigen hochprofessionellen Anlaufpunkt für Fachleute und ganz normale Besucher miterleben dürfen. Das zweite Projekt, der Bockl- und der Paneuroparadweg, hat uns radtouristisch in den Mittelpunkt gebracht. Das Pendant für Wanderer ist der Goldsteig, der aus dem Burgenweg zum Leitwanderweg ganz Ostbayerns geworden ist. Im kulturellen Bereich gehören die Burgfestspiele Leuchtenberg und mit persönlichem Bezug die Wurzer Sommerkonzerte dazu. Am Ende des Alphabets steht natürlich der Zoigl als das Alleinstellungsmerkmal, das uns neue Gäste und Medienpräsenz verschafft.

Wer sind die Kunden im Tourismusbüro?

Wir haben uns vom ersten Tag an als Dienstleister für alle gefühlt. Natürlich ist der Einheimische der wichtigste Partner, selbst wenn er keine Übernachtung generiert wie der klassische Urlauber. Wir hätten ohne die hohe Akzeptanz unserer Bevölkerung viele Projekte nicht umsetzen können, wie die zweimalige komplette Neubeschilderung des Radwegenetzes oder die Wanderwegmarkierung mit dem OWV als wichtigem Partner. Ansonsten kommt zu uns vom Goldsteig-Wanderer bis zum Fernradler die gesamte Bandbreite an Gästen.

Wer war Ihr exotischster Kunde?

Eine Bierbrauerin aus Indien, die wegen eines Zimmers für den Tag der Kommunbrauer in Neuhaus angefragt hatte. Ich war mit ihr am Zoigl. Als ich ging, war sie immer noch fidel.

Welchen Geheimtipp verraten Sie bei entsprechenden Anfragen?

Das Waldnaabtal ist wirklich ein tolles Stück Natur, das zu Recht stark frequentiert wird. Als Geheimtipp geben wir gerne den Doost, das älteste Naturschutzgebiet der Oberpfalz, weiter und die Mühle Gehenhammer am schönsten Stück des Nurtschweges nicht zu vergessen.

Was ist für Sie das schönste touristische Kleinod im Landkreis?

Es gibt für mich zwei. Zum einen den Parkstein. Ich bin mit Blick auf den Vulkankegel geboren. Zum anderen St. Quirin. Dort habe ich geheiratet.

Was ist das wichtigste Juwel für den Tourismus in der Region?

Das ist schwierig. Ich war am Ostermontag im Klosterdorf Speinshart und bin ganz glücklich, dass in diesem jahrelang touristisch wenig nutzbarem Ensemble jetzt Leben eingekehrt ist.

Welche negativen Entwicklungen mussten Sie in den vergangenen 30 Jahren miterleben?

Da sind der Niedergang der Ferienanlage Maximilianhof in Böhmischbruck und der Glasindustrie zu nennen. Ich habe bei der Beerdigung von Toni Frank wieder daran gedacht, dass uns die Schauglashütte als Familien-Ausflugsziel echt fehlt. Das Wegbrechen von größeren Häusern wie der BRK-Familienferienstätte und dem Schullandheim in Pleystein waren Verluste. Dorthin kamen Leute, die zum Teil später Stammgäste wurden.

Erinnern Sie sich an einen besonderen Kraftakt?

Das war die Ausrichtung der ersten 24 Stunden von Bayern, organisatorisch ein Kraftakt, aber für die Region ein Riesenerfolg. Aufwendig war auch die aktuelle Faltkarte "Goldene Straße" zur Landesausstellung mit vielen Zulieferern als Partnern und engem Zeitplan. Einen Tag vor der Messe in Nürnberg kamen die Karten aus der Druckerei. Jetzt ist die Nachfrage groß.

Was hätte Reinhold Zapf gerne noch in die Wege geleitet?

Es wird jetzt in unserer Tourismusgemeinschaft eine Zäsur geben, zumal auch mein Tirschenreuther Kollege Peter Knott gerade in den Ruhestand wechselte. Da können neue Ideen hochkommen. Mir liegt am Herzen, dass die Zusammenarbeit der Touristiker im Oberpfälzer Wald sehr gut weitergeht. Mein langgehegter Wunsch ist, dass aus den Naturparks Oberpfälzer Wald und Nördlicher Oberpfälzer Wald eine Einheit wird.

Was kommt auf die Nachfolgerin zu?

Bei der Online-Buchbarkeit sind die Vermieter zwar schon gut aufgestellt, aber man kann sie noch mehr sensibilisieren. Ich würde mir wünschen, dass der etwas eingeschlafene Kontakt zum Hotel- und Gaststättenverband wieder intensiviert wird.

Wo bestehen touristische Defizite im Landkreis?

Es wäre schön, wenn wir ein großes Vier-Sterne-Wellness-Hotel bekommen, zudem würde ein besonderer Anziehungspunkt wie ein grenzüberschreitender Baumkronenweg gut tun. Ich freue mich aber, dass kleinere Häuser in Qualität investiert haben. Nicht optimal ist die gastronomische Versorgung in der Fläche, vor allem was die Öffnungszeiten angeht, beispielsweise am Nurtschweg. Ich habe aber Verständnis, dass kein Gastronom wegen fünf Wanderern den ganzen Tag aufhaben kann.

Worauf freut sich der scheidende Tourismuschef?

Auf ein bisserl mehr Zeit für die Familie samt der drei Enkel. Frau und Familie haben viel zurückstehen müssen, weil bei Urlaub und Freizeit oft touristische Themen im Vordergrund standen. Neben der vernachlässigten Arbeit in Haus und Garten will ich mehr Zeit sowohl in der Region als auch außerhalb verbringen. Ich werde Wege erwandern, die ich bisher nur abschnittsweise gegangen bin. Mein Traum ist es, zumindest den spanischen Teil des Jakobsweges bewältigen.

Worauf kann Reinhold Zapf gerne verzichten?

Täglich mehrfach meine Mails zu checken und möglichst just in time zu antworten.Glasgraveur Erich Stöhr war lange Jahre auf Messen der Blickfang für die Tourismusregion Oberpfälzer Wald. Einmal kam kurz vor der offiziellen Eröffnung ein Mann in weißer Kleidung vorbei, nahm sich ein Blatt Papier und malte etwas. "So hätte ich mir immer das ideale Glas vorgestellt", sagte Design-Star Lgi Colani , als er den verdutzten Neustädtern seine Zeichnung zeigte. Weitere bekannte Menschen, die Reinhard Zapf auf den Messen traf, waren Nationaltorwart Uli Stein und HSV-Masseur Reinhard Rieger sowie Model Claudia Schiffer . (ui)

Zur PersonReinhold Zapf kam im Januar 1953 der Älteste von vier Geschwistern im Bauernhof der Großeltern in Wendersreuth zur Welt. Der Vater arbeitete auf dem Bau, die Mutter starb früh. Aufgewachsen ist Zapf in Neustadt, wo er immer noch lebt. Als 19-Jähriger heiratete er seine Sonja mit der er die mittlerweile erwachsenen Söhne Marco und Manuel hat. Nach der Realschule lernte Zapf in Weiden Reiseverkehrskaufmann, obwohl ihm der Berater beim Arbeitsamt von diesem schlecht bezahlten Beruf abgeraten hatte. Nach vier Jahren bei der Bundeswehr übernahm Zapf 1978 in Plößberg die Stelle als Verkehrsamtsleiter. Am 1. November 1985 startete er als Landkreistouristiker in Neustadt. Gleich am ersten Arbeitstag war er trotz des Feiertags in Berlin, um für die Region zu werben. Dankbar ist er zum Ende seines Berufslebens über viele Kollegen mit denen er jahrzehntelang zusammenarbeiten durfte. (ui)
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